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Varane besiegelt Real-NiederlageDer rabenschwarze Abend des «Ramos-Nachfolgers»

Raphael Varane soll irgendwann Real Madrids Abwehrchef werden. Ohne Sergio Ramos hätte er das beweisen können – er scheiterte kläglich.

Der Pechvogel: Real Madrids Verteidiger Raphael Varane.

Der Pechvogel: Real Madrids Verteidiger Raphael Varane.

Foto: Reuters

Er weiss ganz genau, was er da anrichtete. Also sagt Raphael Varane nach Spielschluss: «Ich will die Verantwortung übernehmen, denn diese Niederlage ist meine, und ich muss sie hinnehmen. Fehler werden auf dieser Ebene teuer bezahlt, und ich habe keine Erklärung für diese Fehler.» Die spanische Zeitung «El Mundo» findet nach Real Madrids 1:2 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Manchester City: «Varane hat das Harakiri-Schwert gehoben.»

Sie sind tatsächlich eklatant, die beiden Fehler des Weltmeisters von 2018, die zu den beiden Real-Gegentoren führen. Früh im Spiel wird sein Pass von Gabriel Jesus abgefangen, dieser bedient Raheem Sterling, der das 1:0 für City erzielt. Ein denkbar schlechter Start, nachdem Real bereits das Hinspiel zu Hause 1:2 verlor. Richtig bitter wird es dann allerdings in der zweiten Halbzeit. In der 68. Minute, als es 1:1 steht und Real mit einem weiteren Tor den Rückstand aus dem Hinspiel neutralisieren könnte. Zuerst verfehlt er einen langen Ball mit dem Kopf, dann versucht er es mit einer Rückgabe zu Goalie Thibaut Courtois. Dumm nur, dass Gabriel Jesus wieder erahnt, was Varane vorhat, auch diesen Pass abfängt und dieses Mal gleich selber einschiebt. Für die Madrider Sportzeitung AS ist klar: «Varane öffnete City die Tür.»

An beiden Toren hauptschuldig: Raphael Varane zog einen schwarzen Abend ein.

Video: Teleclub

«Varane bestraft Madrid» betitelt auch Reals Hausorgan «Marca» den Matchbericht der beiden Fussball-Schwergewichte. Es seien «zwei historische Schnitzer» gewesen, die sich der 27-Jährige leistete, schreibt Spaniens meistgelesene Sportzeitung, die sogar findet: «Varane erlebte seine schlimmste Nacht.» Und sie kommt zum Schluss: «Sergio Ramos machte auf der Tribüne mehr als mancher Spieler auf dem Feld.»

Tatsächlich fehlt Ramos, der gesperrte Abwehrchef, überall im Spiel von Real. Besonders in der Spieleröffnung, denn Spaniens Rekordmeister hat mit dem Pressing von Manchester City grosse Mühe. Aber auch sein zuweilen ansteckender Siegeswille wird schmerzlich vermisst. Nach dem 1:2 scheint der Glaube an die Wende weg zu sein, Guardiolas City wird kaum mehr gefordert – obwohl Real «nur» zwei Tore fürs Weiterkommen braucht.

Frustriert: Der gesperrte Real-Captain Sergio Ramos.

Frustriert: Der gesperrte Real-Captain Sergio Ramos.

Foto: Reuters

Für Varane ist es eine verpasste Chance, ohne seinem extrovertierten Nebenmann zu beweisen, dass er wirklich der ideale Nachfolger des Real-Captains ist. Ramos, Ende März 34 geworden, hat noch einen Vertrag bis Sommer 2021 – die Verlängerung stockt, offenbar wegen unterschiedlicher Lohnvorstellungen. Wie aus Madrid zu vernehmen ist, wünscht sich Präsident Florentino Pérez, dass der Franzose künftig in Ramos’ Rolle schlüpfen soll. Als Weltmeister, vierfacher Champions-League-Sieger und dreifacher spanischer Champion sei er mittlerweile reif genug. Vielleicht ist er das sogar wirklich – gegen ManCity blieb er diesen Beweis allerdings schuldig.

(fas)

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