Nordkorea: Der Raketenbauer, der Kims Feinde zittern lässt

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NordkoreaDer Raketenbauer, der Kims Feinde zittern lässt

Nordkorea hätte keine Interkontinental-Lenkwaffen ohne Kim Jong-sik. Er ist der Star in Kim Jong-uns Trio der Raketenexperten.

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sut
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Nordkoreas Diktator Kim Jong-un (sitzend) freut sich über den Start einer Lenkwaffe vom Typ Pukguksong-2 am 22. Mai 2017. Verantwortlich für den Erfolg ist vor allem der Raketenforscher Kim Jong-sik (2. von links). Zentrale Figuren für die Raketenrüstung sind zudem Ri Pyong-chol (3. von links) und Jang Chang-ha (rechts).

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un (sitzend) freut sich über den Start einer Lenkwaffe vom Typ Pukguksong-2 am 22. Mai 2017. Verantwortlich für den Erfolg ist vor allem der Raketenforscher Kim Jong-sik (2. von links). Zentrale Figuren für die Raketenrüstung sind zudem Ri Pyong-chol (3. von links) und Jang Chang-ha (rechts).

Ein weiterer Erfolg gelang Kim mit dem Start der Langstreckenlenkwaffe Hwasong-14 am 28. Juli 2017. Mit dabei ist das Star-Trio: (von links) Jang Chang-ha, Kim Jung-sik und Ri Pyong-chol.

Ein weiterer Erfolg gelang Kim mit dem Start der Langstreckenlenkwaffe Hwasong-14 am 28. Juli 2017. Mit dabei ist das Star-Trio: (von links) Jang Chang-ha, Kim Jung-sik und Ri Pyong-chol.

Kcna
Eine Rakete wurde am 30. August 2017 abgeschossen, und weitere dürften folgen. Bild: Menschen in Seoul, Südkorea, verfolgen ein Newsprogramm über den Testflug der Lenkwaffe.

Eine Rakete wurde am 30. August 2017 abgeschossen, und weitere dürften folgen. Bild: Menschen in Seoul, Südkorea, verfolgen ein Newsprogramm über den Testflug der Lenkwaffe.

AP/Lee Jin-man

Hinter dem verblüffend schnellen Fortschritt in Nordkoreas Lenkwaffenrüstung steht ein Mann: Kim Jong-sik. Der etwa 50-jährige Raketeningenieur zählt zur engsten Entourage von Diktator Kim Jong-un. Im Trio mit zwei anderen Wissenschaftlern ist der Lenkwaffenexperte an führender Stelle dafür verantwortlich, dass die USA künftig einen nuklearen Schlag gegen Städte an der amerikanischen Westküste fürchten müssen.

Nach neusten Meldungen bereitet Nordkorea einen weiteren Start einer Langstreckenwaffe vor. Wenige Tage nach der Explosion des bisher stärksten Nuklearsprengkörpers am Sonntag sollen Kim Jong-uns Streitkräfte laut südkoreanischen Informationen eine neue Rakete in Stellung gebracht haben. Zuvor hatte der nordkoreanische Diplomat Han Tae Song gesagt, bei weiteren «leichtsinnigen Provokationen» durch US-Präsident Donald Trump werde seine Regierung «mehr Geschenkpakete» in die USA senden.

Gute Erfolgsquote

Der Start der Lenkwaffe wäre der 18. Raketenstart Nordkoreas dieses Jahr. Im Juli gelang zweimal der Abschuss einer Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-14, die potenziell den Pazifik überqueren kann.

Die hohe Frequenz und – in letzter Zeit – gute Erfolgsquote der Raketentests verdankt das Land Kim Jong-sik. Der Diktator wurde auf den zivil tätigen Wissenschaftler 2012 aufmerksam, als dieser im Dezember eine Rakete vom Typ Unha-3 startete. Wie der Nordkorea-Beobachter Michael Madden gegenüber Fox News sagte, sei im April zuvor ein Start dieses Lenkwaffentyps missglückt. Kim Jong-sik fand heraus, woran das lag, und führte das Programm zum Erfolg. «Er hat seinen Job und seine Prominenz, weil er bei der Entwicklung von Lenkwaffen Fehler identifizierte», sagt Madden.

Lachend steht er neben Kim

Seitdem hat der Raketenfachmann den militärischen Rang eines Generals erhalten. Er hält auch den Titel eines Vizedirektors im Departement für Munitionsindustrie der Arbeiterpartei, wo Nordkoreas Nuklearrüstung angesiedelt ist.

Auf Fotos nach erfolgreichen Raketenstarts sieht man Kim Jong-sik jeweils lachend neben Kim Jong-un stehen. Der zuvor unbekannte Wissenschaftler entstamme nicht der nordkoreanischen Elite, sondern sei aufgrund seiner Verdienste von Diktator Kim Jong-un ausgewählt worden, sagt Madden. Über seine Herkunft und sein Privatleben sei nichts bekannt.

Zwei weitere im Trio

Neben dem Raketenfachmann zählen zwei weitere Leute zu den Schlüsselfiguren für Kim Jong-uns Rüstungsfortschritt. Nach einem Bericht von Reuters handelt es sich um den früheren Luftwaffengeneral Ri Pyong-chol und den Rüstungsexperten Jang Chang-ha. Die drei seien klar die Favoriten, mit denen sich der Diktator immer gern zeige, schrieb Reuters im Mai.

Der 1948 geborene Ri sei die «grosse Kartoffel» in dem Trio, sagt Madden. «Er war schon vorhanden, bevor irgendwer ernsthaft über Kim Jong-un sprach.» Ri sei teils in Russland ausgebildet worden. Er besuchte dort eine Kampfflugfabrik und gilt als Mann der Partei im Lenkwaffenprogramm.

Ins 21. Jahrhundert

Am wenigsten sei über Jang bekannt, den Präsidenten der Akademie für nationale Verteidigungswissenschaft. Diese geheimnisvolle Forschungsinstitution entwickle Nordkoreas fortgeschrittene Waffensysteme, womöglich auch nuklearer Art, vermutet das US-Finanzministerium. Unter Jang soll die Akademie etwa 15'000 Leute beschäftigen, darunter rund 3000 Lenkwaffeningenieure.

Ohne das Trio mit dem Raketenstar wäre Kim Jong-un nicht dort, wo er jetzt stehe, sagt Madden. «Diese Männer bringen das Lenkwaffenprogramm Nordkoreas ins 21. Jahrhundert.»

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