Elfmeterschiessen: Der Strafstoss - eine deutsche Disziplin
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ElfmeterschiessenDer Strafstoss - eine deutsche Disziplin

Eigentlich war es ja schon klar: Real Madrid hat gegen Bayern München im Penaltyschiessen keine Chance. Es gewinnen ja immer die Deutschen. Doch stimmt dieser Mythos auch?

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Das Penaltyschiessen zwischen Real Madrid und Bayern München. (Quelle: YouTube/<a href="http://youtu.be/zkBvjdwOVV0"_blank">666FinalGoalTotal</a>)

«Und am Ende gewinnen immer die Deutschen.» Gary Lineker liess seinem Frust nach dem verlorenen Penaltyschiessen im WM-Halbfinal von 1990 mit diesem legendären Satz freien Lauf. Der englische Toptorjäger begründete damit den Mythos der Unschlagbarkeit der Deutschen beim Elfmeterschiessen. Immer wenn es zur Kurzentscheidung kommt, zittern den Gegnern deswegen schon die Knie, während die Teutonen mit viel Selbstvertrauen zum Punkt schreiten.

Schon sechsmal musste die deutsche Nationalmannschaft zu einem Elfmeterschiessen antreten, fünfmal ging sie als Sieger vom Platz. Bei der WM 2006 gegen Argentinien machte sich Jens Lehmann im Viertelfinal dank seinem Spickzettel unsterblich. 1990 und 1996 scheiterten die Engländer im WM- beziehungsweise EM-Halbfinal an der Nervenstärke der Deutschen. Und auch bei den Weltmeisterschaften von 1986 (Viertelfinal gegen Gastgeber Mexiko) und 1982 (Halbfinal gegen Frankreich) hatten die Deutschen das bessere Ende für sich.

Nur bei ihrer Premiere musste sich die DFB-Elf geschlagen geben: Ausgerechnet im EM-Final 1976 scheiterten die Deutschen. Unvergessen bleibt Uli Hoeness' Hammer in den Belgrader Nachthimmel, der das Schicksal der Deutschen besiegelte. Doch kann man die Unbesiegbarkeit der Deutschen vom Punkt auch auf Bayern München übertragen?

Bayern international noch makellos

Gegen Real Madrid wurde es jedenfalls ganz schön eng. Nach den Paraden von Manuel Neuer gegen die Versuche von Ronaldo und Kaká sahen die Bayern schon wie der sicheren Sieger aus, doch auch Kroos und Lahm scheiterten an ihren Nerven. Erst als Sergio Ramos den Ball auf die Tribüne des Bernabéu drosch und Schweinsteiger souverän verwandelte, durften die Bayern jubeln.

Das Elfmeterschiessen gegen Real war erst das vierte für den deutschen Rekordmeister in einem internationalen Wettbewerb. Und wer hätte es gedacht? Auch die ersten drei entschieden die Bayern für sich. 2001 sicherte «Titan» Kahn den Bayern dank seinen Penalty-Paraden im Final die erste Champions-League-Trophäe seit dem Hattrick von 1974 bis 1976. Schon 1973/74 im damaligen Pokal der Landesmeister gegen Åtvidabergs FF und 1983/84 im Uefa Cup gegen PAOK Saloniki setzten sich die Bayern durch. National hat die Bilanz des «Mia san Mia»-Klubs einen kleinen Makel. Im DFB-Pokal gewannen die Münchner «nur» neun von elf Penaltyschiessen.

Immer wieder überragende Torhüter

Nicht nur die Bayern, auch zwei andere deutsche Klubs feierten auf europäischer Ebene übrigens schon bedeutende Siege im Elfmeterschiessen. Schalke sicherte sich 1997 den Uefa-Cup-Kübel gegen Inter Mailand dank Lehmanns Reflexen und auch Leverkusen holte seinen einzigen internationalen Titel - ebenfalls den Uefa Cup - im Elfmeterschiessen gegen Espanyol Barcelona.

Doch was macht die Deutschen so stark bei der vermeintlichen Lotterie vom Punkt? Zum einen haben sie ein scheinbar unerschöpfbares Repertoire an guten Torhütern. Neuer, Lehmann, Kahn, Köpke, Illgner oder Schumacher: Sie alle gehör(t)en zu ihrer Zeit zur Crème de la Crème auf der Torhüterposition. Zum anderen wirkt der Mythos der Unschlagbarkeit wie eine Motivationsspritze, die sich von Mal zu Mal noch mehr auf das Selbstvertrauen der Spieler auszuwirken scheint. Dass im Elfmeterschiessen auch eine gehörige Portion Glück mitspielt, ist ja wohl klar.

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