Die beste Armee der Welt: Der Schiess-um-die-Ecke-Soldat

Aktualisiert

Die beste Armee der WeltDer Schiess-um-die-Ecke-Soldat

Die Schweizer Armee will ihre Infanteristen mit Helm-TV, Wärmebildsensoren und Laserpointern ausrüsten. So sieht er aus, der Cyber-Soldat der Zukunft.

von
job

Die Redewendung «Jemanden um die Ecke bringen» könnte für die Schweizer Infanteristen der nächsten Generation eine ganz neue Bedeutung erlangen: Wenn der Feind hinter der nächsten Mauer lauert, springt der «Füsel» nicht mehr wagemutig hervor. Er streckt bloss sein Gewehr um die Ecke, auf das er seine Helmkamera montiert hat, welche nun das Zielvisier auf den Monitor unter seinem rechten Auge überträgt.

Die Schweizer Armee plant die nächste Generation der Infanteristen: Nicht nur Helmkamera, auch ein GPS-Sender und ein modernisiertes Sturmgewehr 90 mit einer Wärmebildkamera und einem Laserpointer sollen künftig zur Ausrüstung der Armee gehören. Dies berichtet die welsche Tageszeitung «Le Matin» unter Berufung auf Informationen über einen Vertrag der Schweizer Armee mit der europäischen Rüstungsfirma Casidian. Mit dieser Technologie sei man anderen europäischen Armeen ebenbürtig oder «teilweise etwas voraus», sagt Sonja Margelist, Sprecherin von Armasuisse, welche für die Schweizer Armee neue Waffen prüft und einkauft.

Zu hohes Gewicht

20 Millionen soll die «beste Armee der Welt» (Ueli Maurer) springen lassen. Damit werde aber nur eine weitere Testphase finanziert, sagt Ludovic Monnerat, Oberstleutnant und Redaktor der «Revue militaire suisse» im «Le Matin». Nach ersten Tests im kleinen Rahmen werde damit ein kompletter Infanteriezug (40 Soldaten) ausgerüstet, um die Ausrüstung im grösseren Rahmen zu prüfen. Gemäss Margelist soll es sich bei den Testern um Durchdiener-Infanteristen handeln.

Gemäss dem Rüstungsplan von Armasuisse, so «Le Matin», beginnt diese Testphase 2014. 2017 könnten dann Bestellungen im grösseren Rahmen erfolgen. «Eine Abgabe der Ausrüstungen an jeden Soldaten dieser Truppengattungen ist aus heutiger Sicht aus militärischen und finanziellen Gründen aber nicht vorgesehen», sagt Armasuisse-Sprecherin Sonja Margelist gegenüber 20 Minuten Online.

37 Millionen für nichts

Fraglich sei, ob sich die Systeme überhaupt bewähren, sagt Militärexperte Monnerat im «Matin». Ein Problem könne das exzessive Gewicht der neuen Ausrüstung sein. Mit den Geräten und den benötigten Ersatzbatterien trägt der Infanterist der Zukunft rund 20 Kilo Material mit sich.

Und was, falls die Tests negativ ausfallen? «Dann haben wir insgesamt 37 Millionen für nichts ausgegeben», zitiert «Le Matin» einen weiteren Militärexperten, der lieber anonym bleiben wollte.

Apropos Um-die-Ecke-Schiessen: Das oben beschriebene System der Schweizer Armee ist eigentlich auch schon veraltet: Die israelischen Streitkräfte testen bereits Gewehre, welche sich schlicht und einfach biegen lassen.

(Quelle: YouTube.com/Discovery Channel)

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