Aktualisiert 14.07.2009 15:08

«Time-Out» mit Klaus ZauggDer sanfte Putsch

Bei den SCL Tigers zeichnet sich im Herbst ein Machtwechsel ab. Noch ist nichts entschieden, denn es fehlt an Geld. Ein Eklat könnte den Untergang der SCL Tigers herbeiführen.

von
Klaus Zaugg

Der alte Gotthelf hätte seine helle Freude gehabt: Der zweitletzte Akt im Theaterstück «Wie Hansjakobli vo Hasli aufs Glatteis geführt wurde» ist im Saal des wunderbaren Landgasthofes Hirschen in Langnau aufgeführt worden. Ein politisches Meisterstück. Die hochheikle Angelegenheit des Machtwechsels - Präsident Hans Grunder tritt, wenn alles nach Plan läuft, im Herbst an der Generalversammlung zurück - wird so vollzogen, dass alle das Gesicht wahren können. Das ist wichtig. Ein Eklat könnte den Untergang der SCL Tigers herbeiführen. Der neue Präsident der SCL Tigers wird Peter Jakob heissen. Diese Generalversammlung wird der vorerst letzte Akt im aktuellen Langnauer Hockey-Theater sein. Voraussichtlich auch im schönen Hirschen-Saal.

Es fehlt eine Million Franken

Die aktuelle Führung der SCL Tigers um Hans Grunder hat, krass formuliert, abgewirtschaftet und im Emmental keine Vertrauensbasis mehr. Diese Feststellung mag angesichts von Grunders Engagement in den letzten sieben Jahren ungerecht sein. Aber es ist, wie es ist. Auch deshalb ist es ihm nicht mehr gelungen, die für die finanzielle Stabilität der SCL Tigers notwendige Million für eine Aktienkapitalerhöhung aufzutreiben. Und dass er diese Million nicht aus eigener Tasche bezahlen will, ist auch verständlich.

Deshalb hat sich der Verein «Rettet die Tiger» konstituiert. Die bessere Bezeichnung wäre. «Putschkomitee SCL Tigers». Diese vertrauenswürdige Männerrunde aus erfolgreichen lokalen Unternehmern wird, wenn sie die nötige Million für die Aktienkapitalerhöhung eingesammelt hat (Merke: Die Putschisten und nicht mehr der alte Verwaltungsrat versuchen, das Geld aufzutreiben) die Führungsverantwortung bei den SCL Tigers für mindestens vier Jahre übernehmen.

Suche dürfte erfolgreich werden

Der fünfköpfige Vorstand des Vereins «Rettet die Tiger» wird ab der nächsten Generalversammlung der neue Verwaltungsrat der SCL Tigers - sofern es gelingt, die Million aufzutreiben. Was eigentlich nicht bezweifelt wird. Die Männer, die bereit sind, die Verantwortung für die SCL Tigers zu übernehmen, wären die beste Führungscrew in der Neuzeit der Langnauer Hockeygeschichte. Alle verwurzelt im Emmental, erfolgreich im Business und keiner, der über das Engagement bei den SCL Tigers politische Ziele oder die Politur des Egos anstrebt. Und Hans Grunder bekommt so, läuft alles nach Plan, die wohlverdiente Chance, mit Applaus von der Bühne abzutreten und es besteht die Gewähr, dass keine schmutzige Wäsche gewaschen wird. Nur ganz, ganz böse Mäuler werden sagen, er habe entnervt das Handtuch geworfen. Eine Formulierung, die allerdings nicht ganz falsch ist.

Wirtschaftliche Situation der Tigers ist ernst

Die wirtschaftliche Situation der SCL Tigers ist ernst. Grunder hat bereits die Notbremse gezogen (Lohnkürzungen, nur drei Ausländer). Die Chancen, dass die neue Führung den vierten Ausländer bewilligen wird, indes sehr gross. Und ebenso gross ist die Chance, dass es dieser neuen Führung gelingen wird, das Unternehmen SCL Tigers als Ausbildungsklub im Eishockeybusiness zu etablieren und schwarze Zahlen zu schreiben. Ob die Playoffs dabei erreicht werden, ist unerheblich. Wichtiger ist: Die SCL Tigers sind als «Playoutisten» längst Kult, Siege sind nicht alles (was im Sport sehr selten ist) und der Erlebniswert im alten, hölzigen Stadion ist so gross, dass die Existenz in der NLA genügt, um die Fans zu mobilisieren.

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