Der Sion von Sono Motors nutzt Sonne für mehr Energie und Moos für gute Luft
Das Elektroauto Sion von Sono Motors lädt sich selbst über die Energie der Sonne.

Das Elektroauto Sion von Sono Motors lädt sich selbst über die Energie der Sonne.

Sono Motors
Publiziert

Deutsches Solar-AutoDer Sion nutzt Sonne für mehr Energie und Moos für gute Luft

Das Münchner Start-up Sono Motors bringt den Sion auf die Zielgerade. Solarzellen sorgen für zusätzliche Energie, isländisches Moos reinigt die Luft.

von
Peter Weissenberg

Es rumpelt irgendwo von rechts hinten. Es knirscht merkwürdig beim Durchfahren des engen Kurvenradius von knapp zehn Metern. Und beim Aussteigen quietschen die Türen leicht. Aber das spielt nun wirklich keine Rolle. Denn dieses Auto ist ein Schwerarbeiter.

Vom Beifahrersitz dieses Prototyps ermuntert Markus Volmer, trotz der beunruhigenden Geräusche, noch etwas zackiger die Kurven des kleinen Testparcours nördlich von München zu nehmen: «Der ist es gewohnt, gequält zu werden», sagt der Chefentwickler des Newcomers Sono Motors. Dass der 4,31 Meter lange Wagen so ächzt im Gebälk, liege an den vielen Tausend Testkilometern auf dem Buckel – und daran, dass die Säulen auf dem Aluminiumrahmen der Bodenplatte noch aufgeschraubt sind, statt verschweisst wie in der Serie.

248 Kollektoren für maximal 245 Kilometer

Bis zum Serienstart ist es zwar noch ein gutes Jahr hin, doch der Prototyp ist schon recht nah am Serienmodell, für das mehr als 13’000 Menschen aus ganz Europa im Schnitt 3000 Euro Anzahlung auf die avisierten 25’500 Euro Kaufpreis geleistet haben. Vor allem hat der Test-Sion bereits alle wesentlichen Ausstattungsdetails, die das finale Produkt des Münchner Startups zu einer Einzelerscheinung in der Flut neuer Elektroautos machen werden.

Das ist bereits auf dem 10-Zoll-Display auf der Mittelkonsole zu sehen, als der Sono aus der grossen Testhalle hinaus in die Sonne fährt. Auf dem Bildschirm ist der Wagen schematisch von oben zu sehen – und auf Haube, Dach und den Seitenflächen leuchten jetzt gelb die Kilowatt: jene nämlich, die die dort eingelassenen Solarzellen in die Batterie laden. Sono-Mitgründer Laurin Hahn rechnet vor, dass in einer durchschnittlich sonnigen Woche die 248 Kollektoren die Reichweite des Fahrzeugs um 112 Kilometer erhöhen. In einer speziell sonnigen Sommerwoche sind sogar 245 Kilometer drin. Ein städtischer Pendler mit den dort durchschnittlichen 16 Kilometern täglicher Strecke kann die ganze Woche ins Büro und zurück, ohne den Akku einmal nachzuladen.

Isländisches Moos in einer beleuchteten Vitrine sorgt für frische Luft im Inneren des Fahrzeugs.

Isländisches Moos in einer beleuchteten Vitrine sorgt für frische Luft im Inneren des Fahrzeugs.

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248 Solarzellen sind in Dach, Haube und Flanken eingelassen. Sie erzeugen Strom für durchschnittlich 16 Kilometer pro Tag.

248 Solarzellen sind in Dach, Haube und Flanken eingelassen. Sie erzeugen Strom für durchschnittlich 16 Kilometer pro Tag.

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Mit einer Leistung von 120 kW (163 PS) und einem Topspeed von 140 km/h ist der Sion ausreichend stark motorisiert. 

Mit einer Leistung von 120 kW (163 PS) und einem Topspeed von 140 km/h ist der Sion ausreichend stark motorisiert.

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Natürlich kann der Akku mit einer Kapazität von 54 kWh auch am Kabel geladen werden, und zwar mit bis 75 kW. Die maximale Reichweite wird etwas über 300 Kilometer betragen. Der Sion surrt flott voran, das Bremspedal wird dank kräftiger Rekuperation kaum gebraucht. 290 Newtonmeter Drehmoment und 120 kW (163 PS) lassen die elektro-übliche Fahrlaune aufkommen. Aber um die Fahrleistungen bis zu den abgeregelten 140 Stundenkilometern V-Max geht es sicher ohnehin den wenigsten Sion-Interessierten.

Viel Mühe, sich bei der Auswahl zu orientieren, werden Interessierte eh nicht haben: Das Auto gibt es nur in einer Ausführung und immer in schwarz. LED-Scheinwerfer, Sitzheizung, Klimaautomatik und vernetztes Infotainment sind ebenso an Bord wie ein adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent und weitere Sicherheitsfeatures. In der Serie wird der Sion übrigens noch einmal 16 Zentimeter länger, damit der Vorderwagen auch ganz sicher die Anforderungen eines Crashtests erreicht. Und im Innenraum fällt vor allem ein Detail auf: Quer durchs Armaturenbrett läuft eine beleuchtete Vitrine, in der Moos aus Island drapiert ist. Ob es dieser natürliche Luftreiniger auch in die Serienversion schafft, wird sich erst zeigen müssen.

Wie gefällt dir das Auto? Würdest du damit fahren wollen? Und was hältst du vom Moos in der Vitrine?

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