YouTube-Hit: Der rührendste Clip des Web
Aktualisiert

YouTube-HitDer rührendste Clip des Web

Etwas Herzerwärmendes zum Wochenanfang: Eine rührselige Story über die Liebe zwischen Mensch und Tier. Sehr geehrte User, Sie dürfen schon mal die Taschentücher bereit halten.

von
Oliver Baroni

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Aus heutiger Sicht scheint es vielleicht unvorstellbar, doch bis in die Siebzigerjahre hinein gab es in England exotische Grosskatzen frei zum Verkauf. Besonders in den Tierhandlungen des Londoner West Ends konnte der trendige Tierfreund Panther, Jaguare und dergleichen mehr erwerben. So auch im noblen Kaufhaus Harrods, wo im Jahr 1969 die Australier Anthony 'Ace' Bourke und John Rendall ein besonders süsses Tierchen entdecken: Ein männliches Löwenbaby.

Die beiden Antiquitätenhändler kaufen ihn und tauschen seinen engen Käfig mit einer schicken Wohngemeinschaft an der Kings Road, dem Zentrum des Swinging London. Christian the Lion, wie das Raubtier fortan heisst, wird gemäss dem damaligen Zeitgeist antiautoritär erzogen und entwickelt eine sehr starke Bindung zu seinen Adoptivvätern. Bei der Arbeit in der Möbelschreinerei, beim Restaurantbesuch – immer ist Christian dabei. Als Freigehege dient der Park einer nahe gelegenen Kirche, vom örtlichen Pfarrer freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Dort kann Christian mit seinen Ziehvätern nach Herzenslust spielen.

90 Kilogramm und eine saftige Futterrechnung

Trotz aller Tierliebe entwickelt sich Christian immer mehr zum Problem für seine Besitzer. Nach einem Jahr wiegt er nicht mehr zehn, sondern 90 Kilogramm, und die Futterrechnung wird arg hoch. Anders als viele andere englische Raubkatzenbesitzer, die ihre Tiere auf dem Land aussetzten (20 Minuten Online berichtete), nehmen Ace und John Kontakt zum bekannten Tierschützer George Adamson auf, der bereits einige in Gefangenschaft geborene Grosskatzen erfolgreich ausgewildert hatte. Christian findet in Adamsons Reservat in Kenia ein neues Zuhause und wird innert eines Jahres gar Chef seines eigenen Rudels.

Ende gut, alles gut. Doch nicht für Ace und John, die nach einem Jahr solche Sehnsucht nach Christian haben, dass sie sich entschliessen ihn in Afrika zu besuchen. Adamson warnt: Christian ist nun ein ausgewachsenes Wildtier, mit einem Rudel, das es zu verteidigen gilt. Und ausserdem würde er sich nicht mehr erinnern. Nichtsdestotrotz wird Christian ausfindig gemacht. Was dann passiert, sehen Sie in obigem Video. Schauen Sie ruhig noch mal …

Ein zweites Leben

Die Filmaufnahmen entstanden für die Dokumentation «Christian, The Lion at World's End», die im selben Jahr am TV gezeigt wurde. Dass die rührselige Story nicht in Vergessenheit geriet, ist dem World Wide Web zu verdanken: Nach mehr als 30 Jahren wurde dem Löwen Christian ein zweites, virtuelles Leben geschenkt. Seit August 2008 tauchen Ausschnitte aus dem Dok-Film auf YouTube auf. In verschiedenen Variationen wurde die Wiedervereinigungs-Szene bisher mehr als 30 Millionen Mal angeschaut (nimm das, Britney!).

Zuschauer berichten, dass sie trotz Tränen den Clip aber trotzdem immer wieder anschauen - kaum jemand kann sich seiner Wirkung verschliessen. Der nachträglich zugefügte Whitney-Houston-Soundtrack mag das Seine dazutun, doch als Zuschauer sind wir vor allem gerührt, weil wir in den Bildern die grosse Liebe sehen, die die Kluft zwischen Mensch und Raubtier überbrückt.

Am Ende der Szene gehen Ace, John und Christian wiedervereint aus dem Bild. Ein Jahr später gab es ein erneutes Wiedersehen, das nicht verfilmt wurde. Christian war noch grösser und hatte gar Jungtiere mit dabei – doch er blieb eine ganze Nacht bei seinen Ziehvätern. Ein letztes Mal. Danach verschwand er für immer im Busch.

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