Goldmedaille: Der Schweizer WM-Titel und seine Folgen
Aktualisiert

GoldmedailleDer Schweizer WM-Titel und seine Folgen

Den Schweizer Athleten läuft es an der WM nicht. Dank der Firma Stöckli kann sich die Skination trotzdem über Gold freuen. Das ist alles andere als selbstverständlich.

von
Felix Burch
Tina Maze holte auf Stöckli nach Silber in der Kombination Gold im Riesenslalom. Die Slowenin gewann auf Schweizer Material bereits in Vancouver Silber.

Tina Maze holte auf Stöckli nach Silber in der Kombination Gold im Riesenslalom. Die Slowenin gewann auf Schweizer Material bereits in Vancouver Silber.

Die Alpine Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen verläuft für das Schweizer Team alles andere als erfolgreich. Sämtliche Gold-Hoffnungen mussten begraben werden, die eidgenössische Delegation wird wohl ohne Weltmeister abreisen müssen.

Am Donnerstag konnte die Nation trotzdem jubeln. Die Slowenin Tina Maze fuhr im Riesenslalom auf Schweizer Material zu Gold. Ihr Siegerski kommt aus Wolhusen LU, wo der Familienbetrieb Stöckli ansässig ist. Stöckli-Marketingleiter Adrian Albrecht sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Dieser erste WM-Titel bei den Alpinen hat für uns einen sehr hohen Stellenwert.» Solche Siege seien wichtig für die Glaubwürdigkeit einer Marke. Laut Albrecht ist der Maileingang der Firma voll mit Gratulationsschreiben. Viele Schweizer freuten sich über den Titel der Marke, er gleiche die dürftigen Leistungen der eidgenössischen Athleten ein wenig aus.

David gegen Goliath

Überraschend ist die Goldmedaille nicht, bemerkenswert aber schon. Stöckli ist seit 1994 mit einem kleinen Team im Weltcup vertreten. In der Formel 1 des Skizirkuses bestreitet Stöckli einen Kampf David gegen Goliath, die Schweiz gegen den Rest der Welt. Firmen wie Head oder Atomic können mit ungleich höheren Budgets operieren als die Schweizer(Zahlen gibt es keine)und haben Dutzende Topfahrer unter Vertrag. Solche kann sich Stöckli nicht leisten. Die Schweizer setzen deshalb auf den Nachwuchs, versuchen junge Fahrer von ihrem Produkt zu überzeugen und an sich zu binden.

Dies funktioniert. Mehrere Stöckli-Fahrer waren diese Saison im Juniorenbereich erfolgreich. Bei den Alpinen und im Skicross stellt die Schweizer Marke Weltmeister.

Die Fahrer haben Mitspracherecht

Maze ist eine Ausnahme. Die Slowenin, die schon lange im Weltcup fährt, wurde durch Verletzungen zurückgeworfen. Vor knapp drei Jahren suchte sie für ihr Comeback einen Ausrüster und klopfte bei Stöckli an. Stöckli und Maze feierten rasch Erfolge. Die vorläufige Krönung ist der Weltmeistertitel im Riesenslalom.

Was ist das Geheimnis von Stöckli? Es seien Schweizer Tugenden, die den Unterschied ausmachen, erklärt Marketingleiter Albrecht. Genauigkeit und viel Herzblut gehörten dazu. Zudem hätten die Fahrerinnen und Fahrer viel Mitspracherecht. Ein Input könne rasch umgesetzt werden bei Stöckli. Bei grösseren Firmen ist dies anders. Dort haben nur die Allerbesten Einfluss, die Restlichen bekommen lediglich das Material zur Verfügung gestellt.

Weltcup-Erfolge zahlen sich aus

Dass Erfolg im Rennsport nicht einfach eine angenehme Nebenerscheinung ist, bestätigen Zahlen. Vor dem Weltcup-Engangement von Stöckli exportierte der Skihersteller fast keine Latten ins Ausland. Heute werden 40 Prozent aller Skis im Ausland verkauft. Die benachbarten Alpennationen und die USA sind die wichtigsten Märkte.

Auch direkt messbar ist der Olympiasieg des Schweizers Mike Schmid auf Stöckli. Sein Sieger-Modell ist das mit Abstand begehrteste in der Stöckli-Palette.

Stöckli wird den Jahresumsatz vom letzten Jahr überflügeln. Im vergangenen Jahr wurden 60 Millionen Umsatz gemacht, das war Allzeit-Rekord. Obwohl erst im März abgerechnet wird und der Januar sehr schneearm war, wird dieses Ergebnis laut Albrecht überboten. Erfolge, wie der von Maze, tragen dazu bei. «Schmids Beispiel hat gezeigt, dass sich sportliche Erfolge 1:1 auf den Umsatz auswirken», sagt Albrecht.

Deshalb wird auch Mazes Titel vergoldet. Gratulations-Plakate für Verkaufsläden werden gedruckt, Maze wird in Prospekten und online vermarktet werden. Für eine ganz grosse Kampagne fehlt Stöckli zwar das Geld, die Goldmedaille wird aber «ausgeschlachtet, so gut es geht».

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