Nominierte Spiele: «Der Swiss Game Award hilft, Türen zu öffnen»
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Nominierte Spiele«Der Swiss Game Award hilft, Türen zu öffnen»

Zum fünften Mal wird der SGDA Swiss Game Award verliehen. Im Interview erklärt Verbandspräsident Matthias Sala, was den Award speziell macht.

von
J. Graber

Diese Spiele sind nominiert für den Swiss Game Award. (Video: 20M)

20 Minuten: Wieso wurde der Swiss Game Award ins Leben gerufen?

Matthias Sala: Mit dem Award wollen wir die Sichtbarkeit steigern, der Preis soll die Medien und Vertreter der Politik auf die Spiele aufmerksam machen. Bei Gründung der Swiss Game Developers Association (SGDA) entschieden wir, uns mit einem Branchenpreis für die Schweizer Games einzusetzen und diese abzufeiern.

Was zeichnet den Award aus?

Wir wollen neuartige Games fördern. Die von einer Jury ausgezeichneten Spiele können auch Exoten sein. Mit dem Award soll der Mut gefördert werden, einzigartige Spiele zu entwickeln.

Welche Bedeutung hat der Game Award für die Entwickler?

Da die ausgezeichneten Games oft weitere, internationale Awards erhalten, ist es schwierig, die Wirkung des Swiss Game Awards abzuschätzen. Sicher aber hilft er, bei Publishern Türen zu öffnen, weil die Spiele schon für gut befunden wurden.

Der Swiss Game Award wird dieses Jahr zum fünften Mal verliehen. Wie hat er sich entwickelt?

Am Anfang wussten wir nicht, was uns erwartet und ob wir überhaupt genügend Spiele für eine Bewertung erhalten. Wir stellten aber schnell fest, dass das Bedürfnis gross war. Jährlich werden mittlerweile 30 bis 50 Games eingereicht.

Was freut dich in der kurzen Geschichte des Awards am meisten?

Die Schweizer Szene ist klein, doch nun bewerben sich auch Entwickler, von denen wir vorher noch nie gehört hatten.

Ein Game, von dem derzeit viel die Rede ist, gehört nicht zu den Finalisten: «FAR: Lone Sails». Wieso?

Um die Zugänglichkeit zu Schweizer Games zu fördern, besagt ein Kriterium, dass das Spiel zumindest als Demo veröffentlicht sein und vom öffentlichen Publikum gespielt werden können muss. Umso gespannter sind wir auf die Release-Version von «FAR» und die Einreichung nächstes Jahr.

Nach welchen weiteren Kriterien werden die Spiele ausgewählt?

Es muss sich um ein Spiel im weitesten Sinn handeln und es durfte nicht schon einmal ausgezeichnet werden. Die Kriterien für die Teilnahme halten wir bewusst sehr offen. Das gibt der Jury viele Freiheiten, beinhaltet aber auch eine grosse Verantwortung. Eine der Stärken der Jury ist, dass sie nicht aus Entwicklern besteht, die sich nur selbst abfeiern*.

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«(re)format Z» von Blindflug Studios, Zürich, entstand anlässlich des 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. «(re)format Z»

«(re)format Z» von Blindflug Studios, Zürich, entstand anlässlich des 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. «(re)format Z»

«Colorful Darkness» von Piñata Punch, Lausanne, schickt Spieler in eine Sci-Fi-Welt die atmosphärisch an «Blade Runner» erinnert. Spieler hacken darin Geräte. «Colorful Darkness»

«Colorful Darkness» von Piñata Punch, Lausanne, schickt Spieler in eine Sci-Fi-Welt die atmosphärisch an «Blade Runner» erinnert. Spieler hacken darin Geräte. «Colorful Darkness»

«Into Delight» von Igor Neiman, Renens, zeichnet sich durch spartanische Grafiken und ein albtraumhaftes Labyrinth aus, aus dem Spieler entkommen müssen. «Into Delight»

«Into Delight» von Igor Neiman, Renens, zeichnet sich durch spartanische Grafiken und ein albtraumhaftes Labyrinth aus, aus dem Spieler entkommen müssen. «Into Delight»

Nach welchen Merkmalen werden die Games bewertet?

Auch hier halten wir es sehr einfach: Welches Spiel hinterlässt den stärksten Eindruck? Wir fördern das gehaltvollste Spiel und nicht nur die Ausrichtung aufs Verkaufspotenzial.

Wo steht die Schweizer Entwicklerszene heute im Vergleich zu den Anfängen des Awards?

Es hat eine unglaubliche Professionalisierung stattgefunden und die meisten Spiele werden heute sehr gut präsentiert. Zwar wird immer noch nicht jedes begonnene Spiel fertiggestellt, aber das gilt ja selbst für grosse Games. Während sich hierzulande früher alle kannten, ist die Szene zudem enorm gewachsen und weniger überschaubar geworden. Das spornt an und inspiriert.

Ein Blick in die Kristallkugel: Was passiert 2018?

Ich sehe viel Potenzial bei den Indie-Studios, die wiederholt erfolgreiche Spiele machen. Politisch wird es ein Schlüsseljahr, da der Bericht zum Postulat von Jacqueline Fehr veröffentlicht wird. Er wird beleuchten, wie Games als Kulturgut und Wirtschaftsgut gefördert werden können. Weiter kommt die Abstimmung über das neue Zürcher Film- und Mediengesetzt im Herbst. Beides hat Auswirkungen auf die Aktivitäten der Studios. Es wird ein spannendes Jahr.

*Der Autor ist Mitglied der diesjährigen Jury.

Der SGDA Swiss Game Award und die Jury

Der SGDA Swiss Game Award wird seit 2014 vergeben, die Verleihung findet jeweils am Ludicious Game Festival in Zürich statt. Fünf Games haben es in die Finalrunde geschafft:

«(re)format Z»

«Colorful Darkness»

«Into Delight»

«Niche: A Genetics Survival Game»

«Retimed»

Die Jury:

Stefanos Piitidis (Jury Präsident, Senior Game Emulation Developer, Nvidia)

Yannick Rochat (Wissenschaftler UNIL GameLab, Université de Lausann)

Angela Blank (ToLL, Sony Playstation Switzerland)

Ettore Trento (Nintendo)

Jan Graber (Journalist 20 Minuten/Graber Texte)

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