Marsch der Millionäre: Der Reichtum verteilt sich auf drei Blocks

Aktualisiert

Marsch der MillionäreDer Reichtum verteilt sich auf drei Blocks

Die Bewegung «Occupy Wall Street» hat ihre Protestaktion in das New Yorker Reichenviertel verlegt. Die Demonstranten finden den Weg dank einer neuen Google-Karte der Superreichen.

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Mehrere hundert Menschen haben am Dienstag an der New Yorker Upper East Side für eine höhere Besteuerung von Millionären und Milliardären demonstriert. Auf Schildern forderten die Aktivisten der Gruppe «Occupy Wall Street» («Besetzt die Wall Street!») vor den Häusern prominenter Milliardäre eine Abschaffung aller Steuerprivilegien und den Schutz von Sozialprogrammen. Dutzende Polizisten begleiteten den Protestzug, zu ernsteren Zwischenfällen kam es jedoch nicht.

Dass die Protestierenden den Weg zu den Haustüren der Superreichen schnell und sicher fanden, haben sie grösstenteils einer abgeänderten Version von Google Maps zu verdanken. Die Klatsch-Website Gawker adaptierte die Karte von Manhattan und ergänzte sie mit dem Namen und der genauen Adresse der Milliardäre. Die neue Funktion sprach sich schnell herum – kurz darauf standen die ersten Demonstranten an der eleganten Upper East Side.

Wohnsitze der Milliardäre wie Zielscheiben

Die Polizei sah sich gezwungen, die Eingänge einiger Häuser mit Gittern abzusperren. Beamte in Uniform und Zivil sicherten die Wohnsitze des Medienunternehmers Rupert Murdoch, des Chase-Bankchefs Jamie Dimon, des Kunstmäzens und «Tea Party»-Unterstützers David Koch und anderer Milliardäre. Sie musste aber nicht einschreiten.

Die Upper East Side direkt am Central Park hat dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» zufolge die höchste Milliardärsdichte der Welt. «Die USA sind reich, aber der Reichtum ist dramatisch ungleich verteilt», sagte die Gewerkschafterin Angeline Echeverría. «Wir wollen Jobs, von denen man auch leben kann und die sicher sind.»

Die Banken hätten Milliarden Steuergelder «geschluckt». «Es ist nicht fair, dass sie sich jetzt nicht an der Bewältigung der Krise beteiligen, sondern lieber Millionenboni auszahlen. Das sind Prämien von unseren Steuergeldern.»

Demonstrationen in Chicago und Boston

Der Protest von ein paar Dutzend Studenten ist in den vergangenen Wochen zu einem Massenprotest geworden. Unterstützt von den Gewerkschaften forderten am Mittwoch vergangener Woche mehr als 7000 Demonstranten vor dem New Yorker Rathaus Reformen im US-Sozialsystem und eine höhere Besteuerung von Banken und Grossverdienern.

In Chicago versammelten sich am Montag 3000 Demonstranten im Finanzviertel und vor einem Luxushotel, in dem eine Börsenkonferenz abgehalten wurde. «Wir wollen zeigen, welche Rolle die Finanzindustrie gespielt hat», sagte ein Demonstrant. «Es ist an der Zeit, ihnen mitzuteilen, wie sehr sie uns wehtun.»

Chicago ist Sitz der Warenbörse (CME) und einer der weltgrössten Optionsbörsen (CBOE). Die Organisatoren der Demonstrationen in Chicago fordern die Besteuerung von Finanztransaktionen an diesen beiden Marktplätzen. Mit den Steuererträgen von geschätzt rund 1,4 Milliarden Dollar könnten 40 000 Arbeitsplätze geschaffen werden, schrieben sie in einer Stellungnahme.

Auch in Boston wird protestiert

In Boston löste die Polizei eine Protestkundgebung gegen die Macht der Banken und die wachsende Ungleichheit in den USA auf. Rund 100 Demonstranten seien in der Stadt im Bundesstaat Massachusetts in der Nacht zum Dienstag festgenommen worden, berichtete die Zeitung «Boston Globe». (kle/sda)

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