Knatsch in Kambodscha: Der Prügel-Milliardär sitzt jetzt im Knast
Aktualisiert

Knatsch in KambodschaDer Prügel-Milliardär sitzt jetzt im Knast

Der russische Baulöwe Sergej Polonski sitzt in Kambodscha im Gefängnis. Eine Silvesterfeier des Milliardärs soll ausgeartet sein. Es ist der Tiefpunkt einer eindrücklichen Karriere.

von
Adrian Eng

Sergej Polonski war noch vor wenigen Jahren ganz oben. Sein Vermögen belief sich auf 4,3 Milliarden Dollar (geschätzt vom Wirtschaftsmagazin «Finans»), er war der grösste Bauherr in Moskau, baute unter anderem das höchste Gebäude Europas – den Federation-Tower. Und obwohl er immer wieder für Skandale sorgte, schien er unantastbar. «Wer keine Milliarde Dollar hat, soll sich verpissen», lautete eine seiner Devisen.

Dieser ist er nun offenbar selber gefolgt. Denn Polonski sitzt im Gefängnis. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft, wie mehrere russische Medien berichten. Zum Verhängnis wurde dem Lebemann eine Bootsfahrt mit russischen Freunden vor Kambodscha. Berichten zufolge soll Polonski zu Silvester mit Gästen in See gestochen sein, im Gepäck massenhaft Feuerwerk. Ziel war die Insel Koh Rong.

«Eine heftige Reaktion provoziert»

Die Russen wollten mit dem Ablassen der Knaller offenbar nicht warten und liessen einige Raketen steigen, wie die kambodschanische Polizei den Abend schildert. Weil der Kapitän einschritt, sperrten sie ihn kurzerhand in die Kajüte. Die Schiffscrew wurde gezwungen, über Bord zu springen. Laut der russischen Zeitung «Kommersant» sind halluzinogene Pilze im Spiel gewesen.

Polonskis Version der Ereignisse ist jedoch komplett verschieden. Er meint, das Feuerwerk habe das Militär auf sie aufmerksam gemacht. Weil die Russen keinen Pass auf sich trugen, wurden sie gewaltsam auf einen Militärstützpunkt gebracht. Dort hätten die Beamten – laut Polonskis Anwalt - «eine heftige Reaktion des emotionalen Sergej Polonski provoziert», wie der Spiegel Online schreibt.

Zweifelhafter Ruhm

Diese heftige emotionale Reaktion würde durchaus zum Profil Polonskis passen. Er sagte einst, dass «ein Mensch mit verminderter Emotionalität niemals Geniales schaffen könne». Genau diese Emotionen hatten dem Russen bereits vor dem jüngsten Ausraster zweifelhaften Ruhm beschert.

2002 liess er sich etwa zum Kosmonauten ausbilden, weil er sich zur Internationalen Raumstation ISS schiessen lassen wollte. Das Abenteuer scheiterte schliesslich am Preis (13 Millionen Dollar) und an der Grösse Polonskis (1,93 Meter, 103 Kilogramm). In die Medien kam der Oligarch zudem, weil er gerne mit Paintball-Waffen auf eine Leninbüste schoss.

Die berühmte Schlägerei

Den internationalen «Durchbruch» in Sachen Skandalen schaffte Polonski aber erst im Jahr 2011, als er in einer russischen Talkshow zum Thema «Der russische Weg aus der Finanzkrise» an den Milliardär Alexander Lebedew geriet. Vor laufenden Kameras kündigte Polonski an, Lebedew «ein paar auf die Fresse» geben zu wollen. Sein Kontrahent kam ihm aber zuvor und landete eine Gerade in Polonskis Gesicht.

Sein damaliger Gegner ist nun ebenfalls in Bedrängnis geraten. Alexander Lebedew droht in Russland eine Haftstrafe wegen «Rowdytums aus politischem Hass». Und auch Polonski hat sich seit einiger Zeit nicht mehr in Russland blicken lassen. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Polizistenbeleidigung, wie der Spiegel Online berichtet.

Sein Vermögen ist geschrumpft. Lediglich 70 Millionen Dollar seien ihm geblieben, schreibt die «Finans». Mit diesem Geld hat es sich Polonski gut gehen lassen. Via Twitter liess er seine Follower an seinen ausgiebigen Ferien an schönen Sandstränden teilhaben. Zumindest dies dürfte vorerst zu Ende sein.

(Schlägerei mit Lebedew. Video: YouTube/euronews)

(Interview mit dem WDR. Video: YouTube/PolonskySU)

Deine Meinung