Für Racing-Fans: Der Rennsitz für den Edel-Gamer
Aktualisiert

Für Racing-FansDer Rennsitz für den Edel-Gamer

Für Rennsimulationsfans gibt es nichts Schöneres, als das Rennfeeling so authentisch wie möglich zu erleben. Das hat einen Schweizer Racingfan auf eine Idee gebracht.

von
Jan Graber
Im Element: Dominik Bertolosi führt seinen Rennschalensitz für Racingsim-Fans vor.

Im Element: Dominik Bertolosi führt seinen Rennschalensitz für Racingsim-Fans vor.

Dass Simulationsfans eine besondere Gemeinschaft in der Gamewelt bilden, darüber war an dieser Stelle bereits zu lesen. Vom virtuellen Bauer, der digitale Felder pflügt über den Buschauffeur, der in seiner Freizeit binäre Gäste transportiert bis zu den PC-Piloten, die programmierte Himmel bereisen – sie alle möchten die simulierte und reale Welt möglichst nahe zusammenbringen.

Den meisten von ihnen bleibt eines indes verwehrt: Ihre virtuellen Maschinen steuern sie vorwiegend mit Maus und Tastatur oder Gamecontroller. Eine besondere Gattung bilden dagegen virtuelle Raser – Fans von Rennsimulationen wie der Formel-1-Nachbildung «F1» oder dem PS3-Vorzeigespiel «Gran Turismo». Ein virtueller Rennpilot, der etwas auf sich hält, brettert nicht via Gamepad oder Keyboard über den Asphalt, sondern mit Steuerrad Fusspedalen.

«Gran Turismo 5» gab den Ausschlag

Zu dieser Art passionierter Rennfans gehört Dominik Bertolosi, Inhaber und CEO der Kleinfirma TopSeat SimRacing. Der Metalllackierer bietet im Nebenjob Rennsitze für Gamer an: Robuste Metallrahmen mit integriertem Schalensitz mit Vorrichtungen zum Anbringen von Steuerrad, Pedale und Schaltkonsole. Dass es dazu gekommen ist, hat mit einer Notlage zu tun.

Ein Rückblick: Bereits sein Stiefvater sei ein begeisterter Rennsimulationsfan gewesen und habe vor 20 Jahren Pokale für Siege in Renngames gewonnen, verrät Bertolosi: «Er hat mir seine Begeisterung für Rennsimulationen vererbt.» Bertolosi spielte indessen Renngames wie alle anderen mit dem Gamepad. Bis «Gran Turismo 5» erschien und das Blut von Rennsim-Fans in Wallung brachte. Von dem Moment an war für Bertolosi klar: Er musste einen Rennsitz haben, um die Rennen noch realitätsnaher zu erleben. «GT 5 mit dem Gamepad zu spielen, ist eine Verschwendung», sagt Bertolosi.

Erwachsene statt Kids

Doch die Dinger waren teuer. Für seinen ersten Rennsitz blätterte Bertolosi stolze 1500 Franken hin. Er war sich sicher, dass es auch günstiger geht und wurde bei einem Hersteller in China fündig. Da die Qualität stimmte und es in ganz Europa keinen Anbieter gab, der eine ähnliche Qualität zu vergleichbar günstigen Preisen anbieten konnte, entschied sich Bertolosi, die Marktlücke zu füllen. Er bestimmte Material und Aussehen, schrieb eine Aufbauanleitung und gründete seine kleine Firma.

«Zu meiner Kundschaft gehört auch die reale Rennfahrerszene», sagt Bertolosi. So stehe einer seiner Sitze zum Beispiel beim Europameister 2010 der Bergrennen, auf einem anderen übt der amtierende Schweizer Kartmeister die Rennstrecken ein. Erstaunt sei aber auch er selbst über das Alter der Rennfans: Nicht pickelige Möchtegern-Raser wollen einen Rennsitz, sondern vor allem erwachsene Männer über dreissig Jahren. «Ich hätte nie gedacht, dass erwachsenen Männer so etwas machen», sagt er. Dass vor allem diese einen Sitz kaufen, dürfte indessen an den Kosten liegen: Die Grundausführung mit GFK-Schalensitz ohne Rennlenkrad kostet knapp 400 Franken. Für die Lederausführung blättern Fans 429 Franken hin. Und ein Rennlenkrad mit Schaltkonsole und Pedalen erleichtert den Rennfan um zusätzliche 300 Franken.

Subwoofer für den Extra-Kick

Viele würden mit einem Rennsitz ihren Hobbyraum ausstatten, weiss Bertolosi. Und wer sich mit einem Rennsitz ausrüstet, will bald auch an Rennwettbewerben teilnehmen. Bei ihm selbst geht die Passion allerdings weiter: Um das Renngefühl zusätzlich zu verstärken, hat Bertolosi einen Subwoofer an die Unterseite seines Sitzes geschraubt. Nicht um damit einen noch fetteren Sound zu erzeugen, sondern damit der Sitz richtig schön rüttelt, wenn er mit seinem Geschoss über eine Bodenwelle brettert. Für Simulatorenfans gibt es eben kaum etwas Schöneres, als wenn die digitale Welt die Realität so echt wie möglich macht – egal ob Lamborghini- oder Traktorfahrer.

Dominik Bertolosi alias Hellracer im Rennen

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