«Time-Out»: Der perfekte ZSC-Ausländer
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«Time-Out»Der perfekte ZSC-Ausländer

Momentan trainiert Michael Nylander nur mit den ZSC Lions. Doch Sportchef Edgar Salis sollte den Stürmer schleunigst unter Vertrag nehmen. Denn Nylander ist der perfekte ZSC-Ausländer.

von
Klaus Zaugg

Ein Blick in die Statistik sagt es bereits: Dieser Stürmer ist eine grosse Nummer: 713 Punkte in 967 NHL-Spielen. Allerdings sollten wir solche Statistiken nicht zu stark gewichten: Sie sagen uns etwas über die Vergangenheit. Aber wenig über die Zukunft. Nylander ist bereits 39. Er hat seine Zukunft hinter sich.

Um ein verlässliches Bild über das Potenzial eines Spielers zu bekommen, ist es besser, sich mit seiner Persönlichkeit und seinem Wesen und Wirken auf dem Eis zu befassen. Und blutleere Statistiken zu vergessen.

Ab nach vorne

Das Alter spielt bei Nylander keine Rolle. Es gibt nicht alte und junge, sondern nur gute und weniger gute Spieler. Severin Blindenbacher spielt beispielsweise gelegentlich auch so, als wäre er schon 42 und ist erst 28. Grosse, schwere und langsame Rumpelspieler werden schneller alt und sind mit 39 nicht mehr zu gebrauchen. Aber Künstler altern nicht.

Nylander ist im besten Sinne des Wortes ein Künstler. Die NHL-Scouts vergleichen sein Talent mit jenem von Wayne Gretzky und schieben sofort nach, Nylander sei kein Gretzky. Weil ihm Konstanz und Siegeswille fehlen. Die Coaches haben Nylanders Launenhaftigkeit immer in Kauf genommen. Weil er Spiele im Alleingang entscheiden kann und weil er mit der Scheibe zu zaubern versteht. Wenn er will. Manchmal will er nicht. Und eines ist klar: Nylander ist ein Einwegstürmer. Er denkt und spielt ausschliesslich offensiv. In jeder Liga haben ihm die Coaches bisher einen defensiven Helfer zur Seite gestellt. Aber Nylander macht eben auch jeden Mitspieler offensiv besser. Er ist ein Stürmer, der alles über Raum und Zeit und den Puck weiss. Einer der ganz wenigen Spieler, die den Puck für sich arbeiten lassen. Obwohl er sich nicht einschüchtern lässt, führt er seine Kunststücke lieber auf offenem Eis auf. Und auch mit 39 ist immer noch schnell und flink. Einer der Schnellsten der Liga.

Der beste verfügbare Stürmer

Die Anhänger der ZSC Lions jammern über zu wenig Kreativität in der Offensive, über viele harte Arbeiter und zu wenig Künstler, über berechenbares Spiel und Langeweile. Nylander ist genau der Spielertyp, der den ZSC von diesen «Übeln erlösen» kann: Ein unberechenbarer, kreativer Stürmer von höchstem Unterhaltungswert. Den Eindruck, er sei mehr Arbeiter als Künstler, wird er auch nie erwecken. Selbst unter einem Coach wie Bob Hartley würde Nylander hin und wieder so spielen, dass sich die Fans fragen, ob der Schwede überhaupt dabei war. Doch solche Partien dürften eine Ausnahme bleiben.

Einen besseren ausländischen Stürmer findet Sportchef Edgar Salis auf den internationalen Transfer-Wühltischen nicht mehr. Das Geld darf in diesem Fall auch keine Rolle spielen. Eigentlich könnte bei einer Verpflichtung von Michael Nylander gar nichts schiefgehen: Entweder begeistert und unterhält er mit seiner Spielkunst und macht die ZSC Lions besser. Oder er sorgt als launische Diva für beste Unterhaltung. Schwächer werden die ZSC Lions ja sowieso nicht mehr.

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