08.03.2016 09:53

Verirrt am Gemsstock«Der Snowboarder hatte riesiges Glück»

Dank eines Notlagers für Hirten überlebte ein Snowboarder zwei Tage in den Bergen. Ein Retter erzählt vom Glück des 19-Jährigen.

von
Annette Hirschberg

«Der junge Mann hat absolut richtig gehandelt, aber auch viel Glück gehabt», sagt Christian von Dach, Einsatzleiter der SAC-Rettungsstation Andermatt. Er sass im Helikopter der Rega, als man den 19-Jährigen am Sonntag winkend im Schnee entdeckte. Dieser wollte am Freitag mit einer Gruppe vom Gemsstock über die Gafallenhütte nach Hospental. Die Abfahrt befindet sich ausserhalb der signalisierten Pisten, wird gemäss der Kantonspolizei Uri aber oft befahren.

Der nicht so erfahrene Snowboarder stürzte im tiefen Schnee und verlor den Kontakt zu seiner Gruppe. «Um ihn herum war alles weiss und er wusste nicht mehr, wo er war», sagt von Dach. Auf seiner Suche nach der Spur zu den anderen habe er aber einen Blech-Container entdeckt. Aus Sicht des Einsatzleiters ein riesiger Glücksfall. «Im Schnee und ohne zu wissen, wo er ist, wären seine Überlebenschancen gering gewesen.»

Kocher und Kachelofen

Der 19-Jährige habe aber einen klaren Kopf bewahrt und das Seine zum glücklichen Ausgang beigetragen. Anstatt einfach loszufahren, habe er eine Lösung vor Ort entdeckt, was nicht selbstverständlich sei. «Den Container sieht man nicht gut, er ist nur etwa zwei Meter auf einen Meter gross und war schneebedeckt.»

Der Container sei zwar verschlossen gewesen. Man habe das Schloss aber ohne viel Aufwand öffnen können. Drinnen gab es alles, was man zum Überleben braucht: Einen kleinen Kachelofen, eine schmale Pritsche und einen Gaskocher, mit dem sich der junge Deutsche Schnee schmolz, um Wasser zu haben. Der Container wird im Sommer von einem Schafhirten als Notschlafstelle genutzt. Sogar etwas zu essen habe es dort gegeben. So habe er zwei Tage im Schneesturm ausharren können.

«Ein Happy End»

Glück hatte der 19-Jährige auch, dass man ihn am Sonntagmorgen fand. «Zuerst hatte es noch zu viel Nebel, doch als es ein Loch gab, stiegen wir sofort mit dem Helikopter auf», erzählt von Dach. Der Einsatzleiter wollte für die Suche am Boden nur die Lawinensituation überprüfen und ein allfälliges Signal des Lawinenverschütteten-Suchgeräts detektieren. Der Heli sei in Richtung des Containers geflogen, als der Mann herauskam und mit den Armen auf sich aufmerksam machte. Von Dach freut sich: «Ein schönes Happy End.»

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