Rücktritt der FCB-Mäzenin: Der schwierige Weg aus Oeris Windschatten
Aktualisiert

Rücktritt der FCB-MäzeninDer schwierige Weg aus Oeris Windschatten

Der Rücktritt von Präsidentin Gigi Oeri stellt ihren Nachfolger Bernhard Heusler vor eine grosse finanzielle Herausforderung. Einen Ausverkauf der Topstars soll es aber nicht geben.

von
Eva Tedesco
Nach dem Rücktritt von Gigi Oeri muss der neue FCB-Präsident Bernhard Heusler den Gürtel enger schnallen. (Bild: Keystone)

Nach dem Rücktritt von Gigi Oeri muss der neue FCB-Präsident Bernhard Heusler den Gürtel enger schnallen. (Bild: Keystone)

Mit dem Verkauf von rund 90 Prozent des Aktienpakets der Holding an Bernhard Heusler soll beim FCB die Kontinuität gewahrt bleiben. Den Kaufpreis wollten weder Heusler noch Oeri kommentieren. Auch Finanzchef Mathieu S. Jaus lässt sich keine Zahlen entlocken. «Egal ob 40 Millionen oder ein Franken - entscheidend ist, dass die Zukunft weiterhin gesichert ist. Heusler übernimmt, falls er im Januar von den Mitgliedern gewählt wird, sämtliche bisherigen Rechte und auch Einflussmöglichkeiten, die bis anhin Oeri innehatte und wird diese sicher nicht gewinnbringend verkaufen.»

Das kann Heusler nur bestätigen: «Wir wollen mit dem Konzept weiterfahren, das wir in den letzten Jahren verfolgt haben. Der FC Basel soll auch in Zukunft weiterhin an der Spitze des Schweizer Fussballs stehen und auch international vertreten sein.»

Intelligent haushalten

«Der Fallschirm ist weg», wie es Finanzchef Mathieu S. Jaus umschreibt. Ein Fallschirm, der das Minus in der Kasse des FCB in der Vergangenheit stets aufgefangen hat. Nachdem die Milliardärin - sie ist mit dem Hoffmann-La Roche-Erben Andreas Oeri verheiratet - den Zug im Jahr 1999 angeschoben und 2006 die Führung übernommen hat, stopfte die gebürtige Deutsche 2005 ein Loch von rund 5 Millionen aus dem eigenen Sack und übernahm einen Grossteil des 9,3 Millionen-Defizits aus dem Jahr 2009. In Zukunft wird man noch intensiver dafür sorgen müssen, intelligent zu haushalten, auch wenn in der Holding noch Reserven vorhanden sind.

Nach dem schwachen Ertragsjahr 2009 (Einnahmen 45 Mio; Ausgaben 57 Mio) wies der FCB im Geschäftsjahr 2010 wieder einen Umsatz von 57 537 400 Franken aus. Das war seit 2008 (60 Mio.) der zweithöchste Ertrag, den die Basler erwirtschaftet haben. Dank Meistertitel und Champions-League-Millionen. Erfolg ist aber nicht nur sexy – er kostet auch: Allein die Personalkosten beliefen sich im abgelaufenen Kalenderjahr auf über 31 Millionen Franken (168 Mitarbeiter). Darum sagt Heusler und bleibt dabei in der Sportsprache: «Wir haben Fett angesetzt, dieses Fett müssen wir abspecken und durch Muskeln ersetzen.»

Es muss gespart werden

Der Wirtschaftsanwalt verwendet das Bild eines Radrennfahrers, der sich im Windschatten hochstrampeln konnte und nun aus dem Windschatten herausgetreten ist. «Es gibt im Fussball keine Erfolgsgarantie, aber wir müssen uns so aufstellen, dass wir, wenn der Ball in der 90 Minute an den Pfosten anstatt ins Tor geht, auch überleben können.»

Das sieht auch Jaus so. «Im Erfolg haben sich hier und da Pölsterchen an den Hüften angesetzt. Da ist eine Diät sicher angebracht, obwohl wir unser Gewicht laufend kontrolliert haben.» Betreffen könnte das den aufgeblähten Personalbestand, aber auch Einsparungen auf Reisen der Mannschaft. «Das können kleine Beispiele sein», so Jaus, «dass man nicht im 5-Sterne-Hotel wohnt, wenn auf der anderen Strassenseite ein 4-Sterne-Haus steht und vieles mehr.»

Zahlreiche Juwelen in der Pipeline

Dank der direkten Teilnahme des FCB an der Champions League und dem Verkauf von Samuel Inkoom im Winter muss sich Jaus für das Kalenderjahr 2011 keine Sorgen machen. Auch wenn die Auszahlung der CL-Millionen in Euro «nicht ganz ideal» sei. Auch für die Jahre 2012 und 2013 sieht es rosig aus. Zumal der «Säckelmeister» mit weiteren Einnahmen aus möglichen Transfers liebäugeln kann. Mit Xherdan Shaqiri, Valentin Stocker und Granit Xhaka - um nur einige zu nennen - stehen Juwelen in der Pipeline, die die Zukunft vergolden dürften. Einen totalen Ausverkauf soll es gemäss Häusler aber nicht geben. Ausserdem wurde mit der Grundsteinlegung des neuen Campus ein weiterer Schritt gelegt, eigene Talente auszubilden, welche die Kasse entlasten. In zweierlei Hinsicht: Im Ankauf und Verkauf.

Das Bilden einer neuen Führungscrew in der nächsten Woche soll der erste Schritt zur Wahrung der Kontinuität sein. Heusler will den FCB am 1. Januar so optimal aufgestellt haben, dass beim «Kickoff» alles reibungslos funktioniert. Auch an der Vereinsspitze will der Basler Wirtschaftsanwalt in Zukunft noch ausgeprägter im Team arbeiten. Mit dem Rücktritt der jahrelangen Mäzenin der Rotblauen geht eine Ära von Monopolisten (René C. Jäggi, Werner Edelmann, Gigi Oeri) zu Ende.

«Umso wichtiger wird es sein, dass man neben dem sportlichen Erfolg in wirtschaftlichen Dingen Balance hält. Der fehlende Fallschirm kann aber auch zum Vorteil werden», sagt Jaus. Das Wissen, ohne einen rettenden Schirm aus schwindelerregender Höhe zu springen, kann auslösen, dass man noch mehr Vernunft im Umgang mit dem Haushalt pflegt. «Eine Trägerschaft, die eine gewisse Sicherheit garantiert, werden wir aber weiter brauchen.»

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