30% weniger Gäste: «Der Schiffszuschlag ist ein Erfolg»
Aktualisiert

30% weniger Gäste«Der Schiffszuschlag ist ein Erfolg»

Obwohl 2017 ein Drittel weniger Passagiere auf dem Zürichsee waren, sei der Schiffsfünfliber laut ZVV ein Erfolg. Grund: Mehreinnahmen von 2,4 Millionen Franken.

von
wed
Die Einführung des Schiffsfünflibers Ende 2016 hat der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft einen schlechten Sommer 2017 beschert. Im Juli und August betrug der Passagierrückgang fast 35 Prozent im Vergleich zum Fünfjahresschnitt.

Die Einführung des Schiffsfünflibers Ende 2016 hat der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft einen schlechten Sommer 2017 beschert. Im Juli und August betrug der Passagierrückgang fast 35 Prozent im Vergleich zum Fünfjahresschnitt.

Keystone/Walter Bieri

«Der Schiffsfünfliber ist ein extrem emotionales Thema», sagte die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker-Späh (FDP) am Dienstagmorgen zu den Medien. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde ein Jahr nach der Einführung des Schiffszuschlags ein erstes Fazit gezogen. Es sei viel gesprochen, berichtet und Vorwürfe geäussert worden, so die Volkswirtschaftsdirektorin. «Es ist schön, dass wir heute mal über Fakten sprechen.» Diese würden nämlich zeigen, dass die Prognose des ZVV gar nicht so schlecht gewesen sei.

«So haben wir mit weniger Gästen gerechnet, aber weniger Gäste heisst nicht weniger Geld.» Und das Ziel des Fünflibers sei es gewesen, mehr Geld zu generieren, um an einem jährlichen Defizit von rund 12 Millionen Franken beim Seegeschäft zu arbeiten – und das habe man annähernd erreicht.

2,4 Millionen mehr Einnahmen – 30 Prozent weniger Gäste

Das bestätigt auch Franz Kagerbauer, Direktor des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) : «Wir haben durch den Schiffszuschlag im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Mehreinnahmen generiert.» Er bewertet die Einführung des Schiffsfünflibers als Erfolg. Der Kostendeckungsgrad sei von 37 auf 50 Prozent erhöht worden. «Vorher deckte ein Gast mit seinen Ausgaben nur rund ein Drittel seiner Kosten», so Kagerbauer.

Bei der Anzahl Fahrgäste zeigt sich aber ein weniger positives Bild: 30 Prozent weniger Personen haben den Schiffsbetrieb auf dem Zürichsee genutzt. «Die öffentliche Debatte hat sicher auch dazu beigetragen – zeitweise galt es gar als chic, nicht mehr auf den See zu gehen», sagt Kagerbauer. Besonders GA-Abonnenten hätten die Schifffahrt nicht mehr genutzt.

Gastro-Angebot soll nach Entlassungen angepasst werden

In den Monaten Juli, August und September ging die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahr gar um bis zu über 40 Prozent zurück. «Im September hatten wir wettermässig aber einen ganz üblen Monat – das wäre auch ohne Zuschlag ein Ausreisser nach unten gewesen», sagt der ZVV-Direktor. Auch bei der Kundenzufriedenheit gingen die Werte 2017 im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurück. «Es sind aber immer noch sehr gute Resultate – ich würde sagen ein schlanker Sechser», sagt Kagerbauer.

Sorgen macht aber weiterhin die Gastronomie auf den Schiffen. Zehn Mitarbeiter mussten im Herbst entlassen werden, der Umsatz ging um 15 Prozent zurück. Hier habe man die Auswirkung des Zuschlags unterschätzt. Aus diesem Grund will man das Gastro-Angebot nun anpassen. Dafür stellt der ZVV einen einmaligen Betrag von rund 170'000 Franken bereit. «Auf der Karte werden künftig nur noch die beliebten Speisen angeboten, die restlichen fallen weg», sagt Roman Knecht, Direktor der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG).

Neue Lounge-Möbel für die Schiffe

Zudem werde es teilweise nur noch ein Selbstbedienungsangebot geben, während zusätzliche Lounge-Möbel den Gästen mehr Komfort bieten sollen. Weitere Entlassungen soll es aber gemäss Knecht nicht geben. Im Gegenteil: «Die zehn Angestellten, die entlassen wurden, werden wieder als Saisonarbeiter dazustossen.» Zum Schluss machte er nochmals darauf aufmerksam, dass die Schifffahrt auf dem Zürichsee nach wie vor die preiswerteste in der ganzen Schweiz sei.

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