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KapverdenDer Rausch der Rhythmen und die grüne Königin

350 Sonnentage im Jahr! Doch wer bei den Kapverden nur an ein Badeparadies denkt, täuscht sich: Die Inseln vor der afrikanischen Westküste faszinieren durch ihre Vielfalt.

von
Marcel Lätsch
26.10.2017
Mindelo, die Hafenstadt auf São Vicente mit 75'000 Einwohnern, zeigt eine reizvolle Mischung aus portugiesischem Kolonialstil und afrikanischem Flair.

Mindelo, die Hafenstadt auf São Vicente mit 75'000 Einwohnern, zeigt eine reizvolle Mischung aus portugiesischem Kolonialstil und afrikanischem Flair.

Marcel Lätsch
Kopfsteinpflaster statt Rasen, Fussballtore Fehlanzeige. Kicken mitten in der Altstadt macht trotzdem Spass.

Kopfsteinpflaster statt Rasen, Fussballtore Fehlanzeige. Kicken mitten in der Altstadt macht trotzdem Spass.

Marcel Lätsch
Bunte Wandmalereien trifft man auf den Kapverden überall an - auch in Mindelo.

Bunte Wandmalereien trifft man auf den Kapverden überall an - auch in Mindelo.

Marcel Lätsch

20 Minuten hat sich vier der neun bewohnten Inseln des rund 520'000 Einwohner zählenden Archipelstaats in den Weiten des Atlantiks näher angeschaut. Heute widmen wir uns São Vicente und Santo Antão.

São Vicente – die Rhythmische

«Tranquilo» heisst das Zauberwort auf São Vicente beziehungsweise in Mindelo, der zweitgrössten Stadt der Kapverden, wo über 90 Prozent der rund 75'000 Inselbewohner leben. «Immer mit der Ruhe.» Stress? Hektik? Fehlanzeige.

Erst nach Sonnenuntergang wird einem klar, wieso Mindelo auch für Musik, Kultur und Karneval steht. Aus vielen der kleinen, schummrigen Lokale dringen lebhafte Laute von Jam-Sessions. Coladeira-Rhythmen, die an den brasilianischen Samba erinnern, mischen sich mit rassigen Funaná-Klängen und leidenschaftlichem Morna, ähnlich dem portugiesischen Fado.

Openair-Konzerte mit ohrenbetäubender Musik bereichern jeden Samstagabend das Programm. Und sechs Wochen vor Ostern wird während fünf Tagen richtig Karneval gefeiert. Der Umzug, ganz nach dem Vorbild von Rio de Janeiro gestaltet, bahnt sich mit 150 Trommlern, riesigen Wagen und farbenfrohen Kostümen den Weg durch die Gassen. Ein einziger Rausch an Farbe und Musik.

Musik bestimmt auch das Leben von Luis Baptista, Der Gitarren- und Geigenbauer tritt nebenbei mit fünf seiner Brüder in der Band Baptistinhas auf. Bis zu zwei Wochen dauert die Arbeit für eine Gitarre, die je nach Holz zwischen 180 und 2000 Euro kostet. Wer von Luis eine Geige will, muss mindestens 5000 Euro hinblättern. «Es gibt Leute, die kommen extra für eines meiner Instrumente nach Mindelo», sagt der 41-Jährige, der 14 Brüder hat. Echt: 14? Luis lacht. Das sei nichts Besonderes auf den Kapverden, wo die Ehe nicht sehr populär ist. Über 50 Prozent der Erwachsenen sind ledig und viele Männer haben mehrere Kinder mit verschiedenen Frauen.

Santo Antão – Die Grüne

Die westlichste Insel der Kapverden ist nur per Schiff erreichbar. Die einstündige Fahrt mit der Fähre von Mindelo aus kostet 15 Euro. Bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von rund 250 Euro erstaunt es nicht, dass viele Einwohner von São Vicente noch nie einen Fuss auf ihre Nachbarinsel setzen konnten. Das grünste Eiland, auch die grüne Königin genannt, lockt mit mehreren hundert Kilometern Wanderwegen. Ein guter Orientierungssinn und Kartenlesen sind allerdings Voraussetzung für eine längere Tour, ansonsten sollte man besser die Dienste eines Guides in Anspruch nehmen.

Definitiv keinen Wanderführer braucht man auf dem Weg von Ponta do Sol nach Fontainhas, dem Postkartenmotiv schlechthin auf Santo Antão. Nach rund einer Stunde entlang der Steilküste im Norden ist das malerische Terrassendorf mit seinen farbigen Häuschen erreicht. Richtig angekommen fühlt man sich spätestens bei Teofilo, der am Dorfende erfrischende Getränke verkauft und mit der Gitarre ein Ständchen nach dem anderen zum Besten gibt.

Besonders tropisch präsentiert sich die Vegetation im Paul-Tal, das auf der dem Passatwind zugewandten feuchten Seite der Insel liegt. Bananen, Papayas, Mangos und Kokospalmen, so weit das Auge reicht. Und Zuckerrohr: Santo Antão ist für den besten Zuckerrohrschnaps, den Grogue, bekannt. Die zahlreichen Destillerien sind nicht zu verfehlen, einfach dem Geruch nach angegorenem Zuckerrohrsaft folgen. Wem der Schnaps zu viele Umdrehungen hat, kann es mit einem Ponche, Grogue gestreckt mit Zuckerrohrmelasse, versuchen. Saúde!

Morgen beleuchten wir die beiden Inseln Fogo und Santiago.

Kapverdische Inseln

Die Kapverden sind ein Inselstaat vulkanischen Ursprungs, 450 km westlich von Senegal und 1500 km südlich der Kanarischen Inseln. Die Inselgruppe, eine ehemalige portugiesische Kolonie, besteht aus 10 Inseln (9 davon sind bewohnt) und mehreren kleinen, unbewohnten Inselchen. Die Inseln sind durch die verschiedenen Passatwinde in zwei Gruppen unterteilt. Im Norden die Ilhas do Barlavento (Inseln über dem Wind) Santo Antão, São Vicente, die kleinen unbewohnten Inseln Santa Luzia, Razo und Branco sowie die Inseln São Nicolau, Sal und Boavista. Im Süden die Ilhas do Sotavento (Inseln unter dem Wind) Maio, Santiago, Fogo und Brava sowie die unbewohnte Inselgruppe der Ilheus do Rombo. Der Archipel hat eine Landfläche von 4033 km², womit er rund zehnmal kleiner als die Schweiz ist, und zählt etwa 520'000 Einwohner.

Reise-Infos

Die Reise wurde unterstützt vom Zürcher Kapverden-Spezialisten Amin Travel GmbH und TAP Portugal. Die Fluggesellschaft fliegt täglich ab Zürich und Genf via Lissabon auf die Kapverden. 2 Wochen Rundreise mit den Inseln São Vicente, Santo Antão und Santiago inkl. TAP-Flügen, Flughafentaxen, Unterkunft im Doppelzimmer im 3-Stern-Hotel inkl. Frühstück sowie allen Ausflügen und Transfers kosten 2595 Franken pro Person im Doppelzimmer.

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