Aktualisiert 21.03.2017 11:29

Ferrari 166MM «Uovo»

Der Rennwagen als Kunstwerk

Der einmalige Ferrari 166MM/212 Export mit dem Übernamen «Uovo» wurde von einem Bildhauer geschaffen.

von
pru
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Der Ferrari 166MM/212 zeichnet sich durch die üppigen Rundungen seines Blechkleids aus.

Der Ferrari 166MM/212 zeichnet sich durch die üppigen Rundungen seines Blechkleids aus.

Remi Dargegen ©2017 Courtesy of rm Sotheby's
Auch wenn sich über Geschmack streiten lässt, über Proportionen eher nicht.

Auch wenn sich über Geschmack streiten lässt, über Proportionen eher nicht.

Remi Dargegen ©2017 Courtesy of rm Sotheby's
Markantestes Detail ist der beinahe kreisrunde Lufteinlass in der Front.

Markantestes Detail ist der beinahe kreisrunde Lufteinlass in der Front.

Remi Dargegen ©2017 Courtesy of rm Sotheby's

1950 hatte Giannino Marzotto die Mille Miglia in einem der legendären Ferrari 166MM mit Touring-Karosserie gewonnen; «Gianni», wie er von seinen Freunden genannt wurde, war danach ein Held für die Italiener, einer der ganz grossen Sportler. Und der Ruhm des jungen Mannes, der bei seinem ersten Mille-Miglia-Sieg erst 22jährig war, vermehrte sich noch, als er diesen Erfolg 1953 wiederholen konnte, in einem der legendärsten Rennen überhaupt, in dem er sich auf einem Ferrari 340MM Vignale einen packenden Zweikampf mit Juan Manuel Fangio auf einem Alfa Romeo 6C30 lieferte.

Marzotto stammte aus einer Dynastie reicher Stoff-Fabrikanten. Für eine internationale Rennkarriere reichte es aber trotzdem nicht, ein fünfter Rang bei den 24 Stunden von Le Mans 1953 war sein bestes Resultat. Schon 1956 trat er vom Rennsport zurück und kümmerte sich um das Familien-Unternehmen. Doch «Gianni», der auch bei Rennen nur massgeschneiderte Anzüge trug, war ein Mann von auserlesenem Geschmack. Davon zeugt auch die Geschichte seines aussergewöhnlichen Ferrari.

Auch Marzotto's Bruder Umberto fuhr bei der Mille Miglia 1950 einen Ferrari 166MM. Bei einem Unfall wurde dieser Wagen in zwei Teile gerissen, es war ein Wunder, dass Marzotto und sein Beifahrer Franco Cristaldi überlebten. Gianni Marzotto hatte aber eine Idee: er beauftragte die damals noch bekannte Carrozzeria Fontana dem Wiederaufbau des Fahrzeugs mit der Chassisnummer 024MB. Mit der Zeichnung der Form beauftragte er den bekannte Bildhauer Franco Reggiani. Die Expertise von Fontana im Bau aerodynamischer Formen und die Kunst von Reggiani führten zu einem der aussergewöhnlichsten Ferrari aller Zeiten, der als «Uovo», das Ei berühmt wurde.

Die Renngeschichte war es nicht, die den Wagen bekannt machte. 1951 trat Gianni Marzotto samt Beifahrer Marco Crosara mit dem «Uovo» zuerst beim Giro di Sicilia an, führte auch, brachte den Wagen, der für die Scuderia Marzotto gemeldet war, aber nicht ins Ziel. Bei der Mille Miglia 1951 führte Marzotto mit dem «Ei» am ersten Tag, musste dann aber nach einem Schaden an der Aufhängung aufgeben. Erst bei der Coppa della Toscana konnte #0024MB schliesslich einen Sieg erringen. Ende des Jahres wurde dem Fahrzeug der Motor eines Ferrari 212 Export montiert (wahrscheinlich aus dem Fahrzeug mit der Chassisnummer 0084E), wahrscheinlich 1953 erhielt er dann das Triebwerk aus einem 212 Inter, Chassisnummer 0107ES. Da war der Wagen aber längst in Amerika, nicht immer nur in liebevollen Händen, so dass es hinter seiner späteren Geschichte doch einige Fragezeichen gibt.

Das ungewöhnliche «Ei», formal sicher einer der auffälligsten Ferrari überhaupt, wird im Herbst von RM Sotheby's versteigert werden. Mindestens 4,5 Millionen Dollar werden erwartet - eigentlich wenig für ein Kunstwerk auf Rädern.

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