Weiterer Aufstieg?: Der Swiss droht der Abgang ihres Chefs
Aktualisiert

Weiterer Aufstieg?Der Swiss droht der Abgang ihres Chefs

Lufthansa-Chef Christoph Franz wird Präsident von Roche. Das könnte auch für die Swiss Auswirkungen haben: Ihr CEO Harry Hohmeister gilt als Kandidat für den Top-Job.

von
S. Spaeth
Harry Hohmeister sitzt seit 2005 in der Swiss-Geschäftsleitung und stieg 2009 auf den Posten des CEO auf.

Harry Hohmeister sitzt seit 2005 in der Swiss-Geschäftsleitung und stieg 2009 auf den Posten des CEO auf.

Sesselrücken im Airline-Geschäft: Lufhansa-Chef Christoph Franz wechselt zu Roche. Die Aktionäre des Basler Pharma-Riesen dürften den 53-jährige Deutschen im März zu ihrem Präsidenten wählen. Der Branchenwechsel des Wirtschaftsingenieurs kommt der Swiss denkbar ungelegen: Ihr aktueller CEO Harry Hohmeister gilt als einer der Top-Kandidaten für den Lufthansa-Chefposten: Im Frühjahr wurde der 49-Jährige in die Leitung des Mutterkonzerns berufen, wo er die Verantwortung für Verbund-Airlines trägt, darunter Austrian und Swiss.

Harry Hohmeister sitzt seit 2005 in der Swiss-Geschäftsleitung und stieg 2009 zum CEO auf. Er gilt als Architekt des aktuellen Erfolgs: Unter der Regie des Norddeutschen setzte die Airline zum Steigflug an, lieferte fette Gewinne an den Mutterkonzern und transportierte 2012 die Rekordzahl von 15,8 Millionen Passagieren.

Geschickter Verhandlungsführer

«Harry Hohmeister ist Kronfavorit für den Lufthansa-Chefsessel», sagt Patrick Huber, Chefredaktor der Airline-Zeitschrift «Cockpit» im Gespräch mit 20 Minuten. Hohmeister kenne das Business wie nur wenige und sei ein geschickter Verhandlungsführer. Das habe sich insbesondere beim GAV-Streit mit dem Personal gezeigt. Hohmeister stieg vor Jahren als Luftverkehrskaufmann ins Airline-Geschäft ein und kennt die Industrie wie seine Westentasche. Zudem hat der Top-Manager eine Leidenschaft fürs Fliegen und lässt sich auch mal an Fliegertreffen blicken.

Laut Huber wäre der Aufstieg des Swiss-CEO zur Muttergesellschaft Lufthansa ein grosser Verlust. Hohmeister habe sich gut in die Schweizer Mentalität hineinversetzen können und sei überall akzeptiert gewesen. Bei der Swiss will man über einen allfälligen Abgang nicht spekulieren.

Als Anwärter kommt Hohmeister auch für den Luftfahrt-Analysten Jens Flottau infrage: «Er hat Chancen, ist aber nicht der Top-Kandidat.» Laut Flottau sei Hohmeister Lufthansa-intern umstritten, gelte als selbstverliebt und eigenbrötlerisch. Und dass zuweilen sogar die Teamfähigkeit des 49-Jährigen angezweifelt werde, dürfte die Chancen des Swiss-CEO nicht vergrössern.

Keine Eile bei der Nachfolgersuche

Als Hohmeisters grosser Gegenspieler gilt Christoph Spohr, wie es in der Branche heisst. Der Inhaber der Kapitäns-Lizenz sitzt seit 2011 im fünfköpfigen Lufthansa-Vorstand und ist verantwortlich fürs Passagiergeschäft. Bei der Lufthansa will man sich an Spekulationen nicht beteiligen: «Wir haben keine Eile bei der Nachfolgersuche», sagt Konzernsprecher Christoph Meier auf Anfrage. Christoph Franz werde seinen bis Mai 2014 gültigen Vertrag erfüllen.

Dass Franz von Bord geht, kommt für die Lufthansa-Führung so ungelegen wie überraschend: Der Konzern befindet sich mitten in einer wichtigen Phase der Umstrukturierung: Erst im Mai hat die Airline ein gigantisches Sanierungsprogramm namens Score aufgegleist: 500 Millionen mehr einnehmen, 1 Milliarde sparen – 3500 Jobs abbauen. Man werde an Score festhalten – auch mit einem neuen CEO, betont Lufthansa-Sprecher Meier. Ob mit der gleichen Beharrlichkeit, zieht Aviatikexperte Flottau in Zweifel: «Hohmeister dürfte konsequent sein, Spohr wohl etwas weniger.»

Stetiger Aufstieg

Erst im Juli musst die Swiss bereits den Abgang des Finanzchefs Marcel Klaus verkraften, fand in Roland Busch aber einen Nachfolger. Tut sich mit Hohmeisters möglichem Aufstieg bald eine neue Lücke auf? Es gehe ihm nicht so sehr um die eigene Karriere, sagte Harry Hohmeister im August in der TV-Sendung «Schawinski».

Die Biografie des Norddeutschen sagt hingegen etwas anderes: Vom Luftverkehrskaufmann arbeitete er sich bis bei der Lufthansa zum Stellvertreter des Netzwerkchefs vor und wechselte daraufhin zu Condor. Beim Ferienflieger misslang hingegen der Aufstieg an die Spitze, weshalb der Norddeutsche die Konsequenzen zog und als Netzwerkchef zur Swiss stiess.

Kommt Hohmeister an die Spitze, würde sich die Geschichte wiederholen: Auch der aktuelle Lufthansa-Chef Christoph Franz war einst Swiss-CEO, sanierte die Gesellschaft und wurde in den Konzernvorstand berufen. Die Krönung erfolgte 2011, als Franz den CEO-Posten übernahm.

Mehr Lohn für Franz

Der neue Posten bei Roche dürfte für Christoph Franz deutlich lukrativer ausfallen als sein bisheriger. Zu den in Aussicht gestellten Bezügen machte Roche zwar keine Angaben. Sofern sich das Gehalt das Wirtschafsingenieurs aber in einem ähnlichen Rahmen wie das des jetzigen Roche-Präsidenten Franz Humer bewegen wird, wäre dies für Franz ein deutlicher Lohnsprung. Humer erhielt 2012 ein Grundgehalt von 4 Mio. Franken. Zusammen mit Sondervergütungen kam er demnach auf 8,7 Mio. Franken. Franz' Vergütung bei Lufthansa betrug 2012 rund 2,6 Mio. Euro. (SDA)

Börse: Lufthansa verliert - Roche gewinnt

Nach der Ankündigung des Abgangs von Konzernchef Christoph Franz am Montag verlieren die Lufthansa-Aktien an Wert. Die Titel notierten 0,4 Prozent tiefer, während der Dax um 0,9 Prozent stieg. Franz verlässt Lufthansa per Ende Mai, um bei Roche als Verwaltungsratspräsident anzufangen. Der Abgang kommt für Lufthansa zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Airline befindet sich mitten in einem milliardenschweren Sparprogramm.

Während die Lufthansa-Aktien an Wert verloren, legten diejenigen von Roche leicht zu. Im frühen Geschäft verzeichneten die Papiere ein Plus von rund 0,5 Prozent. Von Analysten wurde Franz als hervorragender, bestens vernetzter Manager beschrieben. Als einziger Schwachpunkt gilt der Mangel an Erfahrung in der Pharmaindustrie. (SDA)

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