Aktualisiert 08.04.2020 19:53

170 Milliarden BIP-Verlust

Der Schweiz drohen Wohlstandsverluste

Der Bundesrat hat die Lockdown-Massnahmen um eine Woche verlängert. Bei weitergehenden Massnahmen wären die Folgen dramatisch. Das Seco erstellte zwei Negativszenarien.

von
fpo
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Geschlossen: Die Wirtschaftsverbände fordern vom Bundesrat Szenarien für eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft.

Geschlossen: Die Wirtschaftsverbände fordern vom Bundesrat Szenarien für eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft.

Keystone/Peter Klaunzer
Viele kleinere Geschäfte in der Schweiz fürchten um ihre Existenz.

Viele kleinere Geschäfte in der Schweiz fürchten um ihre Existenz.

Keystone/Alexandra wey
Durch die Corona-Krise geraten sie in finanzielle Not.

Durch die Corona-Krise geraten sie in finanzielle Not.

Keystone/Alessandro Della Valle

Welche Auswirkungen haben die Mitte März eingeführten gesundheitspolitischen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus für die Schweizer Wirtschaft? Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) dürften die Folgen deutlich stärker sein als noch in der Konjunkturpgronose von März angenommen. Deshalb ergänzte das Seco die Prognose mit zwei Negativszenarien.

Negativszenario 1:

Wenn der Shutdown im Inland erst Ende Mai vollständig aufgehoben wird, wären insbesondere die Industrie, unternehmensnahe Dienstleistungen, der Handel und die Bauwirtschaft stärker von verschärften Liefer- und Absatzproblemen betroffen. Die Produktionsverluste lägen bei rund einem Viertel der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Die Unternehmen würden sich stärker verschulden, was einen negativen Effekt auf ihre Investitions- und Innovationsfähigkeit hätte. Die Folge wären weitere Insolvenzen.

Im zweiten Halbjahr würde eine zügige Konjunkturerholung einsetzen. Dennoch würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Gesamtjahr um 7 Prozent oder rund 90 Milliarden Franken tiefer liegen als bei der Dezember-Prognose. Die Arbeitslosigkeit würde auf rund 4 Prozent steigen.

Negativszenario 2:

Wenn der Shutdown erst ab Juni allmählich gelockert wird, dürfte bei verschiedenen Dienstleistungsbranchen sehr eingeschränkt mit einer Erholung zu rechnen sein. Die Folge wären sich häufende Zweitrundeneffekte wie Entlassungswellen, Firmenbankrotte und Kreditausfälle. Die Finanzstabilität wäre zunehmend gefährdet und weitere grosse Risiken etwa auf dem Immobilienmarkt würden entstehen.

Die Innovations- und Investitionsfähigkeit der Unternehmen wäre stark getroffen. Bei diesem Szenario entstünden sehr grosse permanente Wohlstandsverluste. Das BIP würde 2020 in einer Grössenordnung von 10 Prozent oder rund 170 Milliarden Franken tiefer liegen als bei der Dezember-Prognose. Die Arbeitslosenquote stiege auf bis zu 7 Prozent, was etwa 327'00 Arbeitslosen entspräche.

März-Prognose mit 1,5 Prozent BIP-Rückgang

In der März-Prognose ging das Seco davon aus, dass der Shutdown Ende April weitgehend aufgehoben würde. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionsausfälle während der Wochen des Shutdowns bezifferte es noch auf etwa 10 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Das BIP sollte 2020 um 1,5 Prozent zurückgehen, die Arbeitslosigkeit auf 2,8 Prozent ansteigen.

Immerhin besteht Hoffnung, dass die wirtschaftlichen Folgen nicht so dramatisch wie befürchtet werden, zumal Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Mittwoch eine Lockerung der Massnahmen bereits vor Ende April in Aussicht gestellt hat.

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