Vogts-PK: Der «Skandal» mit dem WC-Papier
Aktualisiert

Vogts-PKDer «Skandal» mit dem WC-Papier

Berti Vogts wurde «von Schlägern tätlich angegriffen», hiess es. Doch in Tat und Wahrheit spielte sich alles viel entspannter - und fast ein bisschen lustig ab.

von
fox

Die Sportinformation meldete am Sonntagmittag: «Vogts an Pressekonferenz attackiert.» Der Nationaltrainer Aserbaidschans soll nach der 1:2-Niederlage gegen Kasachstan von «Schlägern tätlich angegriffen worden» sein. Sicherheitsleute hätten Schlimmeres verhindert, Vogts erstattete Anzeige.

In deutschen Medien wurde der 64-Jährige zitiert: «Ich habe schon viel erlebt, aber mit so etwas hätte ich nicht gerechnet. Das ist auch nicht zu verstehen, das geht gar nicht. Mir fehlen die Worte.» Er vermutete gar «bezahlte Schläger» hinter der Attacke.

Giesskanne und Toilettenpapier

Hört sich alles schlimm an. Doch dann wird die Sache kurios: Die ARD meldet: «Ein Mann mit einer Giesskanne und ein weiterer mit Toilettenpapier» hätten Vogts erwartet. Er sagt: «Ich kann nur sagen, dass ich angegriffen worden bin. Das ist abgehakt.» Die russische Agentur Interfax schreibt, Vogts sei von einem Journalisten mit einer Rolle WC-Papier beworfen worden.

Aufgeklärt wird der Fall von der «Süddeutschen Zeitung». Diese hatte einen Mann vor Ort. Daniel Theweleit meldet: Rund 20 Journalisten seien an der PK gewesen. Auf die Frage, wie lange er noch im Amt bleiben möchte, habe er geantwortet: «Um vier Uhr geht eine Maschine über Istanbul nach Deutschland, wenn der Verbandspräsident das möchte, dann werde ich die nehmen.» Die Hälfte der Anwesenden habe dies mit Applaus goutiert. Kurz darauf war der Pressetermin zu Ende.

«Sicherheitskräfte waren definitiv zu keinem Zeitpunkt nötig»

Als Vogts den Raum verlassen wollte, musste er an sechs, sieben Berichterstattern vorbei, welche «mit WC-Papierrollen wedelten, die sich mehr und mehr abwickelten». Einer der Protestierenden hätte eine rote Giesskanne geschwenkt - wohl weil nichts anderes verfügbar war. «Wahrscheinlich wurde Vogts von ein bisschen Klopapier berührt, und aus dieser Situation muss wohl die Geschichte vom tätlichen Angriff entstanden sein, die der Sport-Informations-Dienst am Sonntag nach einem Telefonat mit Vogts verbreitete», mutmasst Theweleit. «Vielleicht hat er den bizarren Protest tatsächlich als bedrohlich empfunden. Aber Sicherheitskräfte waren definitiv zu keinem Zeitpunkt nötig», berichtet der Reporter weiter und erzählt, wie ein lächelnder Vogts danach den deutschen Journalisten die Hintergründe der Abneigung erklärte.

Die Frage bleibt aber trotzdem im Raum: Wie lange macht Berti Vogts den Job noch in Aserbaidschan. Am Dienstag gastiert der verlustpunktlose Leader Deutschland beim Europameister-Trainer von 1996. Kaum anzunehmen, dass dieses Spiel die Wende einleitet. Aber womöglich klären die deutschen Journalisten den «WC-Papier-Skandal» dann definitiv auf.

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