Fairplay: Der Sportsgeist ist hier grösser als jeder Sieg
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FairplayDer Sportsgeist ist hier grösser als jeder Sieg

Fairplay-Gesten wie die von Triathlet Alistair Brownlee gibt es immer wieder. Wir haben einige legendäre Aktionen zusammengestellt.

von
dmo

Alistair Brownlee stützte am Wochenende auf dem dritten Rang liegend an einem Triathlon in Mexiko seinen in Führung liegenden Bruder Jonny, als der kurz vor dem Kollaps war. Gemeinsam schleppten sie sich die verbleibenden 700 m ins Ziel (Video oben). Diese Fairplay-Aktion war übrigens regelkonform, da er seinen Bruder nur stützte und nicht etwa schob oder trug. Alistair verzichtete damit selber auf den Sieg. Ein solch faires Verhalten ereignet sich in der Welt des Sports immer wieder. Wir haben einige schöne Aktionen ausgegraben.

Beginnen wir mit einem tragischen Unfall am Grand Prix der Niederlande 1973. David Purley zögerte damals keine Sekunde, als er sah, wie sein Fahrerkollege Roger Williamson nach einem Crash in seinem brennenden Wagen eingeklemmt war. Er stellte sein Fahrzeug an den Streckenrand und versuchte Williamson zu helfen. Für diesen kam jedoch jede Hilfe zu spät.

(Quelle: Youtube/rysiora)

An den Olympischen Spielen in Rio im August erlebte die Sportwelt mit, wie Nikki Hamblin und Abbey D'Agostino sich nach einem Sturz in der Qualifikation über 5000 Meter gegenseitig ins Ziel halfen.

Machen wir einen Sprung zum Tennis. Am Australian Open 2015 stand es zwischen Tim Smyczek und Rafael Nadal 2:2 in den Sätzen sowie 6:5 und 30:0 für den Spanier im entscheidenden Durchgang. Bei eigenem Service wurde Nadal durch einen Zwischenruf von den Rängen gestört, der Ball geriet zu lang. Smyczek bat den Stuhlschiedsrichter, Nadal nochmals zwei, anstatt nur einen Ball zuzugestehen, was der auch tat. Der Amerikaner verlor den Punkt und bald darauf auch den Match.

(Quelle: Youtube/MostlySport)

Ebenfalls eine riesige Fairplay-Geste zeigte Jack Sock am Hopman Cup 2016 in Perth im Spiel gegen Lleyton Hewitt. Beim Stand von 4:5 und 30:0 im ersten Satz widersprach der Amerikaner einer Entscheidung des Linienrichters, der den Service des Lokalmatadors im Aus gesehen hatte. Sock meinte zu Hewitt, er solle die Challenge nehmen. Dieser zögerte zunächst, wählte dann aber tatsächlich den Videobeweis. Und Hewitt hatte Sock zu Recht vertraut – der Ball war auf der Linie.

(Quelle: Youtube/7Tennis)

Der italienische Fussballer Paolo Di Canio ist eine umstrittene Persönlichkeit. Das nicht zuletzt wegen seiner politischen Gesinnung – er ist als Faschist bekannt. Nichtsdestotrotz zeigte der ehemalige Spieler von West Ham im Jahr 2000 in einer Partie gegen Everton eine faire Geste. Anstatt beim Stand von 1:1 zur Führung ins leere Tor einzuschiessen, fing er im Sechzehner eine Flanke mit den Händen ab und unterbrach so die Partie. Der Grund dafür? Er hatte Evertons Keeper Paul Gerrard verletzt ausserhalb des Strafraums liegen sehen.

(Quelle: Youtube/Luca Rossi)

Bleiben wir gleich in den politischen Gefilden. An den Olympischen Spielen 1936 in Berlin unter Adolf Hitler wurde wohl keinem Duell mehr Beachtung geschenkt als dem im Weitsprung. Der dunkelhäutige Amerikaner Jesse Owens und der Deutsche Ludwig «Luz» Long waren die grossen Konkurrenten. In der Qualifikation patzte Owens bei seinen ersten beiden Versuchen. Daraufhin bot Long seinem Kontrahenten Hilfe an und gab ihm ein paar Ratschläge. Letztendlich schlug Owens den Deutschen und gewann unter den Augen des nationalsozialistischen Regimes Gold.

Und zum Schluss noch eine Familiengeschichte. An den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona startete Derek Redmond im Halbfinal über die 400 Meter. 150 m vor dem Ziel jedoch riss er sich seine Achillessehne. Zunächst kauerte er auf dem Boden, rappelte sich jedoch wieder hoch und schleppte sich weiter. Da nahte vom Rand der Tartanbahn Unterstützung. Es war sein Vater Jim Redmond, der ihm bis über die Ziellinie half.

(Quelle: Youtube/Connie Lynne)

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