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Richard BransonDer Selfmade-Milliardär

Er wurde zum Ritter geschlagen, steuert Hochseejachten, einen Stratosphärenballon und mit Virgin Atlantic gar eine eigene Airline. Der neuste Coup des exzentrischen Milliardärs sind Flüge ins Weltall. Die Wartelisten sind bereits jetzt ellenlang. Was Richard Branson anpackt, wird zu Gold. Ein Portrait.

von
Sandro Spaeth

Sir Richard Branson ist einer, der die ganz grosse Show liebt. So auch an der hollywoodreifen Präsentation seines jüngsten Babys, eines Raumschiffs für kommerzielle Kurztrips ins All. Ab 2012 will Bransons Firma Virgin Galactic den Ausflug für 135000 Euro pro Person anbieten. Bransons Motto: «Wir machen Weltraumflüge erschwinglich.»

Rockstar mit grauen Schläfen

Der 59-jährige Exzentriker Branson ist ein überaus erfolgreicher Unternehmer. Sein Vermögen wird vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf 2,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Branson, der aussieht wie ein gealterter Rockstar, ist Herr über ein Imperium von 200 Firmen und 50000 Angestellten. Insgesamt sollen Bransons Firmen 2008 rund 24 Milliarden US-Dollar umgesetzt haben.

Milliardär trotz Schulabbruch

Der Grundstein für sein grosses Vermögen legte Branson, der mit 17 Jahren die Schule abbrach und an einer Leseschwäche litt, mit Virgin Records – einem Billigversandhandel für Schallplatten. Später gründete er ein Tonstudio und nahm den damals eher unbekannten Bassisten Mike Oldfield unter Vertrag. Dies erwies sich als grosser Coup, denn Oldfields Schallplatte verkaufte sich im ersten Jahr bereits 5 Millionen Mal. Fortan investierte Branson dieses Geld gewinnbringend.

Telekom, Fliegerei, Bräute

Den Briten reizten stets Märkte, in denen er der mächtigen Konkurrenz unterlegen schien. Dies war auch so, als er Mitte der Achtzigerjahre die Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways gründete und damit die stolze Britsh Airways herausforderte. Bransons Erfolg war die Andersartigkeit und sein Motto «geht nicht, gibt's nicht». Später stieg Branson ins Telekomm-Geschäft ein und inzwischen gehören dem Milliardär auch Finanzdienstleister, Hotels und ein Kette für Brautmode.

An der Seite von James Bond

Der Tausendsassa tanzt auf vielen Hochzeiten und versteht es wie kein anderer, die PR-Maschinerie laufen zu lassen. So sicherte er sich als Mitsponsor des Films Casino Royale eine kleine Schauspielerrolle. Von sich reden machte der Milliardär auch mit der ersten Atlantiküberquerung im Ballon und mit der schnellsten Überquerung des grossen Teichs per Schiff. Einzig das Duell um die schnellste Erdumrundung im Ballon verlor Branson; gegen den Schweizer Bertrand Piccard.

Sir Richard B.

Branson machte sich auch als Menschenfreund einen Namen, indem er sich für den Kampf gegen Aids, den Klimaschutz und erneuerbare Energien einsetzt. Auch deswegen wurde er 1999 von der Queen zum Ritter geschlagen und darf seither den Titel «Sir» tragen. Nicht ganz zu seinem Klimaschutz-Gehabe passen das Engagement in der Fromel 1 oder die Kommerzialisierung der Flüge ins All.

Knallharter Geschäftsmann

Grundsätzlich muss alles, was Branson anpackt, rentieren. In seinem Unternehmen verhält er sich wie ein Risikokapital-Investor. Neue Ideen findet er gut, doch sie müssen sich selbst finanzieren. Jedes Engagement muss binnen dreier Jahre mindestens 100 Millionen Pfund Umsatz machen und 30 Prozent Kapitalrendite bringen.

Im vergangenen Sommer interessierte sich Branson für den Kauf von Playboy Enterprises. Finanziell wäre der Kaufpreis von 300 Millionen US-Doller für den Milliardär problemlos zu tragen gewesen, doch Branson hegte Zweifel an der Rentabilität des Erotik-Imperiums. Bleibt zu hoffen, dass der exzentrische Brite mit seinen Weltraumflügen die eigenen Renditeerwartungen erreicht. Die Aussichten sind jedenfalls nicht schlecht, denn auf der Warteliste für die Trips in die Schwerelosigkeit sollen bereits 80 000 Personen stehen.

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