Schwingerhosen: Der Schneider der bösen Buben
Aktualisiert

SchwingerhosenDer Schneider der bösen Buben

In zwei Wochen beginnt in Frauenfeld das Eidgenössische. Damit die Schwinger ihren König ermitteln können, sind sie auf Hosen aus dem Emmental angewiesen.

von
Herbie Egli

Kennen Sie den Weiler Grünen im Emmental? Nein? Macht nichts. Sie hatten deswegen keinen Fensterplatz in der Geographie. Grünen zählt zur Gemeinde Sumiswald. Diese ist zum Beispiel Heimatort von Bundesrat Didier Burkhalter. Grünen ist aber auch jene Ortschaft, in der dieses Jahr die Schwingerhosen für das Eigenössische Schwing- und Älplerfest hergestellt werden. Genauer gesagt in der Sattlerei von Paul Eggimann.

Eggimann weiss, von was er spricht, wenn es um die Zwilchhosen der Schwinger geht. Der 55-jährige Berner stellt sie dieses Jahr schon zum zehnten Mal her. Weil das Eidgenössische nur alle drei Jahre stattfindet, also schon seit 30 Jahren. Eggimann hat das Handwerk von Haus aus gelernt. «Der Vater hat schon Schwinghosen genäht», sagt der gebürtige Sumiswalder zu 20 Minuten Online.

«Stucki braucht eine Spezialgrösse»

Dieses Jahr sind es 90 Zwilchhosen, die Eggimann von A bis Z herstellte. 45 helle und 45 dunkle. Dank den unterschiedlichen Farben können die Schwinger bei einem Gang visuell auseinander gehalten werden, falls beide in weiss antreten. Der Leinenstoff wird auf Rollen geliefert. Dann greift Eggimann zu Schere und Meter und schneidert die Hose. Mit einer extrastarken Nähmaschine wird der Stoff, der an den Rändern fünf- bis sechslagig ist, zur Hose zusammengenäht. Gürtelschlaufen näht der Sumiswalder von Hand an.

Die Hosen für die stämmigen Herren gibt es in vier verschiedenen Grössen. «Christian Stucki braucht eine Spezialanfertigung», sagt Eggimann. Kein Wunder. Der Berner ist mit 1,98 m und 140 kg ein richtiger Brocken. Die anderen drei Grössen werden mit 0, 1 und 2 bezeichnet. Für Titelverteidiger Jörg Abderhalden (1,88 m/120 kg) ist Grösse 1 reserviert.

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