Vereitelter Anschlag in Deutschland: Der syrische Bombenbauer kam 2015 als Flüchtling
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Vereitelter Anschlag in DeutschlandDer syrische Bombenbauer kam 2015 als Flüchtling

Yamen A. plante in Schwerin einen grossen Terroranschlag. Er wurde vorher festgenommen. Ins Land reiste der 19-Jährige als Flüchtling.

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mlr
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Der am 31. Oktober 2017 festgenommene Syrer Yamen A. lebte im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf. Er kam als Flüchtling nach Deutschland.

Der am 31. Oktober 2017 festgenommene Syrer Yamen A. lebte im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf. Er kam als Flüchtling nach Deutschland.

epa/Felipe Trueba
Offenbar bereitete der 19-Jährige einen schweren Anschlag vor. Spezialkräfte der Polizei kamen dem mutmasslichen Islamisten aber zuvor und nahmen ihn fest.

Offenbar bereitete der 19-Jährige einen schweren Anschlag vor. Spezialkräfte der Polizei kamen dem mutmasslichen Islamisten aber zuvor und nahmen ihn fest.

epa/Felipe Trueba
Laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe plante Yamen A. seit Juli 2017 einen Bombenanschlag mit hochexplosivem Sprengstoff inmitten einer grösseren Menschenansammlung.

Laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe plante Yamen A. seit Juli 2017 einen Bombenanschlag mit hochexplosivem Sprengstoff inmitten einer grösseren Menschenansammlung.

AP/Jens Buettner

Der Syrer, der am Dienstag in Schwerin unter schwerem Terror-Verdacht festgenommen wurde, hatte im Februar 2016 einen Asylantrag gestellt. Yamen A. sei im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen, teilte Lorenz Caffier, Landesinnenminister von Mecklenburg-Vorpommern, am Dienstagabend mit.

Laut «Spiegel» hatte der 19-Jährige seit April 2016 eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und genoss subsidiären Schutz. Am Mittwoch soll der Mann gemäss «Schweriner Volkszeitung» (SVZ) dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Der Richter soll entscheiden, ob ein Haftbefehl erlassen und Untersuchungshaft angeordnet wird.

«Er hat es versprochen»

Der Syrer lebte im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf, einem sozialen Brennpunkt mit vielen Arbeitslosen und Migranten. Eine Nachbarin des Verdächtigen berichtete der SVZ von häufigen nächtlichen Ruhestörungen: «Da haben sich oft junge Leute getroffen und bis in den Morgen laut geredet», so die Rentnerin. Sie habe Yamen A. aufgefordert, sich an die Regeln zu halten, wenn er hier leben wolle. «Er hat es versprochen. Aber es hat nicht funktioniert», sagte die alte Dame, die anonym bleiben will.

Der Polizeieinsatz habe ihn nicht überrascht, sagte ein anderer Anwohner. Er höre von solchen Einsätzen sonst nur aus Grossstädten wie Hamburg oder Berlin, doch auch in seiner Stadt habe die Integration versagt. Vor allem hapere es an der Sprachförderung, so der Mann.

Minister: Anschlagsgefahr ist hoch

Bayerns Innenminister nahm den vereitelten Anschlag unterdessen zum Anlass, bei der Terrorbekämpfung eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern anzumahnen. «Bei der Konkretisierung dieses wichtigen Ziels brauchen wir bei den nächsten Sondierungsrunden unbedingt Fortschritte», sagte Joachim Herrmann (CSU) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Mittwoch mit Blick auf die laufenden Koalitionsgespräche von CDU, CSU, FDP und Grünen.

Die Festnahme von Yamen A. belege einmal mehr, dass die Gefahr eines islamistisch motivierten Anschlags in Deutschland weiterhin hoch sei, sagte Herrmann. Es sei «ein wichtiger Erfolg der Sicherheitsbehörden». Der Einsatz zeige, dass diese im Kampf gegen den Terror grundsätzlich gut aufgestellt seien.

Der Syrer wird laut Bundesanwaltschaft verdächtigt, eine «schwere staatsgefährdende Gewalttat» vorbereitet zu haben. Er fasste demnach spätestens im Juli den Entschluss, «in Deutschland inmitten einer grösseren Menschenansammlung einen Sprengsatz zu zünden und dadurch eine möglichst grosse Anzahl von Personen zu töten und zu verletzen». Ein konkretes Anschlagsziel hatte er aber offenbar noch nicht ins Auge gefasst.

(mlr/afp)

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