06.10.2018 19:06

McGregor-ComebackDer Super-Proll des Kampfsports ist wieder da

Nach dem verlorenen Kampf gegen Floyd Mayweather war es zumindest sportlich gesehen ruhig um Conor McGregor. Am Wochenende steigt der Ire wieder in den Ring.

von
Marcel Rohner
1 / 8
Er ist zurück. Nach fast zwei Jahren ohne Kampf im Käfig tritt der Ire Conor McGregor am Sonntagmorgen (MEZ) wieder an.

Er ist zurück. Nach fast zwei Jahren ohne Kampf im Käfig tritt der Ire Conor McGregor am Sonntagmorgen (MEZ) wieder an.

Keystone/Seth Wenig
Sein Gegner kommt aus Russland, heisst Khabib Nurmagomedow und ist noch unbesiegt: 26 Kämpfe, 26 Siege. Er will McGregor auspowern: «Seine Schwäche ist die Ausdauer», sagt er.

Sein Gegner kommt aus Russland, heisst Khabib Nurmagomedow und ist noch unbesiegt: 26 Kämpfe, 26 Siege. Er will McGregor auspowern: «Seine Schwäche ist die Ausdauer», sagt er.

Keystone/Seth Wenig
UFC-Boss Dana White muss McGregor bei der Pressekonferenz zurückhalten. Das ist er sich mittlerweile gewohnt. Der Kampf findet in Las Vegas statt.

UFC-Boss Dana White muss McGregor bei der Pressekonferenz zurückhalten. Das ist er sich mittlerweile gewohnt. Der Kampf findet in Las Vegas statt.

Keystone/Seth Wenig

«Ich werde ihn zerreissen.»

«Er wird zerfallen.»

«Er hat ein Kinn aus Glas.»

«Ich glaube an einen vernichtenden Knockout.»

Da ist er also wieder. Der Mann, der in einem halbstündigen Podcast mehr Drohungen aussprechen kann, als andere es in ihrem ganzen Leben je tun werden. Conor McGregor, ein Scharfschützengewehr im MMA-Käfig, so seine Selbstanalyse.

Der Berüchtigte, so sein Kampfname, der auch in grossen Buchstaben auf seinen Bauch gestochen ist, hat eine fast zweijährige Wettkampfpause hinter sich. Seine Frau Dee Devlin brachte in dieser Zeit einen Sohn zur Welt. Die beiden waren schon lange vor McGregors Karriere ein Paar. Der Name des Sohns, er passt: Conor McGregor Junior.

75 Millionen für einen Kampf

Conor McGregor Senior konnte sich die Auszeit problemlos leisten. Seinen letzten Kampf bestritt und gewann er im November 2016 gegen Eddie Alvarez. Und als er sich vor gut einem Jahr im Boxen versuchte und gegen Floyd Mayweather unterging, da verdiente er dennoch 75 Millionen Dollar. Eine Farce, so das Verdikt vieler Zuschauer und Experten.

Bildstrecke: Mayweather verprügelt McGregor

1 / 6
50-0: Floyd «Money» Mayweather gewinnt den letzten Boxkampf seiner Karriere gegen den MMA-Superstar Conor McGregor dank einem TKO und verbleibt damit als alleiniger Rekordhalter auf dem Box-Thron.

50-0: Floyd «Money» Mayweather gewinnt den letzten Boxkampf seiner Karriere gegen den MMA-Superstar Conor McGregor dank einem TKO und verbleibt damit als alleiniger Rekordhalter auf dem Box-Thron.

kein Anbieter/Christian Petersen/Getty Images
Wie die Feuerwehr: Zu Beginn des Kampfes landet der grosse Aussenseiter aus Irland mehr Schläge und ist deutlich aktiver als die Box-Ikone.

Wie die Feuerwehr: Zu Beginn des Kampfes landet der grosse Aussenseiter aus Irland mehr Schläge und ist deutlich aktiver als die Box-Ikone.

kein Anbieter/Christian Petersen/Getty Images
Unkonventioneller Stil: Der MMA-Kämpfer wechselt immer wieder zwischen dem orthodoxen und dem south-paw Stand und landet des Öfteren seine satten Jabs.

Unkonventioneller Stil: Der MMA-Kämpfer wechselt immer wieder zwischen dem orthodoxen und dem south-paw Stand und landet des Öfteren seine satten Jabs.

kein Anbieter/Ethan Miller/Getty Images

McGregor kehrt nun in sein Revier zurück, den Käfig. Die eingangs erwähnten Zitate stammen von ihm. Und sie gelten Khabib Nurmagomedow, einem Russen, gerade 30 geworden, 26 Kämpfe, 26 Siege. Er ist der Mann, gegen den McGregor am Sonntagmorgen um ca. 4 Uhr MEZ antreten wird. Aus eigentlich ganz pragmatischen Gründen: Wegen seiner zweijährigen Inaktivität wurden dem Iren seine beiden Titel aberkannt. Nurmagomedow erbte.

Vermarktung und Aufmerksamkeit

Der Kampf findet in Las Vegas statt. Das gehört sich mittlerweile so bei McGregor. Und doch war es nicht immer abzusehen. Der Ire verlor im April einmal mehr die Kontrolle über sich selbst, so macht es den Anschein, so wäre es wenn der Mann im Video nicht McGregor wäre. Der Selbstvermarkter hat aber einfach das gemacht, was er – neben dem Kämpfen – am besten kann: sich vermarkten, Aufmerksamkeit generieren. Nach einer Pressekonferenz mit anderen MMA-Kämpfern attackierte er deren Bus mit einem Absperrgitter und einem Transportkarren.

Dana White, Präsident der Ultimate Fighting Championship (UFC), sagte nach dem Vorfall, er wolle nichts mehr mit McGregor zu tun haben. Und der Übeltäter selbst kam vor Gericht. Erst nachdem er sich mit den Betroffenen auf einen Vergleich einigte, Sozialstunden absolvierte und an einem Anti-Aggressionstraining teilnahm, wurde die Klage fallen gelassen. Somit darf McGregor wieder Arbeitsverträge unterschreiben, auch jenen für den Kampf mit Nurmagomedow. Den Russen soll er übrigens im April gesucht haben, als er den Bus angriff.

Ein Herz verspeisender Gorilla

McGregor schreibt lauter solche Geschichten, er ist nicht nur ein grossartiger Kämpfer, sondern eben auch eine Marke. Zu dieser hat er sich selbst gemacht, mit seinen polarisierenden Sprüchen und seinen extravaganten Auftritten. Die Kombination macht ihn reich, nur Mayweather, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo verdienten 2017 mehr. Auf McGregors Brust prangt ein Gorilla, der gerade ein Herz verspeist, darunter sein eigener Nachname und ein Tiger. Und eben das Wort berüchtigt.

McGregors Gegner Nurmagomedow aber ist nicht nur der brave Widersacher. Auch er teilt vor dem Kampf aus. Es bleibt ihm ja fast nichts anderes übrig. Allerdings ist er bei seinem Trash Talk um einiges zurückhaltender. McGregor spreche wie ein Hund, sagt Nurmagomedow bei BT Sports. Er selbst sei eher wie ein Löwe und warte. Seine Taktik: «Ich werde ihn müde machen, er hatte schon immer Ausdauerprobleme.» Tatsächlich liegen McGregors Stärken vor allem in seinem Timing und seiner Schnelligkeit.

Nurmagomedow kann bei dem Kampf zwei Weltmeister-Titel verlieren. Für McGregor geht es primär um die Rettung seines Rufs als einer der besten MMA-Fighter überhaupt. Und sollte das nicht klappen? McGregor sagt, er sei offen für einen Rückkampf gegen Mayweather. Finanziell dürfte sich das wieder lohnen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.