Nachbarschaftsstreit: Der Schuss ging nach hinten los
Aktualisiert

NachbarschaftsstreitDer Schuss ging nach hinten los

In Erlenbach ZH hat ein enervierter Psychiatriepfleger einen liberianischen Nachbarn mit einem Revolverschuss am linken Bein verletzt. Nun wurde der Schweizer Schütze wegen Lebensgefährdung zu einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Es war ein schöner Julisonntag vor zwei Jahren, als ein Küchengehilfe aus Liberia am späten Nachmittag zu seinem Staubsauger griff. Zum grossen Ärger eines Schweizer Anwohners, der sich wegen des Lärmes bei seinem Nachbarn beschwerte. Offenbar so massiv, dass der Westafrikaner die Reklamation mit einem Faustschlag in das Gesicht des unerwünschten Besuchers beantwortete.

Mit Revolverschuss Gegner verletzt

Der heute 43-jährige Psychiatriepfleger zog sich zunächst mit einem blauen Auge zurück, kehrte aber kurz darauf mit einem geladenen Revolver zurück. Vor dem Hauseingang stellte er seinen Gegner und forderte diesen auf, bis zum Eintreffen der Polizei zu warten. Dann richtete er seine Waffe aus einer Entfernung von fünf Metern auf den Geschädigten. Kurz darauf schoss der ehemalige Sicherheitsbeamte in die Richtung seines Kontrahenten. Die Kugel prallte am Boden ab und streifte das linke Bein des Opfers, das eine Hautabschürfung erlitt. Kurz danach wurde der Schütze von der Polizei festgenommen.

Notwehr geltend gemacht

Vor elf Tagen musste sich der Revolverhalter wegen Gefährdung des Lebens sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Der Angeklagte machte Notwehr geltend und liess seinen Verteidiger auf einen vollen Freispruch plädieren. Der Geschädigte habe sich ihm bedrohlich genähert. Deshalb habe er einen Warnschuss abgegeben, führte der Angeschuldigte aus. Der Verteidiger verneinte nicht nur jegliche Skrupellosigkeit seins Klienten, sondern auch eine unmittelbare Lebensgefahr für den Geschädigten. Der mit Schusswaffen erfahrene Angeklagte habe vielmehr professionell und wohlüberlegt gehandelt, plädierte er.

Lebensgefährdung erwiesen

In seinem nun eröffneten Urteil sah das Obergericht die beiden Anklagepunkte als erwiesen an. Damit auch die Lebensgefährdung. Die Oberrichter bestätigten damit nicht nur ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Meilen, sondern verschärften eine erste Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Franken auf neu 210 Tagessätze zu 30 Franken. Der heute arbeitslose IV-Rentner wurde zudem verpflichtet, dem Geschädigten eine Genugtuung von 500 Franken zu bezahlen. Nicht zuletzt soll er die Berufungskosten von 3000 Franken tragen.

Das Opfer wurde bereits am Bezirksgericht Meilen wegen des Faustschlags ebenfalls verurteilt. Wegen Körperverletzung erhielt er eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken. Im Gegensatz zum Schützen hat der Westafrikaner den Entscheid akzeptiert.

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