Donna Strickland: Der Physik-Nobelpreis geht an eine Frau
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Donna StricklandDer Physik-Nobelpreis geht an eine Frau

Bei einer Konferenz am Cern sorgt ein Professor mit kontroversen Aussagen für Aufruhr. Nur wenige Tage später gehört eine Frau zu den Gewinnern des Physik-Nobelpreises.

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fss
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Ein Gastforscher des Cern sorgte an einer Vorlesung für einen Eklat.

Ein Gastforscher des Cern sorgte an einer Vorlesung für einen Eklat.

Keystone/Christian Beutler
Alessandro Strumia von der Universität Pisa hatte am Freitag unter anderem gesagt, die Physik sei «von Männern erfunden und aufgebaut» worden.

Alessandro Strumia von der Universität Pisa hatte am Freitag unter anderem gesagt, die Physik sei «von Männern erfunden und aufgebaut» worden.

Keystone/Christian Beutler
Die Verantwortlichen reagierten und suspendierten den italienischen Forscher.

Die Verantwortlichen reagierten und suspendierten den italienischen Forscher.

Keystone/Christian Beutler

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr jeweils zur Hälfte an Arthur Ashkin (USA) sowie an das französisch-kanadische Forscherduo Gérard Mourou und Donna Strickland für ihre bahnbrechenden Erfindungen im Bereich der Laserphysik.

Die Erfindungen der drei Physiker hätten die Entwicklung neuartiger Präzisionsinstrumente in der Medizin und der Industrie ermöglicht, begründete das Komitee seine Entscheidung.

Dritte Nobelpreis-Gewinnerin

Ashkin wurde dem Nobel-Komitee zufolge die eine Hälfte des mit insgesamt neun Millionen schwedischen Kronen (870.000 Euro) dotierten Preises zugesprochen. Die andere Hälfte teilen sich demnach Mourou und Strickland.

Donna Strickland ist erst die dritte Frau, die den Nobelpreis für Physik erhält. Davor wurden Marie Curie 1903 und Maria Goeppert-Mayer 1963 die Auszeichnung zugesprochen. Das war vor 55 Jahren.

Umstrittener Vortrag

Einen Tag zuvor hatte die Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) bei Genf einen Gastforscher nach dessen umstrittenen Vortrag über die angebliche Untauglichkeit von Frauen in der Physik vorerst ausgeschlossen.

Alessandro Strumia von der Universität Pisa hatte am Freitag unter anderem gesagt, die Physik sei «von Männern erfunden und aufgebaut» worden. Unqualifizierte Frauen würden heute aus politischen Gründen Posten in den Naturwissenschaften einfordern. Er löste mit seinen Äusserungen Empörung aus.

Man wird «nicht durch Einladung» Physiker

Zuvor hatte das Cern bereits entschieden, Strumias Vortragsmaterial von der Website des Instituts zu entfernen.

Strumia hatte bei einer Konferenz zur Rolle von Frauen in der Physik argumentiert, die Physik sei «nicht sexistisch gegenüber Frauen». Allerdings belegten Frauen vor allem Fächer im Bereich Gender Studies – und klagten dann über einen niedrigen Frauenanteil in den Naturwissenschaften. Doch man werde nicht «durch eine Einladung» zum Physiker, sagte Strumia.

Seiner Ansicht nach leiden vielmehr Männer unter «Diskriminierung» in der Physik. Strumia prangerte eine «politische Schlacht» an, deren Ausgang offen sei. Zur Untermauerung seiner Thesen zeigte er zahlreiche Diagramme, Tabellen und Grafiken. Die Präsentation war im Anschluss an den Vortrag online verfügbar gewesen.

Der Vortrag verärgerte mehrere Frauen, die an der Konferenz teilnahmen. Sie warfen Strumia in sozialen Online-Netzwerken Sexismus vor.

Der Frauenanteil unter den Cern-Beschäftigten liegt nach Angaben der Institution bei weniger als 20 Prozent. Allerdings wird die Einrichtung seit 2016 von einer Frau, der Italienerin Fabiola Gianotti, geleitet. (fss/sda)

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