«Time-out»: Der SCB-Trainer ist gerettet: Tavares kommt
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«Time-out»Der SCB-Trainer ist gerettet: Tavares kommt

Unvernunft ist die Erotik des Sportes: Nach Mark Streit und Roman Josi holt der SCB mit John Tavares den dritten NHL-Star.

von
Klaus Zaugg

John Tavares (22) stürmt ab sofort für den SC Bern. So schnelle, feine Hände und eine so feine Nase fürs Toreschiessen wie er haben weltweit nur wenige Stürmer. Da spielt es keine Rolle, dass er, nach NHL-Standards, läuferisch nicht brillant ist. Aber er wird einer der antrittsschnellsten NLA-Spieler sein. Der Nummer-1-Draft (2009) war 2010 bei der WM erst 19 und bereits WM-Torschützenkönig. Der Kanadier wird am nächsten Dienstag in Bern eintreffen und am Mittwoch erstmals trainieren.

Der Freund von Mark Streit wird dringend benötigt. Die Mannschaft befindet sich in besorgniserregendem Zustand und hat zuletzt in einem der schlimmsten Heimspiele dieses Jahrhunderts sogar mit Mark Streit gegen die Lakers verloren. John Tavares beansprucht in Bern so viel Medienpräsenz, dass die Polemik um SCB-Trainer Antti Törmänen vorerst ausbleibt bzw. verdrängt wird. Verstärkt mit Mark Streit, Roman Josi (debütiert am Samstag gegen Lugano) und John Tavares spielt es vorerst keine Rolle mehr, wer beim SCB an der Bande steht. Marc Lüthi könnte die Mannschaft mit dem Natel von seiner Loge aus coachen.

Schwache Ausländer beim SCB

Private Sponsoren finanzieren das Gastspiel von John Tavares und versichern seinen Sechsjahresvertrag im Wert von 33 Millionen Dollar. Da bleibt die Frage: Warum gelingt es nicht, in normalen Zeiten die Mittel für vier gute Ausländer zu finden? SCB-Sportchef Sven Leuenberger steckt in der Budget-Zwangsjacke und hat nicht die Mittel, um überdurchschnittliche ausländische Arbeitnehmer zu finden. Die Bewertung der regulären SCB-Ausländer (Travis Roche, Geoff Kinrade, Byron Ritchie, Nicklas Danielsson) liegt zwischen ungenügend, genügend und gut.

Marc Lüthi sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wir wollen und können nicht permanent Spieler neben dem ordentlichen Budget finanzieren. Wir tun dies nur in einer ausserordentliche Situation wie einem NHL-Lockout.» Und nun, ganz nebenbei, auch noch als Stützungsmassnahme für den Trainer. «Ich verbitte mir solche unsinnigen Behauptungen», sagt Lüthi, nicht ohne Zorn in der Stimme. Er hat schliesslich Antti Törmänen gegen den Willen und den öffentlich geäusserten Unmut von Sportchef Sven Leuenberger zum Trainer gemacht. Sven Leuenberger versteht mehr von Eishockey als sein Chef. Sonst wäre er ja nicht Sportchef.

NHL-Stars lohnen sich nicht

Die Verpflichtung von drei NHL-Spielern macht beim SCB auf den ersten Blick keinen Sinn. Die Sitzplätze sind bereits mit den Saisonabonnementen vollständig ausverkauft. Bei einem Zuschauerschnitt von über 15 000 lässt sich bei einem Fassungsvermögen von 17 131 nur noch eine minimale Steigerung bei den Stehplätzen erzielen. Selbst der zusätzliche Nettoerlös aus dem Verkauf von Fanartikeln ist bescheiden. Oder anders gesagt: Die Transfers von Mark Streit, Roman Josi und John Tavares rechnen sich hinten und vorne nicht.

Aber langfristig schon. Unvernunft zur richtigen Zeit ist die wahre Erotik des Sportes. Auf Dauer kann ein vernünftiger, normaler SCB nicht das wirtschaftlich erfolgreichste Hockeyunternehmen des Landes sein. Der 50-Millionen-Konzern ist ein Unternehmen der Unterhaltungs-Industrie. Der NHL-Lockout ist eine einmalige Gelegenheit, dem eigenen Publikum (seinen Kunden) etwas Besonderes zu bieten und auf spektakuläre Art und Weise zu zeigen, dass der SCB eben immer noch dazu in der Lage ist, grosses Hockeykino zu bieten. Dass man beim SCB an der richtigen Adresse ist.

Nun ist in Bern angerichtet für grossartige Unterhaltung. Der SCB hat endlich wieder Unterhaltungsgarantie. Können die NHL-Stars bis Saisonende bleiben, gibt es ein rauschendes sportliches Spektakel. Müssen die drei Musketiere vorzeitig heim nach Amerika, beginnt sogleich die Polemik um den überforderten Trainer Antti Törmänen.

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