Aktualisiert 30.11.2011 09:03

Kandidatur «überdenken»

Der «Pizza-Mann» wankt gewaltig

Die neuesten Sex-Vorwürfe und öffentlichen Aussetzer haben dem republikanischen Präsidentschaftsanwärter Herman Cain zugesetzt. Ein Rückzug seiner Kandidatur zeichnet sich ab.

von
aeg

Nicht weniger als vier Frauen werfen dem «Pizza-Mann» Herman Cain vor, sie im Laufe der Jahre sexuell belästigt zu haben. Als Chef des nationalen Gaststättenverbandes habe er beispielsweise seine Macht ausgenutzt, um Frauen zum Geschlechtsverkehr zu zwingen, behauptete zuletzt die ehemalige Angestellte Sharon Bialek.

Zudem soll Cain, dies der neuste Vorwurf, über Jahre hinweg eine aussereheliche Affäre gehabt haben. Seine «Bekanntschaft» Ginger White plauderte dies beim Fernsehsender FOX News aus. Zwar dementierte Cain umgehend – die Dame sei lediglich eine Freundin –, doch könnte ihm dieses letzte Bekenntnis nun definitiv das politische Genick brechen.

«Erst einmal die Lage überdenken»

Herman Cain will angesichts der schwierigen Situation seine Kandidatur überdenken. Seinen über 90 Wahlkampfhelfern sagte er am Dienstag an einer Sitzung, er werde in den nächsten Tagen entscheiden, ob er die Kampagne weiterführen will. Die jüngsten Affären hätten ein schlechtes Licht auf seine Kandidatur geworfen, sagte Cain laut einem Bericht des Des Moines Register.

«Wenn eine Entscheidung gefällt wird, seid ihr die Ersten, die es erfahren», sagte Cain demnach. «Jetzt nach diesem neusten Vorwurf müssen wir erst einmal die Lage überdenken, ob dies nicht zu sehr in den Köpfen der Leute hängen bleibt und sie uns danach noch unterstützen.» Dann habe er erneut gegenüber den Angestellten seine Unschuld beteuert.

Sprecher dementiert

Ob dies nun aber das Aus für Herman Cain bedeutet, ist noch unklar. Sein Sprecher liess postwendend verlauten, Cain wolle weitermachen. Er wolle nur seinen Standort neu bestimmen, wie dies schon ein paar Mal geschehen sei. Danach wolle Cain «mit voller Geschwindigkeit vorwärtsgehen».

Die Strategen der Republikaner haben ihr Urteil aber bereits gefällt. Ed Rollins findet gegenüber der Huffington Post klare Worte: «Cain ist irrelevant. Je schneller er geht, desto besser ist es für ihn und für uns. Es ist ausgeschlossen, dass Herman Cain unser Nominierter sein wird.»

Nicht zuletzt leidet auch Cains Fundraising unter dem schlechten Image. Geld ist in den letzten Wochen nur wenig in seine Kriegskasse geflossen. Zudem dürfte die Stimmung in seiner Familie stark unter den Anschuldigungen gelitten haben. Trotzdem will er seine heutige Wahlkampfrede im Bundesstaat Michigan halten. Es wird sich zeigen, ob es die letzte sein wird.

Cains angebliche Affäre Ginger White im Interview

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