Aktualisiert 05.11.2011 13:58

FARC-Anführer getötetDer philosophierende Terrorist

Ein intellektueller Bücherwurm war er, der FARC-Führer Alfonso Cano, der gestern bei einem Armeeeinsatz getötet wurde. Seine Karriere verlief ereignisreich.

von
Vivian Sequera, AP
Alfonso Cano auf einer Aufnahme aus dem jahr 2000. Auf Cano war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Alfonso Cano auf einer Aufnahme aus dem jahr 2000. Auf Cano war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Alfonso Cano begann seine FARC-Karriere als intellektueller Bücherwurm und stieg rasch zum Chef-Ideologen der linksgerichteten Rebellenorganisation auf. Nach dem Tod des Mitbegründers und langjährigen Führers Manuel Marulanda trat Cano, der mit bürgerlichem Namen Guillermo León Sáenz Vargas hiess, 2008 dessen Nachfolge als Chef der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens an.

Nach seinem Anthropologie-Studium an der renommierten Universidad Nacional in der Hauptstadt Bogotá schloss sich Cano der Kommunistischen Jugend an und wurde vermutlich Ende der 70er Jahre Mitglied der FARC. Dort war der Bart- und Brillenträger jahrelang ein Schüler des ersten FARC-Ideologen Jacobo Arenas. Nach dem Tod seines Mentors 1990 wurde er zum politischen Strategen der Gruppe.

«Während andere FARC-Befehlshaber über die Sprengung von Brücken sprachen, sass Cano herum und las ein Buch», sagte Carlos Lozano, Herausgeber der Zeitung der Kommunistischen Partei, «Voz», und langjähriger Vermittler. Der frühere Präsident Alvaro Uribe äusserte sich zynischer über Cano und beschrieb den Guerilla-Kämpfer als «Terroristen, der sich als Philosoph ausgibt».

Anfang der 90er Jahre führte Cano für die FARC Friedensgespräche mit der kolumbianischen Regierung in der venezolanischen Hauptstadt Caracas und im mexikanischen Tlaxcala. Beide Verhandlungsrunden scheiterten. Von 2000 leitete Cano den inoffiziellen politischen Arm der FARC während einer weiteren Runde von Friedensgesprächen im südkolumbianischen Dschungel, die ebenfalls ohne Erfolg blieb.

Über Privatleben wenig bekannt

Grund für das Scheitern war die Entführung eines Flugzeugs durch die FARC. Die Rebellen zwangen den Piloten, in der neutralen Zone zu landen, in der die Gespräche stattfanden. Präsident Andres Pastrana brach daraufhin die Verhandlungen ab und wies die Streitkräfte an, das Gebiet wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach Angaben Pastranas erschien Cano kein einziges Mal persönlich am Verhandlungstisch.

Während der jahrelangen Verhandlungen gab Cano mehrere Interviews, zu denen er bewaffnet und in Uniform erschien und vor einem riesigen Porträt des Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar posierte. «Er war schüchtern», erinnerte sich Alfredo Molano, ein ehemaliger Kommilitone Canos in den späten 60er und frühen 70er Jahren. «Er stammte aus der Mittelklasse von Bogotá. Er hatte Stil und eine eigene Eleganz.»

Cano kam am 22. Juli 1948 als Sohn eines Agrarwissenschaftlers und einer Lehrerin in der kolumbianischen Hauptstadt zur Welt. Über sein weiteres Privatleben ist nur wenig bekannt. Ob der am Freitag bei einem Militäreinsatz getötete 63-Jährige Frau und Kinder hatte, ist unklar. Bei Friedensverhandlungen war er oft mit einer unter dem Namen Lucero bekannten Guerilla-Kämpferin zu sehen.

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