Der perfekte Deal: Migros schluckt Denner
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Der perfekte Deal: Migros schluckt Denner

«Diese Übernahme ist ein brillanter Schachzug sowohl von Migros wie auch von Denner», heisst es unisono bei den Detailhandels-Experten. Während sich die Migros mit dem Deal umsatzmässig an die Spitze katapultiert, entgeht Denner rechtzeitig dem zunehmenden Preiskampf im Discountgeschäft.

Perfekt ist auch der Zeitpunkt: Im Alleingang würde Denner gemäss Experten im Preiskampf kräftig Federn lassen.

«Migros hat im bestehenden Segment alles ausgereizt. Mit der neuen Discountschiene Denner und damit auch mit dem Verkauf von Alkohol- und Tabakwaren eröffnen sich für Migros neue Wachstumsmärkte», kommentiert Detailhandelsspezialist Gotthard F. Wangler von Wangler Consult in Luzern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA den Deal.

Die Gründe für den Verkauf von Denner sind nach Meinung von Wangler klar: «Aldi hat sich positioniert, Lidl befindet sich in den Startlöchern, und Coop und Migros mischen ebenfalls im Tiefpreissegment mit. Denner steht also unter heftigem Preisdruck.»

Richtig Kasse machen

Noch geht es Denner nach teuren Investitionen sehr gut. «Der Zeitpunkt ist schlicht perfekt. Jetzt kann die Besitzer-Familie um Konzernchef Philippe Gaydoul richtig Kasse machen», sagt Wangler. Im Alleingang müsste Denner später im Preiskampf Federn lassen und der Wert des Unternehmens würde kontinuierlich sinken.

Dass die Migros künftig Alkohol und Tabak unter eigenem Label anbieten könnte, bezweifelt Wangler: «Der Name Denner wird so schnell kaum verschwinden. Er ist der Inbegriff für Discount in der Schweiz und damit eine wertvolle Marke.»

Von einem regelrechten Coup spricht Marco Strittmatter, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Auch er rechnet damit, dass der Name Denner erhalten bleiben dürfte. «Wohl auch, um die Leute nicht vor den Kopf zu stossen.»

Dennoch stelle der Schritt einen Bruch mit der Vergangenheit dar. Getreu dem Kredo ihres Gründers Gottlieb Duttweiler hatte die Migros bisher auf den Verkauf von Tabakwaren und Spirituosen verzichtet.

Alten Zopf abschneiden

Der Verkauf von Alkohol und Tabak unter dem Migros-Dach sei lange ein absolutes Tabu gewesen, erklärt Strittmatter. Dass Migros bereits durch Globus Alkohol verkaufe, sei vielen Konsumenten nicht bewusst. «Es geht hier um einen alten Zopf, der jetzt abgeschnitten werden muss», findet Strittmatter.

«Die wenigsten identifizieren Globus mit Migros. Das wird bei Denner auch nicht anders sein», glaubt Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschugsstelle der ETH Zürich (KOF). Es sei zudem einfacher, ein günstiges Sortiment unter dem Namen Denner zu verkaufen als unter Migros.

Sowohl der KOF-Experte wie auch Analyst Mario Montaniani von Julius Bär sind überzeugt, dass sich die Angebote der beiden Detailhändler gut ergänzen. Allerdings befürchten sie Nachteile für die Konsumenten, da sich nun ein Anbieter weniger auf dem Markt befindet.

Interessentin Lidl

Migros dürfte nicht der einzige Kandidat für Denner gewesen sein. «Sehr wahrscheinlich hat der deutsche Anbieter Lidl versucht, über Denner den Schweizer Markt zu erobern», erklärt Abrahamsen. Dies wäre für Lidl die Idealsituation gewesen. Lidl hätte sehr schnell einen hohen Marktanteil gewinnen können.

Mit Lidl ist aber auch weiterhin zu rechnen, sind sich die Experten einig. «Vielleicht sogar mehr denn je, da nun immerhin ein grosser Konkurrent quasi wegfällt», sagt Abrahamsen. Offen bleibt aber, was die Wettbewerbskommission dazu sagen wird und wie allenfalls die Migros Denner positionieren wird.

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