Aktualisiert 18.04.2014 12:43

Guru Gary QuinnDer Ratgeber der Stars

Er ist der Guru der Superstars. Ob Sharon Stone oder Robert Downey jr., wenn es ihnen schlecht geht, rufen sie Gary Quinn an. Und das alles, weil er einst Erzengel Michael getroffen hat.

von
Isabelle Riederer

In der Lobby des Grand Hyatt Hotel in Zürich herrscht an diesem Freitagnachmittag reger Betrieb. Geschirr klappert, Businessmänner eilen durch die Halle und die Kellner servieren Kaffee im Akkord. Quinn sitzt an einem der viereckigen Marmortische, die Ellbogen auf der Tischkante, sein Oberkörper über die Tischplatte gebeugt, als müsse er gleich wieder weg. Er hat sich einen Grüntee mit Honig bestellt – viel Honig. Der Kellner bringt gleich vier kleine Gläser. Quinn lacht, scheinbar kennt man seine Vorlieben schon. «Ich bin immer hier, wenn ich in Zürich bin», sagt er. Und während er Löffel um Löffel Honig in den Tee verfrachtet, schielt er immer wieder zum Kamin rüber. «Sehen Sie, der Mann da im Anzug auf dem Sofa, der will zahlen.» Löffel. «Wollen wir nachher den Platz wechseln?» Löffel.

Kaum hat der Mann bezahlt, springt Quinn auf und hechtet auf das Sofa zu. Er setzt sich in die Ecke, atmet einmal tief ein, lässt die Schultern fallen und strahlt. Offenbar sein Lieblingsplatz und endlich hat er ihn wieder. Er kommt direkt aus seiner Heimatstadt Los Angeles. Er ist gross, schlank, die dunkelbraunen Haare nach hinten gekämmt, Hollywood-Lächeln, gebleichte Zähne, kaum Falten und braun gebrannt. Wäre da nicht sein bescheidenes Auftreten in Blue Jeans, dunkelblauem Pullover und Turnschuhen, könnte man meinen, er sei einst ein bekannter Fernsehstar gewesen, so wie David Hasselhoff oder Richard Dean Anderson aus «MacGuyver».

Hellseher, Mentalcoach und Motivationstrainer

Quinn ist ein Kumpeltyp, wirkt sympathisch, nicht zu auffällig, vertrauenswürdig und ehrlich – zumindest auf den ersten Blick. Denn der Kalifornier ist nicht nur Motivationstrainer und Mentalcoach, sondern auch Hellseher. Schon seit er ein kleiner Junge war, hatte er die Gabe, Dinge vorauszusehen. So sagte er mir, dass ich eines Tages etwas schreiben werde. Quinn: «Womöglich ein Buch oder ein Drehbuch sogar.» Der 54-Jährige kann aber noch viel mehr, er kann auch die Aura eines Menschen sehen und mit Schutzengeln kommunizieren. Mein Schutzengel ist übrigens Erzengel Gabriel und meine Aura ist orange-violett. «Eine gute Aura», sagt Quinn.

Erzengel spielen in Quinns Leben eine wichtige Rolle, sie leiten ihn, und es war Erzengel Michael, der ihn zu dem machte, was er heute ist – ein Ratgeber. Seine Bücher landen regelmässig auf den Bestsellerlisten – rund um den Globus, er ist ein gern gesehener Gast in Fernsehtalkshows und er ist mit der Hollywoodprominenz per Du. Aber wieso eigentlich? Quinn hat weder Psychologie studiert, noch hat er sonst irgendwelche Diplome. Er erteilt einfach nur Ratschläge und die Meute hört auf ihn.

«Michael hat keine Flügel»

Aber zurück zu Erzengel Michael. Was jetzt folgt, hat er schon zahlreichen Journalisten zuvor erzählt. Es war in den Achtzigerjahren, als Quinn beruflich nach Paris musste. Bevor er Lebensberater wurde, war er Künstleragent. Sein Hotel war ganz in der Nähe der Kathedrale Notre Dame. «Ich weiss nicht warum, aber es zog mich immer wieder dorthin.» Stundenlang sass er einfach nur da und lauschte. Es beruhigte ihn. Und eines Tages passierte es. «Plötzlich war da dieses Licht und ich spürte diese Wärme. Ich habe gefragt: ‹Wer bist du?› Und er antwortete mir: ‹Ich bin Erzengel Michael›», sagt Quinn. Man könne sich das nicht wie einen Geist vorstellen. «Michael hat auch keine Flügel», erklärt Quinn und wirft die Arme über den Kopf und zeichnet riesige Flügel in die Luft. «Es war mehr ein Gefühl oder so was, wie eine Präsenz, die ich spürte.» Er rückt seine randlose Brille zurecht, die immer wieder von seiner Nase rutscht, wenn er mit den Händen gestikuliert. Und das tut er vor allem dann, wenn er über seine Erinnerungen an Paris spricht. Michael habe ihm die Augen geöffnet. «Er hat mir gezeigt, was ich wirklich will, nämlich den Menschen helfen.» Er schmiss seinen Job hin und blieb in Paris. Er krempelte sein Leben um und kam zu der Erkenntnis: Positives Denken führt zum Erfolg.

Mit dieser Philosophie will er zwar nicht die Welt retten, aber helfen. Positives Denken, negative Worte aus dem Gedächtnis streichen und sich Ziele setzen, die man erreichen kann. Der Erfolg und das gute Gefühl kommen dann ganz von alleine. Seine Ratschläge halfen einst Sänger Seal über eine dunkle Zeit hinweg, beflügelten Sharon Stone und holten Robert Downey jr. aus seiner Depression raus. «Er kam damals gerade aus dem Gefängnis und war am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Ich habe ihm gezeigt, wie er wieder auf den richtigen Weg kommt», sagt Quinn. Und wie hat er ihm das gezeigt? Seine Methode möchte er nicht verraten. Das ist sein Geschäftsgeheimnis.

Quinn als moderner Jesus

Der Guru ist rund um die Uhr für seine Klienten erreichbar. Dafür verzichtet er auf eine Partnerschaft. «Das wäre einfach nicht fair», sagt er. Quinn reist das ganze Jahr über quer durch die Welt. Zurzeit ist er auf Promotiontour für sein neues Buch mit dem simplen Titel «Yes». Ein kleines Wort mit grosser Wirkung, ist er überzeugt. «Ich will den Menschen klar machen, sie sollen ‹Yes› zum Leben, zu sich und zu ihren Zielen sagen.» Auf Deutsch funktioniert es übrigens nicht. «‹Ja› klingt einfach nicht gleich wie ‹Yes›», erklärt er und ruft ein langgezogenes Jaaaaaa durch die Lobby. «Hören Sie den Unterschied?», fragt er. Alle haben es gehört.

Er rückt seine Brille wieder zurecht und bestellt sich nochmal einen Grüntee mit Honig. Er blickt schnell auf sein iPhone. Als Weltverbesserer oder Gott möchte er sich nicht bezeichnen. «Aber vielleicht als ein moderner Jesus», sagt er und lächelt.

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