«Time-out» mit Klaus Zaugg: Der SC Bern wie Juventus Turin
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggDer SC Bern wie Juventus Turin

Ist das ein neuer SC Bern? Oder ist es nur eine Momentaufnahme, die (noch) wenig über den Stil der Berner in dieser Saison aussagt? Der SCB erinnert immer mehr an die ruhmreichen Jahre von Juventus Turin.

von
Klaus Zaugg

Juve, das bedeutete stets den Primat des Resultates vor der Phantasie. Maximaler Ertrag aus minimalem offensivem Aufwand. Zynischer Fussball, an dem sich die Gegner die Zähne ausbeissen.

Bereits beim Qualifikationsturnier zur Champions Hockey League (CHL) in Nürnberg (mit den Siegen gegen die Ice Tigers und Kosice), erneut beim Heimerfolg gegen die Kloten Flyers und erst recht beim Derby-Erfolg in Biel (3:2) hat der SCB neue taktische Tugenden offenbart. Nicht Beton-Hockey. Eher eine Eishockey-Version von «Katenatscho». So spricht man den meistgebrauchten italienischen Begriff nach Spaghetti aus. «Catenaccio» meint nämlich nicht Betonabwehr, sondern wörtlich übersetzt Riegel. Und das trifft die Sache. Den beim Riegel ist immer noch Bewegung drin. Es riegelt.

Effizienz bis hin zum Zynismus

Und genau das ist das SCB-Spiel. Effizienz bis hin zum Zynismus. Wie zuvor die Nürnberger, die Slowaken aus Kosice und die Flyers aus Kloten, so rannten auch die Bieler mit Fleiss und Leidenschaft. Und standen am Ende mit leeren Händen da.

Den Gegner erst mal kommen lassen, ihn austricksen, mit taktischer List und Klugheit und nicht bloss mit Kraft und Schnelligkeit besiegen. Und es, wenn nötig, zwischendurch ordentlich riegeln und rumpeln lassen - das ist der SCB in der ersten Phase dieser Saison. So hätte Juve-General Marcello Lippi, der Fussball-Meistertrainer der 1990er-Jahre, Eishockey spielen lassen.

Desaster der letzten Saison verhindern

Dieser neue Stil ist logisch. Letzte Saison hat der SCB die Qualifikation von A bis Z dominiert und scheiterte dann im Playoff-Viertelfinale sensationell (und naiv) gegen Gottéron. Das soll so nicht mehr passieren.

Kommt dazu, dass den Bernern mit Ivo Rüthemann, Martin Plüss und David Jobin die meiste Zeit drei Nationalspieler fehlen. Das Selbstvertrauen der Berner, bisweilen in der Grauzone zur Arroganz, ist beeindruckend. Gegen die ZSC Lions, auch eine Mannschaft, die den «Juve-Stil» vortrefflich beherrscht, steht gleich morgen ein interessanter Test an.

Doch wie stark ist der SCB tatsächlich? Beim ersten ultimativen Test sind sie durchgefallen: Das Spiel gegen Gottéron haben sie verloren. Es ist bis dahin die einzige Niederlage in dieser Saison. Der Gegner spielte zu leidenschaftlich und die Berner wurden zu hitzig. Es hilft eben nichts, sein Testosteron auf dem Eis zu entladen. Köpfchen und Disziplin und Organisation sind noch wichtiger.

Wird «Resultathockey» langweilig?

Könnte es gar sein, dass uns der SCB mit «Resultathockey» langweilen wird? Nein. Der Stil von Juve, im Eishockey richtig, aktiv, aggressiv und mit vier Linien umgesetzt (so wie das der SCB zumindest versucht) ist nämlich nicht automatisch langweilig. Vielmehr kann es wunderbar rhythmisches Eishockey sein. Kommen lassen, rumpelnd abriegeln, schnell kontern. Kommen lassen, rumpelnd abriegeln, schnell kontern. Kommen lassen, rumpelnd abriegeln, schnell kontern.

Es ist noch aus einem anderen Grund nicht zu befürchten, dass der SCB mit seiner Hockey-Version des «Katenatscho» den Fans keine Unterhaltung mehr bietet. Schliesslich heisst der wichtigste Spieler beim SC Bern nicht Franco Baresi. Sondern Christian Dubé.

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