Aktualisiert 26.07.2011 08:54

Weniger Anrufer

Der schleichende Tod der Servicenummern

Die Verbreitung von Smartphones bedroht Kurznummern wie Sport 164. Sie verlieren immer mehr Nutzer. Trotzdem wird es sie wohl noch lange geben.

von
Amir Mustedanagic
Schöne neue Welt: Die Strassenverkehrs-App verdrängt die Kurznummer 163. (Printscreen, viasuisse.ch)

Schöne neue Welt: Die Strassenverkehrs-App verdrängt die Kurznummer 163. (Printscreen, viasuisse.ch)

Es ist kaum 15 Jahre her, da griffen über neun Millionen Menschen pro Jahr zum Telefon und wählten die Sportauskunft 164. «Der FC Basel – gewinnt gegen den – FC Zürich mit – 3-1», teilte ihnen die etwas blecherne und schleppende Stimme mit. Die Basler ballten darauf die Faust, die Zürcher knallten den Hörer auf – aber alle riefen sie immer wieder an. Denn die Nummer gehörte zum guten Ton unter den Sport-Junkies.

Doch das war einmal. Seit mehreren Jahren verliert die Sportauskunft 164 der Schweizer Sportinformation (SI) rund 20 Prozent der Anrufer pro Jahr. Anderen Info-Diensten geht es nicht besser. Die einstigen Kassenschlager wie Regio-Info (1600), der Wetterdienst (162) oder die Strassenverkehrsinfo (163) kämpfen seit dem Aufkommen von Smartphones und Internet mit teils rapide sinkenden Nutzungszahlen.

Nur noch ein Drittel der Anrufer beim Wetterdienst

Die Anzahl Anrufe auf die Nummer 163 ist innerhalb von vier Jahren um einen Drittel zurückgegangen. Auch der Wetterdienst von Meteoschweiz hat seit 2000 einen Drittel Anrufer verloren. Gemäss Claudia Winkler, Leiterin Marketing und Verkauf bei MeteoSchweiz, sei die Zahl grundsätzlich rückläufig, mit derzeit rund zwei Millionen Anrufen aber immer noch hoch. Anders sieht es bei der Strassenverkehrsinfo aus. Nur noch 426 306 Anrufer haben im vergangenen Jahr die Nummer 163 gewählt. Damit hat die Kurznummer erstmals den Grenzwert von 500 000 Anrufern unterschritten.

Denn die «Verordnung über die Adressierungselemente im Fernmeldebereich» schreibt vor, dass die Kurznummern bis 2022 betrieben werden können, allerdings nur wenn sie eine halbe Million Anfragen erreichen. Wird die Anzahl Anrufe zwei Jahre hintereinander nicht erreicht, wird die Nummer innert Jahresfrist ausser Betrieb gesetzt, heisst es dazu im Gesetz. Was für die Sportinfo den Todesstoss bedeuten würde, gilt allerdings nicht für die Nummern 163 (Verkehrsinformation) und 166 (Bahnverkehrsinformation). Das Bundesamt für Kommunikation hat die beiden Dienste vom Grenzwert ausgeschlossen, weil an den Infodiensten «ein besonderes Interesse für die öffentliche Sicherheit besteht».

Rückläufiges, aber lohnendes Geschäft

Doch auch den 164-Fans muss nicht Bange werden – im Gegenteil. «Der Dienst ist bei der älteren Generation verankert», sagt Mario Casanova, Mitglied der Redaktionsleitung der SI und Produktmanager «Sport 164». «Es ist für uns immer noch ein gutes Geschäft, wenn auch ein rückläufiges.» Laut Casanova werde das Minimum von 500 000 Kontakten pro Jahr immer noch «locker erreicht». Der Sportinformationsdienst denkt deshalb auch nicht an ein vorzeitiges Ende des Dienstes, sagt Casanova: «Wir betreiben die Nummer bis zum Vertragsende.» Vorausgesetzt, die Fans der blechernen 164-Stimme sterben nicht aus.

SBB verzeichnet 1,1 Millionen weniger Anfragen

Nicht nur die Kurznummern kämpfen mit weniger Anfragen, auch der SMS-Fahrplan der SBB. Mit der wachsenden Verbreitung von Smartphones sinken auch die SMS-Anfragen auf die Nummer 222 der SBB. Waren es 2008 noch 4,5 Millionen, verzeichnete die SBB 2010 nur noch 3,4 Fahrplanabfragen.

Viasuisse lanciert App

Die Kurznummer-Betreiber schauen der Abwanderung der Kunden ins Internet und auf Apps nicht tatenlos zu. Die Sportinformation bietet seit längerem eine «164-App» an und Viasuisse hat am 1. Juli 2011 eine «Verkehrs-App» gemeinsam mit der SRG lanciert. Die Applikationen sind allerdings für die Betreiber nicht so einträglich wie die Mehrwertdienste: Die Viasuisse-App ist kostenlos, die 164-App kostet drei Franken beim Download.

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