Aktualisiert 21.03.2019 22:11

Car of the week

Der reanimierte Kater

Der DeTomaso Pantera war vor fast fünfzig Jahren der Versuch, mit einem halbwegs erschwinglichen Supersportwagen erfolgreich zu sein. Die Reanimation ist gelungen.

von
Michael Köckritz
Der visuelle Charakter des fast 50 Jahre alten DeTomaso Pantera-Designs wurde beim Erben gut in die Neuzeit mitgenommen. Die gelungene Mischung aus Retro und Modern beim Ares Panther ProgettoUno verfügt über genügend Muskulatur und High-Tech, um in der automobilistischen Champions League mitspielen zu können.

Der visuelle Charakter des fast 50 Jahre alten DeTomaso Pantera-Designs wurde beim Erben gut in die Neuzeit mitgenommen. Die gelungene Mischung aus Retro und Modern beim Ares Panther ProgettoUno verfügt über genügend Muskulatur und High-Tech, um in der automobilistischen Champions League mitspielen zu können.

Ares

Projekt Nummer 1 – so nennt die italienische Designschmiede Ares ihren Panther. Ein Zeichen, dass dieser Katze noch ein paar weitere folgen dürften. Was die Karosseriebauer aus Modena mit der Neuinterpretation des DeTomaso Pantera vorgelegt haben, sieht schon mal sehr vielversprechend aus.

Heutzutage geht ja alles recht schnell. Vor ziemlich genau fünf Jahren gründete Dany Bahar das Karosserie-Studio Ares in Modena und setzte sich daran, die dicht bevölkerte Designstudio- Landschaft der Emiglia Romana um ein weiteres zu bereichern. Nun ist Herr Bahar nicht irgendein Designer, der sich mit extravaganten Studien an grosse Automobilhersteller verdingt. Immerhin rief er die Formel 1-Teams von Red Bull und Toro Rosso ins Leben, half Herrn Mateschitz, die Fussball-Clubs von Salzburg und New York käuflich zu erwerben, arbeitete in der obersten Etage von Ferrari und stand drei Jahre lang an der Spitze von Lotus, wo er die Engländer zuerst zurück auf die Erfolgsspur führen wollte, darob deren Rückkehr in die Formel 1 organisierte, nur um kurz darauf etwas unzeremoniell gefeuert zu werden.

Der Panther ist der Erste der «Legends Reborn»

Man kann also davon ausgehen, dass Dany Bahar sehr wohl wusste, was er tat, als er kurz nach der Gründung seiner Marke Ares Design ankündigte, eine Serie von Hyper Cars unter dem Logo «Legends Reborn» ins Leben zu rufen. Der Ares Progetto Uno Panther ist der Erste in der Reihe der wiedergeborenen Legenden. In der altehrwürdigen Tradition italienischer Carrozzeriere nahm Ares deshalb einen bestehenden Supersportler – in diesem Fall den Lamborghini Huracan – und gab ihm eine neue Hülle, inspiriert von und eng angelehnt an der Sportwagenlegende DeTomaso Pantera.

Anfang der 60er Jahre hatte der vor Diktator Peron aus Argentinien geflohene Alejandro DeTomaso in Modena eine Autofirma gegründet, die 1971 mit dem Pantera ihr erfolgreichstes Sportwagen-Modell auf den Markt brachte. Der von Ghia-Designer Tom Tjaarda gezeichnete Zweisitzer mischte damals den Markt der Supersportwagen auf. Angetrieben von einem 355 PS leistenden 5,8 Liter Ford V8 «Cleveland» – und in den USA von Ford über deren Lincoln Händlernetz vertrieben – war der Pantera den exotischen Italienern leistungsmässig fast ebenbürtig, kostete aber halb so viel wie ein Ferrari.

Der Pantera wurde zur erschwinglichen Legende

Ford, die sich vom DeTomaso eine Waffe gegen die Corvette erhofften, verkauften den Pantera in den USA für unter 10'000 US$. Trotzdem trennte sich Ford nach drei Jahren und 5000 in den USA verkauften Panteras vom Italo-Argentinier. DeTomaso hingegen baute den Pantera noch bis 1992. Heute geht ein sehr gut erhaltenes Exemplar für gute 100'000 Euro über den Auktionstisch.

Die Wiederauferstehung des Pantera durch den Ares Progetto Uno kann man als mehr als gelungen bezeichnen, so gut, dass man sich fragt, warum es denn so lange gedauert hat. In der Linienführung ist das Original deutlich zu erkennen, erscheint aber muskulöser und athletischer. Die Überhänge sind etwas länger als beim Lambo (um runde 10 Zentimeter), das Greenhouse rutschte etwas mehr nach hinten, und Kohlefaser so weit das Auge reicht. Immerhin Ares übernahm die Klappscheinwerfer des Pantera, wenn auch um vieles schnittiger und mit LED ausgerüstet.

Ein Meter und Neunzehn ist er hoch, und trotzdem klappt das mit dem Einsteigen ganz prima, denn die Türen sind weit ausgeschnitten und der Fussraum ist üppig. Die Front ziert ein mächtiger Spoiler, die Seitenschweller machen den Wagen optisch breiter. Das Heck ist moderner und deutlich höher als beim DeTomaso. Vorne sind 20 Zöller aufgezogen, hinten 21er. Das gibt dem Panther einen dynamischen Stand und macht dazu noch einen schönen Fuss.

Abgesehen davon wurde der Huracan technisch einfach integriert. Der V10 Sauger leistet 650 PS und 600 Nm, was gut ist für 3Komma1 auf 100 und 325 Spitze. Angetrieben wird der Panther über ein Siebengang DSK-Getriebe und dem Allrad des Lambo. Aber es gehe beim Panther nicht nur um reine Leistung, sagte Dany Bahar bei der Vorstellung. «Es geht uns um das Vergnügen am Fahren. Deshalb haben wir die Motorencharakteristik verändert, die Kalibrierung, die Schaltstufen im Getriebe modifiziert und», fügt er breit lächelnd hinzu, «natürlich den Auspuff vollkommen überarbeitet».

Auch im Innenraum herrscht Lambo, ein bisschen mehr Karbo hier und da, aber sonst darf man sich's aussuchen. Der Kundenwunsch hat Vorrang bei Ares, versteht sich. «Jedes Fahrzeug wird maximal individualisiert und personalisiert. Kein Wunsch ist für uns zu aufwendig.»

Zielpublikum eher im finanziellen Mittelfeld

Weshalb ein Cabrio schon mal angekündigt ist. Die Klientel für den Retro-Renner sieht Bahar überraschenderweise nicht bei den Mega-Reichen und Super-Milliardären, die Bugattis und Ferraris im Stall stehen haben, sondern bei Freunden exklusiver Automobile, die zwar schon ein oder zwei Premium-Automobile haben, jedoch eher im finanziellen Mittelfeld spielen und «…den Retro-Look lieben, ohne die fragliche Zuverlässigkeit eines Oldtimers in Kauf nehmen zu müssen.»

Das mag bei einem Preis von (minimum) 615'000 Euro ein gewagtes Statement sein. Noch ist es nicht klar, ob es bei 21 Exemplaren des Panthers bleiben soll, die gebaut werden sollen (und die schon reserviert sind), oder ob Ares über die nächsten Jahre bis zu 70 Fahrzeuge bauen will. Im Mai werden jedenfalls die Ersten ausgeliefert. Und dann schaun wir mal.

Die «Legends Reborn»-Serie von Retro-Wiederbelebungs-Versuchen will Ares Design auf jeden Fall weiterführen. Eine Marktlücke ist eine Marktlücke und ist sie noch so klein. Die nächsten Modelle sind zwar ein Geheimnis, aber schon im Jahr 2020 soll Aufregendes angekündigt werden. Wir bleiben gespannt.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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