Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
14.11.2020 10:00

Der Studebaker Lark VI war der Retter in Rot

Studebaker stand mehrfach vor dem finanziellen Absturz, und jedes Mal konnte mit einem neuen Modell das Ruder herumgerissen werden. 1959 kam diese Aufgabe dem Studebaker Lark zu und er machte seinen Job gut.

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Bruno von Rotz
14.11.2020

Der Studebaker-Packard Corporation ging es Ende der Fünfzigerjahre nicht besonders gut. Die grossen Drei von Detroit taten alles, um die kleinen unabhängigen Anbieter aus dem Markt zu drücken. Die ganze Hoffnung von Studebaker ruhte daher auf einem kompakten neuen Wagen, mit dem man auch direkt in Konkurrenz zum erfolgreichen Rambler American treten wollte. Als Name wählte man «Lark» (deutsch: Lerche). Dies passte ganz gut, schliesslich sind Lerchen kleine Singvögel, die ihr Revier mit allen Mitteln verteidigen.

Der neue Wagen musste in kurzer Zeit entstehen, entsprechend baute er auf dem bewährten Champion (1953-1958), dem man mehr oder weniger die Überhänge kappte und den Radstand kürzte. Der Innenraum blieb aber fast gleich gross wie vorher, entsprechend bot der Lark für seine kompakten Dimensionen (Länge 445 cm, Breite 181 cm, Höhe 146 cm) viel Platz für sechs Personen, die fast soviel Bewegungsfreiheit hatten wie in einem der grossen Amerikaner jener Zeit.

Immer mehr Varianten

Verfügbar war der Lark zunächst als viertürige Limousine, als Hardtop-Coupé und als Kombi in den Ausstattungsvarianten Deluxe und Regal. Als Motoren standen ein Reihen-Sechszylinder- und V8-Motoren zur Verfügung.

Die Verkaufserfolge mit dem ersten Baujahr motivierten Studebaker dazu, mit weiteren Modellvarianten der Lark-Baureihe aufzuwarten. Im Oktober 1959 wurden ein Cabriolet (mit verstärktem Fahrgestell) und ein viertüriger Kombi angekündigt. Technisch gab es an den Lark-Modell kaum grössere Änderungen, auch das Design wurde weitergeführt, viele Detailveränderungen verbesserten die Wagen im Kleinen. Die grösste Neuerung war ein neuer Sechszylinder mit hängenden Ventilen im Herbst 1960.

Bereits am 10. Dezember 1963 stoppte die Produktion bei Studebaker in den USA. Man verlagerte zwar nach Kanada, aber der Ruf war ramponiert, das Ende eingeleitet, notabene in einer Zeit, in der die amerikanische Automobilindustrie Rekordabsätze feierte.

Damals ein durchaus üblicher Anblick, heute eine Rarität: Der Stutebaker Lark von 1961.

Damals ein durchaus üblicher Anblick, heute eine Rarität: Der Stutebaker Lark von 1961.

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Doppelscheinwerfer gab’s erst nach einiger Zeit, vorher mussten einzelne Leuchten reichen.

Doppelscheinwerfer gab’s erst nach einiger Zeit, vorher mussten einzelne Leuchten reichen.

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Der Lark war zwar relativ kurz, aber genauso breit wie die grösseren Amerikaner.

Der Lark war zwar relativ kurz, aber genauso breit wie die grösseren Amerikaner.

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Ein Überlebender

Passend zu den Schweizer Nationalfarben steht die viertürige Studebaker Lark Limousine mit Jahrgang 1961 rot lackiert und mit weissen Dach vor uns, frisch restauriert und im Neuwagenzustand.

Ausgerüstet mit dem Sechszylindermotor ist dies sicherlich kein Sportwagen, aber die Fahrleistungen reichen locker zum Mithalten im normalen Strassenverkehr. Nur die Bremsen seien nicht mit modernen Verzögerungseinrichtungen zu vergleichen, erklärt der stolze Besitzer. Abstand sei gefragt und Vorsicht, die erinnert fast an die gängigen Corona-Mottos.

Ansonsten geht die Fahrerei ohne Mühen vonstatten, ein Automatikgetriebe sorgt für schonungsvollen Vortrieb, in Kurven wankt der Wagen ein wenig. Schnell die Richtung wechseln will man aber sowieso nicht, dazu fehlt auch der Seitenhalt auf der durchgehenden Sitzbank. Dafür gibt es genug Platz für sechs Personen, die zudem eine gute Rundumsicht geniessen können. Und für Sympathien bei den Passanten sorgt die hübsche Limousine sowieso.

Weitere Informationen und viele Bilder sowie die Verkaufsliteratur von damals gibt es auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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18 Kommentare
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Ex-Golfer

15.11.2020, 23:22

So froh verschwinden diese Verbrenner-Stinker. Zuerst muss für den Treibstoff immer wieder neues Öl gewonnen werden, dann wird es mit viel Gift aus dem Auspuff gelassen (bei 2/3 Wärme statt Kin-Energie). Dann braucht es auch noch mehr Strom um Benzin oder Diesel herzustellen, als wenn man direkt mit dem Strom fährt. Und eeendlich keine teuren Service Rechnungen mehr, weil wieder mal ein Pümpchen, das Getriebe oder sonst schwer zugängliche Verschleissmechanik kaputt ging.

rbt

15.11.2020, 10:56

Zum Glück sind wir heute nicht mehr abhängig von den Schurken Erdöl-Staaten. Der Strom kommt im besten Fall vom eigenen Dach, das Auto ist jeden Tag getankt (was ist eine Tankstelle?), der Treibstoff muss nicht mehr mit Tankern und Lastwagen um die Welt transportiert werden. Wieso auch, wenn sich Strom viel einfacher transportieren lässt und die Steckdosen schon da sind.

Rubin

15.11.2020, 10:52

Charme haben sie die alten Autos. Aber habt ihr mal gesehen wie es im Innenraum bei einem Zusammenstoss mit 30kmh aussieht? Gibt schon einen Grund weshalb heutige Autos viel schwerer sind und sich das Design merklich geändert hat.