Aktualisiert 28.02.2014 09:29

Für Rekonstruktion

Der Schiffbruch-Kapitän ist zurück an Bord

«Die Gefühle, die ich empfunden habe, als ich das Wrack gesehen habe, kann man mit Worten nicht beschreiben», sagte Costa-Concordia-Kapitän Francesco Schettino.

Costa-Concordia-Kapitän Francesco Schettino ist am Donnerstag im Zuge des Prozesses gegen ihn erstmals wieder auf das havarierte Kreuzfahrtschiff vor der italienischen Insel Giglio zurückgekehrt. Auf Antrag der Verteidigung nahm er an einem Besuch von gerichtlich ernannten Experten auf der Insel und dem Wrack teil. Ihm war dieser Schritt erlaubt worden, um diesen dabei zu helfen, Notstromgeneratoren in dem Wrack zu inspizieren. Die Fachleute sollen einen Bericht für die Verhandlung anfertigen.

Nach der Begehung sagte Schettino, er habe den Fachleuten Tipps gegeben, die dabei helfen sollten, die Verantwortung für die Ereignisse bei dem Unglück aufzuteilen. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch nicht davon überzeugt. Keines der Opfer sei gestorben, weil die Dieselgeneratoren nicht funktioniert hätten, sagte Generalstaatsanwalt Francesco Verusio nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa.

Die Nacht vor der Begehung verbrachte der Kapitän in einer Wohnung auf der Insel. «Die Gefühle, die ich empfunden habe, als ich das Wrack gesehen habe, kann man mit Worten nicht beschreiben. Ich habe an die letzten zwei Jahre und an die vielen Lügen gedacht, die über die Unglücksnacht erzählt wurden», betonte Schettino im Gespräch mit der Tageszeitung «La Nazione».

«Es ist wichtig, Klarheit zu beginnen»

Schettino, der am Dienstagabend auf Giglio eingetroffen war, wollte ursprünglich nicht an dem Besuch des Wracks teilnehmen. «Ich habe ihn davon überzeugt. Es ist wichtig, um Klarheit über die Hintergründe der Havarie zu gewinnen», berichtete der Rechtsanwalt des Kapitäns, Domenico Pepe.

Der Bürgermeister der Insel Giglio, Sergio Ortelli, versicherte indes, dass das Wrack der Costa Concordia planmässig Ende Juni weggeschleppt werden soll. Noch unklar ist, wo das havarierte Schiff zerlegt wird.

32 Menschen kamen ums Leben

Die Costa Concordia hatte vor mehr als zwei Jahren vor der Insel Giglio einen Felsen gerammt und war in Schieflage geraten. Beim Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. An Bord befanden sich 4200 Passagiere. Darunter waren auch 69 Schweizerinnen und Schweizer.

Schettino muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffes in Seenot vor Gericht verantworten. Er hatte den Unfallort in einem Rettungsboot verlassen. Die Hafenbehörde forderte ihn mehrmals auf, wieder an Bord des Schiffes zu gehen, wo noch zahlreiche Passagiere festsassen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahren Haft.

Schettino muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffes in Seenot vor Gericht verantworten. Er hatte den Unfallort in einem Rettungsboot verlassen. Die Hafenbehörde forderte ihn mehrmals auf, wieder an Bord des Schiffes zu gehen, wo noch zahlreiche Passagiere festsassen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahren Haft.

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