Aktualisiert 09.08.2011 17:02

Er kreiert RundkurseDer Rennstrecken-Designer

Hermann Tilke konstruiert F-1-Rennstrecken auf der ganzen Welt. Seine Kreationen tauchen auch in Rennspielen auf. Kein grosser Unterschied, findet Tilke, Hauptsache der Kurs ist spannend.

von
J. Graber

Rennspielfans kennen sie oft in- und auswendig: Die der Realität nachempfundenen Rennpisten von «Forza Motorsport», «Gran Turismo» oder der «F1»-Reihe. Bis zum letzten Baum sind die virtuellen Rennstrecken wie der Nürburgring mittlerweile der Realität nachempfunden. Kurven, Streckenaufschriften und Gebäude – alles stimmt bis ins Detail.

Gamer rasen auf seinen Strecken

Hinter vielen dieser Rundkurse steht ein Deutscher, der sie für die reale Welt entworfen hat: Hermann Tilke, Rennstreckendesigner und selber passionierter Rennsportler.

Zehn Formel-1-Kurse hat der an Silvester 1954 in Olpe D geborene Tilke bereits gebaut, darunter den unverkennbaren Kurs in Malaysia. Noch dieses Jahr soll eine von Tilke konzipierte Strecke in Indien eröffnet werden, ab 2012 spulen die Bolliden in Texas ihre Runden ab und 2014 werden sie in Sochi, Russland, ums Olympiastadium brettern. Die Mercedes-Arena am Nürburgring stammt ebenso aus seiner Feder wie viele Rennstrecken, die nicht der Formel-1 dienen.

Gamesoftware wäre möglich

Fürs Streckendesign bedient sich Tilkes Büro zweier Simulationssoftwares, die einem Videospiel nicht unähnlich sind. Einerseits kommt ein eigens entwickelter Simulator zum Einsatz, der zum Beispiel den Abtriebverlust beim Windschatten-Fahren aufzeigt und sich den telemetrischen Formel-1-Daten des jeweiligen Vorjahres bedient. Andererseits wird zusätzlich ein Simulator des F1-Rennstalls McLaren benutzt.

Wäre der Einsatz von Videospieltechnologie für das Design von Rennpisten möglich? «Theoretisch ja», sagt Tilke gegenüber 20 Minuten Online, «denn im Grunde handelt es sich um dasselbe. Die Hardware, die für den reellen Streckenbau benötigt wird, ist aber viel aufwändiger.» Auch neben den von Tilke am Computer geschaffenen Rundkursen müssen Orientierungspunkte eingebaut werden, damit sich die Fahrer beim Testen zurechtfinden. «Selbst für Profis ist es unmöglich, auf einer virtuellen Strecke ohne Anhaltspunkte zu fahren.»

Spannende Rennen dank frühen Kurven

Da eine Strecke in der Realität aus Kostengründen kaum je fünf Kilometer überschreitet, müssen sich auch Gamer mit dieser Distanz zufrieden geben – ausser bei Fantasiestrecken. Aber auch hier gilt eines von Tilkes wichtigsten Credos: «Eine Rundstrecke muss spannende Rennen ermöglichen.» Es helfe zum Beispiel, wenn kurz nach dem Start eine scharfe Kurve eingebaut werde. Dies führe zu interessanten Überholmanövern und ziehe das Feld nicht zu früh auseinander. Die Mercedes-Arena am Nürburgring sei ebenfalls eingebaut worden, um die Rennen ausbalancierter und packender zu machen. «Eine Strecke besteht aus mindestens zwei Geraden», sagt Tilke, «Was dazwischen passiert, muss für Spannung sorgen.»

Tilkes Zukunftsvision: Ein Best-of-Rundkurs

Bleibt die Frage, ob sich Tilke vorstellen könnte, auch für Videospiele Strecken zu bauen, die es in der Wirklichkeit nicht gibt? «Absolut, es wäre tatsächlich sehr reizvoll, dies zu tun», sagt der Streckendesigner. Denn hier bestünde die Möglichkeit, die magische Fünfkilometergrenze zu überschreiten und zum Beispiel ein Rund zu bauen, das aus den weltweit besten Streckenabschnitten besteht.

Und wer weiss: Vielleicht können Gamer ihre Bolliden eines Tages tatsächlich über eine Tilke-Kreation jagen, die nur in der digitalen Welt existiert.

Gametrailer: F1 2011

Quelle: YouTube

Gametrailer: Gran Turismo 5

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Gametrailer: Forza Motorsport 4

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Hermann Tilke

Er kennt die Rennstrecken dieser Welt aus dem Effeff: Hermann Tilke, 1954 geboren in Olpe, Nordrhein-Westfahlen. Nachdem er auf dem Nürburgring mit dem Wagen seiner Mutter erste Rennen gefahren hatte, wusste er: Das normale Leben ist nichts für ihn und so fing er mit den ersten baulichen Aufträgen für Rennstrecken an. Mittlerweile führt Tilke sein eigenes Konstruktionsbüro und hat zusammen mit seinem Team über zehn Formel-1-Rundkurse gebaut.

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