27.03.2019 12:44

GC-Präsident Stephan Rietiker

«Der Patient GC liegt auf der Intensivstation»

Der Patient ist chronisch krank, lebt aber noch. Das reicht dem neuen Präsidenten Stephan Rietiker nicht, er will einen gesunden Club.

von
E. Tedesco

Die Frage, die alle am Mittwochmorgen bei der Präsentation des neuen GC-Präsidenten Stephan Rietiker umtrieb, war: Wieso tut er sich das beim serbelnden Rekordmeister an? Als Mitglied der Gönnervereinigung «Donnerstag-Club» sei er emotional mit GC verbunden. Und er sei Zürcher, so die Argumente des 62-jährigen Arztes und Unternehmers. «Ich habe immer gern schwierige Aufgaben gelöst – das sieht man auch an meiner Vita.»

Seine beruflichen Tätigkeiten führten ihn nach dem Medizinstudium an der Universität Zürich zu verschiedenen renommierten Unternehmen im Bereich «Healthcare» in der Schweiz und auch in den USA. Rietiker verfügt über grosse Erfahrung im Führen von Unternehmungen in schwierigen Situationen und hat mehrere Turnarounds erfolgreich abgeschlossen.

GC ist chronisch krank

«In Krisensituationen gilt die Maxime des Fokussierens auf das Wesentliche. Disziplin und Ordnung sind genauso entscheidend wie der unabdingbare Wille, die Hürden überwinden zu können», sagt der designierte VR-Präsident. Mit seiner Erfahrung als CEO sagt Rietiker: «Es gibt keine Situation, die sich nicht lösen lässt.» Seine Diagnose zum Patienten GC als Arzt: «Der Patient liegt auf der Intensivstation, hat aber gute Chancen zu überleben.»

GC ist aber kein Patient, der plötzlich auf der Intensivstation gelandet ist. Vielmehr sind die Grasshoppers seit Jahren chronisch krank. Mit vier Punkten Rückstand auf den rettenden Barrageplatz hängt der Traditionsclub nun schon am Tropf. «Im vollen Bewusstsein um die sportlich schwierige Lage will ich alles unternehmen, damit GC den Ligaerhalt schafft.» Am Donnerstag trifft Rietiker erstmals auf die Mannschaft. Seine Botschaft: «Verständnis zeigen, Lösungen bringen. Auf die Mannschaft zugehen und zuhören. Die Spieler müssen Sicherheit haben, wissen, wie es weitergeht.»

Fans sind «superwichtig»

«Wenn ich zurückschaue, bin ich auch frustriert, aber ‹turn the page› – ich schaue nur nach vorn. Wir sind als Club angeschlagen, aber die Marke GC ist stark. Wichtig ist, Ruhe und Kontinuität reinzubringen. Ich habe in der Vergangenheit gezeigt, dass ich das kann. Man muss GC führen wie ein Unternehmen.» Nur geht das in den seltensten Fällen auf.

Fussballexperte sei er nicht, müsse er als VR-Boss aber auch nicht sein. Er müsse nur die richtigen Leute holen. Und die Suche läuft. Ein CEO und Sportchef habe oberste Priorität. Wichtig ist Rietiker die Unterstützung der Eigentümer, dass die Finanzierung bis 2020 sichergestellt sei und er freie Hand habe, den Verwaltungsrat neu zu besetzen.

Neben der sportlichen Gesundung sei ihm die Kommunikation mit den Fans «superwichtig». Rietiker: «Wir müssen auf die Fans zugehen, die Kommunikation verbessern, dürfen aber nicht tolerieren, dass sich Einzelne vergessen und es zu Gewalt kommt. In dieser Hinsicht pflege ich null Toleranz.» Und dann schliesst er seinen ersten GC-Befund mit folgenden Worten ab: «Der Grasshopper Club verdient es, wieder dahin zu kommen, woher er kommt.»

Wenn Rietiker aber die richtige Therapie nicht findet, droht ihm das Schicksal, als Abstiegspräsident in die Geschichte einzugehen.

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