Aktualisiert 22.09.2015 09:18

Absturz in Muhen AG

«Der Pilot brannte, als wir ihn aus dem Wrack zogen»

Zeqir Rexhaj (49) und Reto Denoth (40) waren die ersten Helfer an der Absturzstelle in Muhen AG. Sie befreiten den Piloten aus dem brennenden Flugzeug-Wrack.

von
Qendresa Llugiqi
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Das Auto wurde nach dem Absturz vom Flugzeug erfasst.

Das Auto wurde nach dem Absturz vom Flugzeug erfasst.

Leser-Reporter
Das brennende Flugzeugwrack neben der Strasse.

Das brennende Flugzeugwrack neben der Strasse.

Leser-Reporter
Zeqir Rexhaj (49) half, den Piloten nach dem Absturz zu bergen.

Zeqir Rexhaj (49) half, den Piloten nach dem Absturz zu bergen.

zvg

Bei der Aargauer Gemeinde Muhen im Suhrental ist am Sonntag kurz nach 12 Uhr ein Kleinflugzeug abgestürzt. Während dem Absturz krachte das Kleinflugzeug in ein Auto. Sowohl der Pilot als auch die Fahrzeuglenkerin wurden verletzt.

Ohne Zeqir Rexhaj (49) aus Wohlen AG und Reto Denoth (40) aus Kölliken AG hätte der Pilot den Absturz vermutlich nicht überlebt. Ohne zu zögern, zog der Kosovare und der Schweizer den Piloten in letzter Sekunde aus dem brennenden Wrack.

Flugzeug krachte in Auto

«Ich war auf dem Weg von der Arbeit nach Hause und fuhr von Dulliken in Richtung Kölliken», erzählt Rexhaj. Sein Autofenster sei offen gewesen. «Plötzlich sah ich auf der rechten Seite ein Flugzeug sehr tief fliegen. Es kam mir seltsam vor, weil dort in der Nähe keine Piste ist», so Rexhaj weiter. «Das Flugzeug machte seltsame Geräusche und es rauchte.»

In diesem Tiefflug sei das Flugzeug zuerst in eine Leitplanke geflogen und dann in ein Auto gekracht. Durch den Aufprall sei das Auto umgekippt und auf dem Dach zum Stehen gekommen. Das Flugzeug sei auf der Wiese noch ein Stück weiter gerutscht und habe sofort zu brennen begonnen.

Flugzeug und Pilot standen unter Flammen

«Ich hielt sofort an und rannte zum Unfallort», so Rexhaj. Er habe sich schnell entscheiden müssen, wem er zuerst helfen soll: «Da ich sah, dass das Flugzeug brannte und die Frau im Auto nicht direkt in Lebensgefahr war, entschied ich, dem Piloten zu helfen», so Rexhaj. Während er zum Flugzeug gerannt sei, hätten einige Personen die Frau im verunfallten Auto erreicht und sie versorgt.

Der Pilot hatte bereits ein Fenster geöffnet und den Kopf herausgestreckt. «Er konnte aber nicht von alleine heraus», so Rexhaj. Nicht nur das Flugzeug, auch der Pilot habe bereits angefangen zu brennen. «Ich habe einfach reagiert; ihn am Kopf gepackt und aus dem Flugzeug gezogen.»

Augenbrauen und Beine brannten

In diese Moment eilte der Schweizer Reto Denoth (40) herbei: «Er half mir den Mann weiter weg zu ziehen», so Rexhaj. Sie hätten den Piloten gefragt, ob sonst noch jemand im Flugzeug sei: «Zuerst reagierte er nicht, doch dann schaute er mir direkt in die Augen und sagte nein, ich bin alleine, ich bin alleine», so Rexhaj. Auch habe der Pilot immer wieder gesagt, dass man ihn weiter weg ziehen sollte, weil das Flugzeug explodieren könnte.

«Als wir ihn abgelegt haben, holte Zeqir eine Decke aus dem verunfallten Auto und wir löschten seine brennenden Beine und Oberkörper», so Denoth. «Ohne diese Decke wäre es für den Piloten nicht so gut ausgegangen.» Das Feuer habe sich bereits durch die Kleidung gefressen und die Haut erreicht.

«Wünsche ihm ein langes Leben»

Dann habe sie auch eine Frau erreicht: «Sie sagte, sie sei Krankenschwester», so Rexhaj. «Als ich sah, das ich nicht mehr weiterhelfen konnte, bin ich gegangen. Schliesslich bin ich kein Mediziner sondern Gleisbauer.»

Doch: «Ich bin sehr glücklich, dass wir ihm helfen konnten. Das Schicksal hat es gut mit ihm gemeint», so Rexhaj, der beim Gespräch mit 20 Minuten immer noch unter Strom steht. Er hoffe, dass er den Piloten in den nächsten Tagen im Spital besuchen könne. Und bereits jetzt wünsche er ihm alles Gute: «Ich hoffe, dass er nach diesem Vorfall noch ein langes, glückliches Leben haben wird.» Denoth schliesst sich Rexhaj an: «Einen Menschen so zu sehen, hat mich geschockt. Es belastet einen. Doch zu wissen, dass wir ein Menschenleben gerettet haben, macht glücklich.»

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