Adi Hütter: «Der Riese schläft sicher nicht mehr»
Aktualisiert

Adi Hütter«Der Riese schläft sicher nicht mehr»

YB-Trainer Adi Hütter will gegen Vaduz den sechsten Sieg in Folge. Er äussert sich nach der Länderspielpause zur Startserie, Vaduz und den Zielen bis zum Winter.

von
Peter Berger

Adi Hütter, das 4:0 gegen Vaduz war Ihr Einstand, jetzt startet die Phase bis zur Winterpause wieder gegen Vaduz. Ein gutes Omen?

Bevor ich überhaupt erstmals mit YB gegen Luzern, Sion oder St. Gallen gespielt habe, kommt zum zweiten Mal Vaduz und dann Basel. Das ist ungewöhnlich für mich, aber wir nehmen die Spiele, wie sie kommen. Es geht für uns nun darum, unsere Serie zu verlängern.

Vaduz liegt nur 38 km von Ihrem Geburtsort Hohenems entfernt. Haben Sie ein Heimspiel?

(Lacht) Ein paar Verwandte und Freunde werden zuschauen kommen, aber ein Heimspiel ist es dann doch nicht.

Mit einem Sieg könnten Sie Uli Fortes Startrekord als YB-Trainer von sechs Siegen egalisieren. Ist das für Sie einen Gedanken wert?

Ich habe davon gehört. Aber einen Anreiz für mich gibt es da nicht. Es geht mir nicht darum, dass ich sagen kann, ich bin der YB-Trainer mit der besten Startserie.

Acht Spiele stehen bis zur Winterpause noch an, welches sind die Ziele?

Ich will von meiner Mannschaft in jedem Spiel sehen, dass sie unbedingt gewinnen will. Wir wollen auch das Team sein, das von meinem Amtsantritt bis zur Pause am meisten Punkte holt. Wir wollen somit den Rückstand auf Basel weiter reduzieren. Am 6. Dezember sehen wir dann, ob uns das gelungen ist. Wenn wir Kontinuität und Stabilität in unsere Leistungen bringen können, bin ich überzeugt, dass auch die Ergebnisse stimmen werden.

Sie bezeichneten YB vor Ihrem Antritt als schlafenden Riesen. Wie ist dessen Zustand heute – wach oder sogar hellwach?

Er schläft sicher nicht mehr. Die Augen sind auf alle Fälle geöffnet und glänzen auch wieder. Aber das sind wir als YB unseren Fans schuldig. Deshalb will ich, dass wir einen begeisternden Fussball spielen und zeigen, dass mit uns zu rechnen ist. Mit Reden schaffen wir das aber nicht, wir müssen es beweisen.

Ein Nickerchen liegt nicht mehr drin?

Es wäre vermessen zu sagen, wir werden jedes Spiel gewinnen. Niederlagen gehören auch zum Erfolg. Klar, fünf Siege sind ein guter Start. Aber in jeder Partie sind Faktoren wie Spielverlauf, Rote Karten und so weiter mitentscheidend. Unter dem Strich muss einfach die Bereitschaft immer da sein, siegen zu wollen.

Sie haben bisher nicht nur das Team, sondern die ganze Region geweckt. Gegen Vaduz kamen 15'000, gegen Basel 19'000 und gegen GC mehr als 22'000.

Die Zuschauer haben gemerkt, dass wir bereit sind, Opfer zu bringen. Sie honorieren, wenn wie gegen GC in der 94. Minute noch fünf Spieler einen Sprint über 70 Meter machen, um die Entscheidung zu suchen.

Sind Sie eigentlich erstaunt, dass die Spieler Ihre Philosophie derart schnell begriffen und umgesetzt haben?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, nein. Aus meiner 20-jährigen Erfahrung als Spieler weiss ich, dass es nicht einfach ist, aus solchen Situationen herauszukommen. Als Trainer muss man überzeugt sein von dem, was man tut. Ich stiess erstmals während der Saison zu einem Team. Der erste Ansatz war, die Spieler davon zu überzeugen, dass sie tollen Fussball spielen können. Das haben sie sehr gut umgesetzt.

Ihre offensive Spielart ist kräfteraubend. Ist es demnach ein Vorteil, dass YB die Europa League verpasst hat und nicht alle drei Tage antreten muss?

Mit Salzburg absolvierten wir letzte Saison auch 54 Spiele und schlugen immer wieder ein hohes Tempo an. Aber sicherlich ist es kein Nachteil. Basel ist aber auf die Mehrbelastung gut vorbereitet und verfügt über ein sehr breites, qualitativ sehr stark besetztes Kader und hat praktisch zwei komplette Teams. Sicher ist es nicht einfach, alle drei Tage ein hohes Tempo anzuschlagen, aber ich hätte trotzdem gerne europäisch gespielt. Dann hätten wir vermehrt rotiert. Solche Spiele sind für Spieler und Zuschauer ein zusätzlicher Reiz.

Weil diese Einnahmen fehlen, müssen im Winter wohl Spieler verkauft werden. Reden Sie diesbezüglich mit?

Wir werden das Kader bis Ende Vorrunde durchleuchten und dann die Köpfe mit dem Staff und Sportchef Fredy Bickel zusammenstecken. Ich bin nicht ein Trainer, dem das Budget egal ist. Wichtig ist einfach, dass wir uns zur Decke strecken. Wir müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten das Bestmögliche herausholen.

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