Van Boxmeer entlassen: Der «SCB der NLB» feuert den Trainer
Aktualisiert

Van Boxmeer entlassenDer «SCB der NLB» feuert den Trainer

Wenn ein Trainer zu weich wird: Lausanne hat seinen Trainer John van Boxmeer entlassen.

von
Klaus Zaugg
John van Boxmeer ist nicht mehr Trainer des HC Lausanne.

John van Boxmeer ist nicht mehr Trainer des HC Lausanne.

Am Sonntagabend hatte Lausanne in Langenthal sang und klanglos 1:4 verloren. Sportdirektor Jan Alston beruhigte alle Chronisten: Der Trainer werde nicht in Frage gestellt. Und John van Boxmeer hielt, sichtlich grantig, ein leidenschaftliches Plädoyer für Geduld im Herbst. Weil im Herbst keine Meisterschaften gewonnen werden.

Nun hat Lausanne seinen Coach nach einer Sitzung am Montagvormittag gefeuert. Jan Alston begründet seine erste Trainerentlassung so: «Der Mannschaft fehlte die Leidenschaft. Der Trainer hat die Spieler nicht mehr erreicht. Es war kein leichter Entscheid. Aber John hat seine Entlassung mit der Gelassenheit eines Gentleman zur Kenntnis genommen.» Der kanadisch-amerikanische Doppelbürger hatte den Job in Lausanne am 20. Dezember 2009 vom gefeuerten Terry Yake übernommen. Es gehört in Lausanne zur Unternehmenskultur, dass die Trainer gefeuert werden.

Mit ziemlicher Sicherheit ist John van Boxmeer seine neue weiche Welle zum Verhängnis geworden. Noch am Sonntagabend hatte er erklärt, er sei nach Niederlagen nicht mehr so grantig. Das bringe jetzt, im Herbst, doch nichts. Er werde erst ungehalten, wenn im Dezember und Januar immer noch so gespielt werde. Dieser Analyse mag er gegenüber 20 Minuten Online nicht widersprechen. «Ich habe bereits im Trainingslager gespürt, dass ich die Spieler nicht mehr erreiche. Ich war so frustriert über die Leistungen und dachte, es bringe nichts, wenn ich immer und immer wieder Leistung fordere. Ich gab den Spielern mehr Freiheit und Verantwortung und hoffte, dass so eine Wende kommt. Doch auch das hat nicht geholfen.»

Torhüter-Problem als Grundlage

Ein entscheidender Faktor war zuletzt die ungenügende Leistung von Torhüter Cristobal Huet. Der eingebürgerte Franzose, Stanley Cup-Sieger mit Chicago, war nie mehr als ein durchschnittlicher NLB-Goalie.

Nun hat der «SC Bern der NLB» also reagiert und den Trainer gefeuert. Wie der SCB liegt auch Lausanne mit einem Team, das die Liga dominieren müsste, nur auf dem 6. Platz. Vor seinem Engagement in Lausanne hatte John van Boxmeer drei Jahre lang den SCB trainiert, 2007 das Finale im 7. Spiel in Davos verloren und 2008 und 2009 nach dem Gewinn der Qualifikation jeweils das Viertelofinale verloren.

John van Boxmeer sagt, er brauche jetzt eine Denkpause. «Ich bin müde und nicht dazu in der Lage, gleich wieder eine Mannschaft zu übernehmen.» Er werde nun seinen Sohn besuchen, der in Holland bei Tilburg spielt. «Meine Frau kommt nach Amsterdam und wir werden eine Weile in Holland bleiben.» Dann ist die Rückkehr nach Hause geplant: Der kanadisch-amerikanische Doppelbürger lebt mit seiner Familie bei Anaheim in Südkalifornien. Die Modalitäten für die Vertragsauflösung arbeitet inzwischen sein Anwalt Georges Müller aus, ein ausgefuchster Spezialist für Sport-Arbeitsverträge und einflussreicher Spieleragent aus Zürich.

Vorerst übernimmt in Lausanne Assistent Gerd Zenhäusern das Traineramt. Wunschkandidat Serge Pelleiter kann leider nicht kommen. Er hat soeben in Ambri den Job von Kevin Constantine bekommen.

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