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Florence SchellingDer Sonnenschein, der die Pucks hält

Mit der unlösbaren Aufgabe gegen Kanada beginnt für die Eishockey-Nati der Frauen am Samstag das Olympia-Turnier. Florence Schelling nimmt dabei eine Schlüsselposition ein.

von
Marcel Allemann
Sotschi

Die Zürcherin ist so etwas wie das Gesicht der Schweizer Eishockey-Nati. Dies mag einerseits daran liegen, dass sie eine attraktive, junge Frau und zudem die Ex-Freundin von NHL-Crack Yannick Weber ist. Andererseits aber auch daran, dass sie eine Top-Goaliefrau ist. «Sie gehört zu den besten drei Torhüterinnen auf der Welt. Und wenn sie zeigt, was sie kann, ist sie ganz oben auf dem Treppchen», sagt Nati-Trainer René Kammerer über seine Nummer eins im Tor.

Die Brüder stellten Klein Florence ins Tor

Zur Eishockey-Torhüterin wurde Florence, weil ihre Brüder Philippe (spielt bei den Kloten Flyers in der NLA) und Nicolas (hat seine Karriere wegen Verletzungen frühzeitig beendet) beim «Hockeylen» in der heimischen Garage einen Goalie brauchten und auf die Idee kamen, die kleine Schwester ins Tor zu stellen. Aus dem Muss ihrer Brüder wurde für Klein Florence dann eine Passion; sie trat der Frauen-Hockey-Abteilung der GCK Lions bei, danach spielte sie für die ZSC Lions, ehe sich Schelling 2008 der Northeastern University in Boston anschloss, um Eishockey und Studium zu verbinden. Die Zürcherin reifte in dieser Zeit zu einer der weltbesten Goalies und war die Schlüsselfigur beim überraschenden Gewinn der WM-Bronzemedaille 2012.

Inzwischen hat Schelling ihr Studium abgeschlossen und ist auf diese Saison hin in die Schweiz zurückgekehrt. Sie arbeitet auf dem Hauptsitz des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) in Zürich als IT-Koordinatorin und Assistentin der Geschäftsführung, befasst sich dabei unter anderem mit der Weiterentwicklung von Statistiken. Eishockey spielt sie nun, um genügend gefordert zu werden, im Männerteam des Erstligisten EHC Bülach. Es gelang ihr dabei durchaus, in der dritthöchsten Schweizer Liga Akzente zu setzen. «Für mich war das die beste Vorbereitung aufs Olympiaturnier. Die Schüsse sind viel härter und schneller – das ist ideal für mich im Hinblick auf die ersten beiden Spiele gegen Kanada und die USA», so Schelling.

Die Viertelfinals bereits auf sicher

Durch die Erfolge der letzten Jahre wurde die Schweiz mit Kanada, den USA und Finnland in die stärkere der beiden olympischen Gruppen eingeteilt. Dies hat den Vorteil, dass das Team schon im Voraus einen Platz in den Viertelfinals auf sicher hat und somit (gegen ein in der Weltrangliste schwächer rangiertes Team) in die unmittelbare Medaillenentscheidung eingreifen kann. «Wir haben so alles in unseren eigenen Händen», meint Schelling. Es hat aber gleichzeitig auch den Nachteil, dass die Schweizerinnen wohl zunächst von den übermächtigen Kanadierinnen (Samstag) und Amerikanerinnen (Montag) zweimal heftig abgewatscht werden, ehe für sie das Turnier mit dem Spiel gegen Finnland richtig beginnt. «Sollte es denn so sein, müssen wir damit umgehen können. An der letzten WM gelang uns das nicht so gut und wir schieden anschliessend aus. Doch wir haben unsere Lehren daraus gezogen», glaubt Schelling. Für sie selbst geht es in den ersten beiden Spielen primär darum, «ein gutes Gefühl zu bekommen, unabhängig davon, wie viele Tore ich kassiere.» Gegen die sich mit ihren Strukturen und der Bedeutung des Frauen-Eishockeys in anderen Sphären bewegenden Nordamerikanerinnen kommen zumeist über 50 Schüsse auf das Tor von Schelling zugeflogen, «einmal waren es sogar 80».

Erst 24 und schon zum dritten Mal an Olympia

Florence Schelling hat somit einige sehr arbeitsintensive Tage vor sich. Mit ihrer Routine dürfte sie diese überstehen, ohne Schaden zu nehmen. Denn obwohl sie erst 24 Jahre alt ist, bestreitet sie in Sotschi bereits ihre dritten Olympischen Spiele. Mit ihrer Klasse soll sie nach den «Nordamerika-Spielen» der Mannschaft die Chance geben, die restlichen Partien im Kampf um Bronze zu gewinnen.

Nach den Olympischen Spielen wird Schelling zum EHC Bülach zurückkehren und mit dem Männerteam die Playoffs bestreiten. Und wie sieht ihre weitere Zukunft aus? «Ich werde auf jeden Fall ein weiteres Jahr in der Schweiz bleiben und hoffe, dass ich weiterhin in der 1. Liga spielen kann.» Würde sie sich auch einen Aufstieg in die NLB zutrauen? «Warum nicht», sagts – und zieht ihr typisches Sonnenschein-Lächeln auf. «Wenn es einen Klub gibt, der mich will.»

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