Aktualisiert 08.12.2015 13:52

Basel-Stadt

Der Rhein ist voller Plastikteilchen

Im Rhein hat es laut einer Studie der Uni Basel deutlich mehr Mikro-Plastikabfälle als in anderen Gewässern. Das Schwimmen im Sommer sei aber trotzdem möglich.

von
mak

Der Rhein gehört zu den weltweit am stärksten mit Mikroplastik belasteten Flüssen, die bisher untersucht wurden. Dies teilte das Departement für Umweltwissenschaften der Universität Basel am Dienstag mit. Mit dem Rhein ist erstmals ein grosser Meeres-Zufluss untersucht worden, andere Forschende hatten Ozeane, Seen und meist kleinere Flüsse unter die Lupe genommen.

Eine gute Lupe ist nötig für die Partikel in der Grösse von 0,3 bis 5 Millimeter, welche die Rhein-Studie im Visier hatte. Zwischen Basel und Rotterdam wurden an elf Standorten insgesamt 31 Proben an der Flussoberfläche entnommen. Gesucht wurde nach verbreiteten leichten Kunststoffen, die über längere Distanzen oben treiben.

Auswirkung auf Mensch unbekannt

Gefunden wurde dabei Mikroplastik in einer durchschnittlichen Konzentration von 892'777 Partikeln pro Quadratkilometer. Zwischen Basel und Mainz wurden 202'900 Partikel gemessen. Im Raum Köln waren es 714'053 Partikel und im Rhein-Ruhr-Raum im Mittel 2,3 Millionen Partikel. Zum Vergleich: Im Genfersee hat es 220'000 Partikel, im Erie-See in den USA 105'500. Auch in der Rhone bei Genf habe es «weitaus weniger» Partikel.

Thomas Mani, Erstautor der Studie und Doktorand am Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel, sagt, es sei durchaus möglich, dass ein Rheinschwimmer mal Plastik verschlucke. «Die Auswirkungen auf den Menschen sind aber bisher nicht abschliessend erforscht.» Auf das Schwimmen im Rhein würde er aber deshalb nicht verzichten.

Erwiesen seien jedoch die Auswirkungen auf gewisse Lebewesen, beispielsweise der Miesmuschel. «Für die Tiere, die den Plastik fressen, kann es zum Beispiel zu inneren Entzündungen kommen. Bei einer Beeinträchtigung der Überlebenschancen dieser Tiere kann die Nahrungskette und damit im Endeffekt ein Ökosystem betroffen sein.»

Abfall aus der Industrie

Woher der Plastik kommt, stellt sie nicht fest. In dieser Grösse sei die Identifikation der Herkunft oder des Ursprungsmaterials sehr schwierig, sagt Mani. Kläranlagen seien nicht dafür gebaut und filterten nur einen Teil heraus. Zudem könne via Regen-Überläufe ungefiltertes Wasser in Gewässer gelangen.

Speziell aufgefallen sind jedoch neben Fasern und Fragmenten auch Plastikkügelchen. Die rätselhaften Plastikkügelchen seien sehr rein, kleiner als handelsübliche Plastikrohstoff-Granulate und bestünden aus anderen Substanzen als in Pflegeprodukten steckten.

Da kaum eine Firma eine Verschmutzung freiwillig zugebe, stehe hier noch viel Detektivarbeit an. Vorstellbar ist gemäss Mani zum Beispiel, dass die Mikrokügelchen als Prozessmaterial in der Industrie verwendet werden. Die Studie habe denn auch schon einiges Interesse bei Umweltbehörden geweckt.

(mak/sda)

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