Der Riechtest hilft nicht immer, verdorbene Lebensmittel zu erkennen
Riecht Milch wirklich schlecht, wenn sie abgelaufen ist? Wir verraten dir, ob der «Riechtest» bei Lebensmitteln wirklich funktioniert. 

Riecht Milch wirklich schlecht, wenn sie abgelaufen ist? Wir verraten dir, ob der «Riechtest» bei Lebensmitteln wirklich funktioniert. 

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Ist das noch gut?Der Riechtest hilft nicht immer, verdorbene Lebensmittel zu erkennen

Viele Menschen riechen an ihren Lebensmitteln, um festzustellen, ob diese noch geniessbar sind. Doch funktioniert der Riechtest auch wirklich immer und bewahrt er uns auch vor Krankheiten? 

von
Luise Faupel

Ist die geöffnete (Pflanzen-) Milch im Kühlschrank noch gut oder wird sie den Kaffee versauen beziehungsweise versauern? Um dies rauszufinden, riecht man am besten an der Milch. Aber garantiert der Riechtest nicht nur einen guten Geschmack, sondern bewahrt er auch davor, krank zu werden?

Foodwaste vorbeugen

Anti-Foodwaste-Verfechterinnen und -Verfechter ermutigen: Statt nur aufs Verfallsdatum zu vertrauen und Lebensmittel unnötigerweise zu entsorgen, sollten wir unseren Sinnen vertrauen. Schlecht gewordenes Essen riecht schlecht und bewahrt uns so vor einem verdorbenen Magen. Aber riecht schlechtes Essen auch wirklich immer schlecht – kann man dem Riechtest wirklich vertrauen?

Das Curry in der Tupperwarebox im Kühlschrank riecht nicht mehr gut? Dann schmeckt es womöglich auch nicht mehr gut. 

Das Curry in der Tupperwarebox im Kühlschrank riecht nicht mehr gut? Dann schmeckt es womöglich auch nicht mehr gut. 

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Geruch sagt nichts über Sicherheit 

«Es gibt einen schmalen Grat zwischen Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität», sagt Kristen Gibson, Professorin für Lebensmittelwissenschaften der Universität Arkansas zur «HuffPost». Es gäbe keine Möglichkeit zu erschnüffeln, ob ein Lebensmittel sicher sei und man davon nicht krank wird.

Man könne vielleicht sagen, dass die Qualität nicht mehr ganz so gut ist und ein Produkt nicht mehr so gut schmecken wird. Dass es damit aber unsicher für den Verzehr oder schlecht für die Gesundheit sei, ist fragwürdig.

Mindesthaltbarkeitsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem der Hersteller garantiert, dass das ungeöffnete Lebensmittel bei durchgehend richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften, wie Geruch, Geschmack und Nährwert behält.

Verzehr nach Ablauf des MHD

Die Haltbarkeit bei manchen Lebensmitteln hängt von der Lagertemperatur oder anderen Bedingungen ab. Wurde die original verschlossene Verpackung richtig gelagert, ist das Produkt auch häufig nach dem abgelaufenen MHD noch zu geniessen und nicht automatisch verdorben. Ist eine Lebensmittelpackung jedoch bereits geöffnet, gilt das MHD nicht mehr.

Auf Websites von Verbraucherzentralen liest man: «Ob Produkte noch geniessbar sind oder nicht, lässt sich mit den eigenen Sinnen überprüfen: sehen, riechen und schmecken. So wird es in der Regel auch bei Lebensmitteln gemacht, die gar kein MHD tragen, zum Beispiel bei Obst, Gemüse oder Brot vom Bäcker.» Aber es gibt einen Unterschied zwischen geniessbar und sicher vor Keimen.

Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse haben kein Mindesthaltbarkeitsdatum und werden von uns dem Seh- und Riechtest unterzogen.

Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse haben kein Mindesthaltbarkeitsdatum und werden von uns dem Seh- und Riechtest unterzogen.

Anna Shvets / Pexels

So erkennst du Verdorbenes

Schaue das Produkt genau an: Ist Schimmel zu erkennen, ist die Sache klar. Sieht es welk aus, ist der Salat braun und matschig?

Rieche und schmecke das Produkt: Riecht es unangenehm, schmeckt eine Kostprobe auf der Fingerspitze säuerlich, oder prickelt es auf der Zunge? Dann Finger weg!

Verdorbenes macht nicht immer krank

Verderb führt zu Veränderungen im Aussehen, im Geschmack und eben auch im Geruch. Wenn die Milch etwas säuerlich riecht, möchtest du sie wahrscheinlich auch nicht mehr trinken – sie wird vermutlich auch säuerlich schmecken und geronnen sein. Dass dir übel oder anders schlecht wird, wenn du sie doch trinkst, ist aber auch nicht gesagt. Also: was heisst schon «verdorben» für die Gesundheit?

MHD vs. Verbrauchsdatum

Sehr leicht verderbliche Lebensmittel, die nach kurzer Zeit eine Gesundheitsgefahr darstellen würden, werden mit dem Verbrauchsdatum gekennzeichnet. Das gilt zum Beispiel für Hackfleisch oder frischen Fisch.

Das Verbrauchsdatum nennt den letzten Tag, an dem das Lebensmittel noch verkauft und verzehrt werden darf. Nach Ablauf des Verbrauchdatums kann eine Gesundheitsgefahr durch Keime entstehen.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Geschmäcker – ein pappiger Kartoffelchip stört die eine total und den anderen gar nicht. So auch ein leicht saures Joghurt. Und kleine Stücke in der Milch sind einfach nur ein natürlicher Prozess – den man etwa auch für die Herstellung von Käse oder Joghurt nutzt.

Die dafür verantwortlichen Mikroben machen nicht unbedingt krank, sondern verändern nur die Konsistenz. Ein saures Joghurt isst man auf eigenes Risiko – dir kanns schlecht gehen oder eben nicht. Aber was ist mit wirklich krankmachenden Bakterien?

Krankheitserreger kann man nicht riechen

Hast du schon mal eine Lebensmittelvergiftung gehabt, obwohl dein Essen gut geschmeckt und gut gerochen hat? Das liegt daran, dass man Krankheitserreger in Lebensmitteln eben weder schmecken noch riechen kann.

Hattest du schon mal eine Lebensmittelvergiftung, obwohl dein Essen gut geschmeckt und gut gerochen hat?

Hattest du schon mal eine Lebensmittelvergiftung, obwohl dein Essen gut geschmeckt und gut gerochen hat?

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Salmonellen, Norovirus und Co. können zu Durchfall, Übelkeit oder Magenkrämpfen führen – dies kann nicht anhand des Geruchs oder Aussehens festgemacht und vermieden werden. Auch Salat kann frisch und knackig aussehen, jedoch Bakterien enthalten, die nicht den Salat, sondern uns Menschen als Wirt nutzen.

Lebensmittel können also krank machen, auch wenn sie nicht schlecht schmecken oder riechen. Der Riechtest bewahrt dich also nicht (immer) vor einer Lebensmittelallergie. Wenn Produkte schlecht riechen, bleibt es jedoch am sichersten, sie zu meiden.

Was kann man deiner Meinung nach gegen Foodwaste tun?

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