«Prekäre Situation»: Der Schweiz droht ein Handschuh-Engpass
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«Prekäre Situation»Der Schweiz droht ein Handschuh-Engpass

Nach den Masken droht ein neuer Mangel: Die enorme Nachfrage an Einweghandschuhen kann kaum gedeckt werden, die Preise steigen exorbitant, und Gauner drängen auf den Markt.

von
Céline Krapf
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Weltweit fehlt es zurzeit an Einweg- und Untersuchungshandschuhen.

Weltweit fehlt es zurzeit an Einweg- und Untersuchungshandschuhen.

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Hier lagern noch Untersuchungshandschuhe verschiedener Grössen – wie lange diese noch erhältlich sind, ist unklar.

Hier lagern noch Untersuchungshandschuhe verschiedener Grössen – wie lange diese noch erhältlich sind, ist unklar.

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Einweghandschuhe wie diese sind weltweit gefragt.

Einweghandschuhe wie diese sind weltweit gefragt.

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Darum gehts

  • Die Nachfrage nach Einweghandschuhen steigt kontinuierlich an.
  • Dadurch steigen die Preise enorm.
  • Erst im Frühjahr 2021 wird eine Entspannung erwartet.

Die Situation erinnert schwer an das Maskendebakel zu Beginn der Pandemie: Weltweit fehlt es zurzeit an Einweg- und Untersuchungshandschuhen. «Die Situation ist sehr angespannt», sagt Rolf Kaufmann, Sprecher des Fachhändlers Meditrade. Die Beschaffungssituation sei «prekär», warnt Grosshändler Weita auf ihrer Website. Und dies sei erst der Anfang: «Wir gehen davon aus, dass die Verknappung von Einweghandschuhen sich in den nächsten Monaten weiter zuspitzt», teilt das Unternehmen Lyreco mit.

Der laufende Bedarf könne im Moment nicht mehr abgedeckt werden, sagt Kaufmann. «Der aktuelle Liefertermin bei seriösen Lieferanten beträgt fünf Monate ab Werk.» Auch Händler Weita ist am Limit: «Die Produktionskapazitäten aller Hersteller werden bei weitem überfordert.» Neue Bestellungen könnten, «wenn überhaupt», erst wieder für den Produktionszeitraum März 2021 platziert werden.

«Man kann sich auf niemanden verlassen»

Dies lockt Gauner auf den Plan: «Es wird in sehr grossem Stil belogen und betrogen», sagt Meditrade-Mediensprecher Kaufmann. «Alles läuft nur noch über Vorauszahlung. Man kann sich auf niemanden verlassen.» Ähnlich klingt es bei Weita: Es sei zu beobachten, dass diverse Unternehmen versuchten, zu stark überhöhten Preisen bei den Produzenten Kapazitäten anderer Kunden abzukaufen. So seien die Preise für Vinylhandschuhe bereits um das Zehnfache angestiegen, schreibt das Unternehmen – Kaufmann spricht von einem vervierfachten Preis.

Das Problem: Der Bedarf steige kontinuierlich und zeitgleich weltweit. «Die Situation ähnelt dem Maskenengpass zu Beginn der Pandemie», sagt Meditrade-Sprecher Rolf Kaufmann. Man habe sich auf diese Situation nicht vorbereiten können. «Die Produktion kann nicht in kurzer Zeit erhöht werden, da diese von Rohstoffen abhängig ist.» Alternativen gebe es nicht: «Eigentlich kann man gar nichts machen», sagt Kaufmann. «Kommt ein Angebot zum Vorschein, muss man sofort zuschlagen, das Geld bezahlen und vor Ort die Lieferung kontrollieren – anders geht es nicht mehr.»

Beim Bund sollte laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) den Überblick über den Bestand innehaben. Zudem übernimmt die interdepartementale Arbeitsgruppe IDAG diverse Aufgaben in der Beschaffung und Zuteilung wichtiger medizinischer Güter. Beide Stellen konnte auf Anfrage von 20 Minuten keine Auskunft geben über die aktuelle Situation in den staatlichen Lagern. Doch der Mangel betreffe wohl auch diese, sagt Kaufmann. «Den Produzenten in Malaysia ist es egal, wer der Käufer ist – ob Staat oder Händler, alle kämpfen mit den gleichen Problemen.»

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