Aktualisiert 04.07.2019 07:22

Jäger verunsichern Spaziergänger

«Der Schuss hätte auch mich treffen können»

Weidmanns-Unheil in Däniken SO: Quartierbewohner werfen den Jägern vor, auf der Pirsch Menschenleben zu gefährden. Der Jagdverein weist die Anschuldigungen zurück.

von
S. Ulrich
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Zwischen Jägern und Quartierbewohnern in Däniken SO ist ein Konflikt entbrannt. (Symbolbild)

Zwischen Jägern und Quartierbewohnern in Däniken SO ist ein Konflikt entbrannt. (Symbolbild)

Alessandro Crinari
Sicht vom Bauernhof aus, wo sich die Jäger befanden: Auf der Wiese, etwa auf Höhe des Baggers, graste das Reh. Daniela Müller* spazierte entlang der Lärmschutzwand.

Sicht vom Bauernhof aus, wo sich die Jäger befanden: Auf der Wiese, etwa auf Höhe des Baggers, graste das Reh. Daniela Müller* spazierte entlang der Lärmschutzwand.

zVg
Müller ist fassungslos: «Der Schuss hätte auch mich treffen können.»

Müller ist fassungslos: «Der Schuss hätte auch mich treffen können.»

zVg

Riesenschreck für Daniela Müller* aus Däniken SO: Am Montag begab sie sich auf ihren allabendlichen Spaziergang mit ihrem Vierbeiner. «Wegen der Hitze laufe ich momentan erst gegen 21.30 Uhr los, wenn es bereits am Eindunkeln ist», sagt Müller.

Kurz bevor die 61-Jährige den Wald beim Neu-Bern-Quartier erreichte, erblickte sie auf der angrenzenden Matte ein Reh, das sich nicht weiter um Müller und ihren Hund zu kümmern schien. «Die Rehe kennen mich mittlerweile», sagt sie nicht ohne Stolz.

«Kopflos und unverantwortlich»

Nur zwei Minuten später wurde die Idylle jedoch arg gestört: Durch den Wald hallte ein ohrenbetäubender Knall. «Ich bin ziemlich erschrocken, hatte aber keine Ahnung, woher der Schuss kam.» Gewissheit erhielt die Dänikerin auf dem Rückweg: «Bei einem Bauernhof sah ich zwei Jäger. Sie hatten das Reh erlegt, das eben noch friedlich auf der Wiese graste.»

Brisant: Das Tier befand sich zwischen dem Bauernhof und dem Spazierweg. Müller ist fassungslos: «Der Schuss hätte auch mich treffen können.» Denn sie bezweifle, dass die Jäger sie in der Dämmerung gesehen hätten. Auch habe sie nirgends Warnschilder gesehen. Den Vorfall meldete Müller der Polizei.

Im Neu-Bern-Quartier ist man durch die Geschehnisse alarmiert. «Es kann doch nicht sein, dass am Rande eines Wohngebiets herumgeballert wird», sagt Peter Hochuli (61). Viele Bewohner würden das kleine Waldstück nutzen, um ihren Hund auszuführen. Die Aktion der Jäger sei daher «kopflos und unverantwortlich» gewesen. Bei der Bevölkerung hätten sie nun viel Goodwill verspielt, ist Hochuli überzeugt.

«Wir wissen genau, was wir tun»

20 Minuten konfrontierte den Jagdleiter des Jagdvereins Däniken, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, mit den Vorwürfen. Zum aktuellen Fall könne er sich nicht äussern, da er noch nicht alle Details kenne. Grundsätzlich würden bei der Jagd jedoch hohe Sicherheitsbestimmungen gelten. «Schüsse dürfen etwa nur dann abgegeben werden, wenn ein Kugelfang, also gewachsener Boden, vorhanden ist», erklärt er.

Jeder Schütze sei selber für seinen Schuss verantwortlich und habe dafür zu sorgen, dass er weder Dritte noch deren Eigentum gefährde. Dieser Grundsatz werde weitestgehend erfüllt. «Alle Jäger haben eine entsprechende Ausbildung absolviert. Wir wissen genau, was wir tun», versichert der Jagdleiter. Eine Signalisierung sei bei der Einzeljagd zudem nicht nötig: «Eine solche schreibt das Gesetz nur bei der Treibjagd vor.»

Ab dem 1. Mai dürfen männliche Rehe gejagt werden. Vom Kanton habe man den Auftrag, eine bestimmte Jahresabschusszahl zu erreichen, so der Jäger. Gerade im Umkreis des Waldes neben dem Neu-Bern-Quartier gebe es immer wieder Probleme mit Wildtieren: «Wir haben viele Fälle mit Rehen, die unter den Zug oder das Auto geraten.»

«Keine Gefährdung von Personen»

Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt eine Meldung zum beschriebenen Vorfall. Gemäss Abklärungen sei es jedoch «zu keiner Gefährdung von Personen» gekommen. «Die Sommerbock-Jagd war bewilligt und lief rechtens, die entsprechenden Vorschriften und Bestimmungen wurden eingehalten», heisst es auf Anfrage. Es liege somit kein Straftatbestand vor. Den Quartierbewohnern habe man den Kontakt zur Jagdgesellschaft vermittelt, die ein klärendes Gespräch mit den Personen angeboten hätten.

Auch wenn laut Polizei alles korrekt lief, bleibt bei Daniela Müller ein mulmiges Gefühl in der Magengrube zurück: «Ob ich mich je wieder auf meine Spazierroute traue, weiss ich noch nicht.»

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