Preissturz beim Gold: Der SNB droht ein Milliardenschaden
Aktualisiert

Preissturz beim GoldDer SNB droht ein Milliardenschaden

Der Goldpreis befindet sich im Sturzflug. Das Edelmetall hat seit Anfang Jahr 25 Prozent an Wert eingebüsst. Das reisst ein Loch in die Bilanz der Schweizerischen Nationalbank.

von
Sabina Sturzenegger

Die Rechnung ist einfach: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) besitzt 1040 Tonnen Gold. Ende 2012 war das Kilo Gold noch 48'815 Franken wert. Jetzt sind es nur noch 37'500 Franken, also 11'313 Franken weniger. Auf den gesamten Goldreserven macht der Buchverlust damit zurzeit 11,8 Milliarden Franken aus.

Starke Schwankungen normal

Das ist zwar nur eine Momentaufnahme. Im Verlauf eines Jahres können die einzelnen Positionen in der SNB-Bilanz stark schwanken – abhängig unter anderem von Währungs- und Aktienkursen oder eben auch dem Goldpreis. Das Edelmetall macht 10 Prozent der gesamten SNB-Währungsreserven aus.

Ende letzten Jahres konnte die SNB einen Gewinn von 6,9 Milliarden Franken ausweisen, an Bund und Kantone wurde 1 Milliarde Franken Gewinn ausgeschüttet. Der gestiegene Geldpreis steuerte 1,4 Milliarden Franken bei.

Einbruch stärker als erwartet

Mit einer Erholung des Goldpreises auf das Niveau von Ende 2012 rechnen die Experten inzwischen nicht mehr. «Der Einbruch war sehr viel stärker als wir erwartet haben», sagt der Londoner Rohstoffexperte Martin Arnold von ETF Securities zu 20 Minuten.

Die Signale der US-Notenbank, die Anleihenkäufe künftig zu drosseln, hätten dem Goldpreis mehr zugesetzt als er gedacht habe. «Für die nächsten sechs bis zwölf Monate rechnen wir mit einem Goldpreis zwischen 1350 und 1400 US-Dollar pro Feinunze», sagt Arnold.

Verlust von 9 Milliarden?

Das entspricht einem Kilopreis von rund 40'000 Franken. Davon ausgehend würde für die SNB immer noch ein Verlust auf ihrem Gold-Vermögen von über 9 Milliarden entstehen. Hat die Nationalbank zu spät reagiert und es verpasst, ihr Gold zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen?

Alessandro Bee, SNB-Analyst bei der Bank J. Safra Sarasin, verneint. «Es ist richtig, dass die SNB ihre Goldbestände nicht abbaut, wenn der Preis auf dem Edelmetall hoch ist», sagt er. Das Gold der SNB diene nicht dazu, einen Gewinn zu erwirtschaften, sondern Vertrauen zu schaffen. «Das Edelmetall gewinnt immer dann an Wert, wenn die Ängste auf den Märkten besonders gross sind», erklärt Bee. Das habe sich in der Krise gezeigt.

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