Ostschweiz: «Der Plastik im See ist eine enorme Belastung»
Aktualisiert

Ostschweiz«Der Plastik im See ist eine enorme Belastung»

Immer mehr Plastik verschmutzt das Bodenseeufer, vor allem in Horn und Thal. Freiwillige sammeln ihn auf – bewaffnet mit App und Abfallsack.

von
tso
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Dieser Abfall stammt vom Bodenseeufer. Eingesammelt hat ihn der Steinacher Andreas Dolder.

Dieser Abfall stammt vom Bodenseeufer. Eingesammelt hat ihn der Steinacher Andreas Dolder.

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Bevor er den Abfall wegwirft, zählt und sortiert er fein säuberlich die Stücke. Dolder ist Freiwilliger des...

Bevor er den Abfall wegwirft, zählt und sortiert er fein säuberlich die Stücke. Dolder ist Freiwilliger des...

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...Swiss Litter Reports, der die Abfallmengen und Belastung von Mikroplastik an Gewässern mittels Stichproben erhebt. Am Bodensee zählen Horn und Thal zu den Orten mit den meisten Abfällen unter den Erhebunsorten. Zur interaktiven Karte

...Swiss Litter Reports, der die Abfallmengen und Belastung von Mikroplastik an Gewässern mittels Stichproben erhebt. Am Bodensee zählen Horn und Thal zu den Orten mit den meisten Abfällen unter den Erhebunsorten. Zur interaktiven Karte

Hammerdirt, Screenshot

Dass die Schweiz nicht so sauber ist, wie es scheint, zeigt der Swiss Litter Report des Vereins Stop Plastic Pollution (Stoppp): «Unsere Flüsse und Seen sind regelrechte Müllkippen», kommt der Verein zum Schluss. Besonders alarmierend: Ein Grossteil des Abfalls ist Plastik. Einmal in Mikroteilchen zersetzt, bringt man ihn nicht mehr aus dem Ökosystem heraus.

Davon bleibt auch das Bodenseeufer nicht verschont. Wie eine interaktive Karte des Litter Report zeigt, sind die Orte Horn und Thal besonders belastet. Pro Meter Uferweg liegen in Horn über 13 Teile Abfall, bei Thal sind es über 14, auch hier besteht der Grossteil aus Plastik. Andere Orte, an denen die Abfallmenge erhoben wurde, sind weniger belastet, etwa die Stadt Arbon. Die Daten erfasst haben Freiwillige, die einmal im Monat Stichproben nehmen und die Abfallmengen auswerten. Darunter auch der Steinacher Andreas Dolder: «Obwohl ich den Strand monatlich von Abfall befreie, sammle ich jedes Mal aufs Neue wieder 150 bis 200 Gegenstände», so der 64-Jährige zum «St. Galler Tagblatt». «Für die Gewässer und Tiere ist der Mikroplastik eine enorme Belastung», ärgert er sich. Schon vor dem Start des Reports ging der pensionierte Sozialarbeiter jeweils Abfälle einsammeln, da ihm der Anblick von Plastik zuviel wurde.

«Jeder kann Abfall einsammeln gehen»

«Als der Verein letztes Jahr Freiwillige suchte, war ich sofort dabei», sagt Dolder. Die gesammelten Stücke teilt er für die Datenerhebung mit einer App (Marine LitterWatch) in 90 Kategorien ein. «Ich musste schon Batterien und ganze Einkaufwagen ausbuddeln.»

Doch woher kommt der viele Abfall? «Natürlich wird ein Teil von den Wellen ans Ufer angeschwemmt und ein anderer durch die Aach in die Bucht gespült.» Eine ganze Menge werde aber auch von Passanten hingeworfen.

Auch in Thal dürften es vorwiegend Passanten sein, die für den Müll verantwortlich sind, sagt Gemeindepräsident Robert Rhats. «Mögliche Gründe sind der Tagestourismus in unserer Gemeinde und die starke Nutzung des Ufers durch Spaziergänger.» Im Gemeindeblatt werde immer wieder für die Litteringprobleme sensibilisiert, so Raths weiter. «Es kann keine Lösung sein, einfach immer den Dreck wegzuräumen. Die Leute müssen eigenverantwortlich etwas tun.» Gelegenheit dazu haben sie genug, wie Andreas Dolder durchblicken lässt: «Als ich das erste Mal auf eigene Faust Abfall einsammelte, war es ein etwas komisches Gefühl. Aber ich fände es super, wenn andere sich auch dazu überwinden könnten.»

Das Projekt Litter Report, an dem sich auch der WWF und Hammerdirt beteiligen, läuft noch bis Ende April.

Was kannst du tun, um Plastikabfall zu vermeiden?

Zero-Waste-Läden benutzen

Stofftasche oder einen Einkaufskorb benutzen

Verpackung an der Kasse lassen (Das darf man sogar). So sollen die Verkaufshäuser animiert werden, an der Verpackung zu sparen.

Fertigprodukte verzichten, frisch kochen!

Trinkflasche aus Glas oder Stahl benutzen

Kosmetikartikel vermeiden, die Mikroplastik verwenden (siehe Bildstrecke)

Zahnpasta ohne Mikropartikel benutzen

Rasiermesser oder -hobel.

bessere Qualität.

Bienenwachstücher verwendet werden.

Essensresten in Glasschalen, Einmachgläsern oder Keramik auf.

- Einen Waschbeutel benutzen. Was viele Leute nicht wissen: Beim Waschen lösen sich unzählige kleine Plastikfasern und gelangen in die Umwelt.

Für mehr Tipps und Informationen:

Ausgezeichneter Journalistischer Artikel zum Thema:

Invisibles: The plastic inside us (Englisch)

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